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Armenien-ResolutionDie deutsche Beteiligung am Völkermord

Armenier erinnern bei einer Demonstration in Jerusalem an die Opfer des Völkermords 1915. (imago / Zuma press)
Armenier erinnern bei einer Demonstration an die Opfer des Völkermords 1915. (Archiv) (imago / Zuma press)

Mit der Bundestags-Resolution über den Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich arbeitet Deutschland auch einen Teil der eigenen Geschichte auf, denn das Deutsche Reich war damals ein Verbündeter.

Klar ist, dass das Kaiserreich und das Osmanische Reich Verbündete und Waffenbrüder waren. Die Publizist Aydin Engin sagte dem ARD-Korrespondenten Reinhard Baumgarten, dass aus der Korrespondenz deutscher Offiziere und Diplomaten mit dem Auswärtigen Amt in Berlin deutlich werde, dass die Deutschen über die Ereignisse im Bilde waren: "Man kann nicht sicher behaupten, die Deutschen hätten die Deportation geplant und umgesetzt. Aber sicher ist, dass sie es wussten, weggesehen und sich auf die Seite des Osmanischen Reiches geschlagen haben."

Der Autor und Journalist Jürgen Gottschlich hat Deutschlands Beteiligung in einem Buch untersucht: Beihilfe zum Völkermord. Deutschlands Rolle bei der Vernichtung der Armenier". Er zeichnet dabei die Geschichte der türkisch-deutschen Zusammenarbeit anhand von Materialien aus den Archiven beider Länder nach. Dass zu diesem Thema in Deutschland kaum geforscht wurde, führt Gottschlich auf drei Gründe zurück: Deutschland war nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Aufarbeitung des Holocausts beschäftigt. Die Beziehungen zur Türkei sollten nicht belastet werden. Und: Die Armenier hätten keine Lobby in Deutschland.

Im Deutschlandradio Kultur betonte Gottschlich: "Das Deutsche Reich war mit Militär und hohen Offizieren direkt engagiert in Konstantinopel, in der damaligen Osmanischen Armee an vielen Schaltstellen vertreten, hat die Türkei, das Osmanische Reich mit eigenem Interesse in den Krieg hineingezogen und hat dann auch den Völkermord an den Armeniern politisch gedeckt." Er kommt zu dem Ergebnis: "Deutsche Offiziere haben die Deportation mit angeregt und der deutsche Botschafter hat sie gerechtfertigt."

Gottschlich kommt in seinem Buch zu dem Schluss, dass das Deutsche Reich das politische Gewicht sowie wirtschaftliche und militärische Argumente gehabt hätte, das Massensterben der Armenier zu stoppen. Die Reichsführung aber glaubte demnach, Größeres verfolgen zu müssen. Die Ermordung der Armenier sei vielen als "hart, aber nützlich" erschienen.

In dem Antrag (18/8613, pdf), der von Union, SPD und Grünen in den Bundestag eingebracht worden war, heißt es: "Der Bundestag bedauert die unrühmliche Rolle des Deutschen Reiches, das als militärischer Hauptverbündeter des Osmanischen Reichs trotz eindeutiger Informationen auch von Seiten deutscher Diplomaten und Missionare über die organisierte Vertreibung und Vernichtung der Armenier nicht versucht hat, diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu stoppen." Das Gedenken des Bundestags sei darum auch ein Ausdruck des besonderen Respekts. 

(hba/ach)

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