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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Unglaublich viel erreicht"28.08.2019

Artenschutzkonferenz in Genf"Unglaublich viel erreicht"

Die Artenschutzkonferenz in Genf bewertet "Pro Wildlife"-Gründerin Sandra Altherr als erfolgreich. Für Elefanten und Giraffen, aber auch für kleinere Tiere sei viel erreicht worden, sagte sie im Dlf. Trotz ihrer Bedeutung für die Fischerei würden etwa immer mehr Hai-Arten unter Schutz gestellt.

Sandra Altherr im Gespräch mit Britta Fecke

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Ein Karibische Riffhai (Carcharhinus perezi) schwimmt über ein Korallenriff, Grand Bahama, Bahamas, Mittelamerika (Imago)
Weil Haie kommerziell in der Fischerei sehr wertvoll seien, gestalte sich ihr Schutz als besonders schwierig, sagte Pro-Wildlife-Gründerin Sandra Altherr im Dlf (Imago)
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Britta Fecke: Auch Zoos in Deutschland haben in den letzten Jahren Interesse an Elefanten angemeldet, die wild in Südafrika gefangen werden. Doch mit diesem Wunsch werden sie nach dieser Konferenz zum Washingtoner Artenschutzabkommen wohl nicht mehr durchkommen. Zwölf Tage hatten Vertreter aus mehr als 180 Vertragsstaaten über die Änderungen des Schutzstatus für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten beraten – vom Elefanten über die Giraffe bis hin zum Rochen und Palisanderbaum. Heute geht diese Artenschutzkonferenz in Genf zu Ende. Ich bin jetzt verbunden mit Sandra Altherr. Sie ist Biologin und Gründerin der Tierschutzorganisation Pro Wildlife und sie war bis jetzt in Genf dabei. Frau Altherr, gibt es Erfolge bei dieser Artenschutzkonferenz?

Sandra Altherr: Ja, das kann man mal so sagen! Aus unserer Sicht ist das die erfolgreichste Artenschutzkonferenz, die wir bisher miterleben durften, und es ist tatsächlich von ganz großen bis ganz kleinen Tieren hier unglaublich viel erreicht worden.

Fecke: Können Sie Beispiele nennen?

Altherr: Ja. Ich denke, für die meisten Leute ist natürlich die Frage interessant des Schutzes von Elefanten. Der Versuch, den Elfenbeinhandel wiederzueröffnen, wurde hier abgeschmettert, genauso wie der Versuch, Nashorn wieder handeln zu dürfen. Das hat Gott sei Dank nicht funktioniert. Die Giraffen sind erstmals unter Schutz und dann sind auch noch ganz viele kleinere Tierarten dabei, angefangen vom Hai bis hin zu ganz vielen Reptilien, Amphibien, die durch den Heimtierhandel bedroht sind.

"Wir kämpfen genauso für die kleinen Tierarten"

Fecke: Ich hatte ein bisschen das Gefühl, dass man den Fokus natürlich auf Breitmaulnashörner, Elefanten und auch Giraffen legt. Sie haben sie ja gerade schon erwähnt, die Haie und Rochen. Ist das nur eine Beobachtung von außen, dass die kleineren Tiere, die nicht Säugetiere sind, ein bisschen hinten überfallen?

Altherr: In der öffentlichen Wahrnehmung ist das tatsächlich leider so und deshalb sind wir auch sehr froh, dass Sie diese Frage stellen. Wir sehen, dass die meisten Medien tatsächlich, auch die meiste Öffentlichkeit wirklich am stärksten interessiert ist an den großen Arten. Aber wir kämpfen hier genauso für die kleinen und hier ist sehr, sehr viel erreicht worden. Ich würde mal sagen, die Hälfte der Agenda hier, da ging es um kleinere Tierarten. Das ist an sich schon ein guter Erfolg.

"Immer mehr Haiarten unter Schutz"

Fecke: Ich weiß, dass bei weniger populären Arten wie Haien schon länger gekämpft wird. Welche Erfolge konnten Sie denn da verbuchen?

Altherr: Das ist etwas, was mich unheimlich freut. Wir haben in den letzten Konferenzen hier systematisch immer mehr Haiarten unter Schutz stellen können. Und das ist deshalb so schwierig, weil Haie kommerziell in der Fischerei sehr wertvoll sind. Die Flossen werden ja nach Asien verkauft und da ist ein Riesengeschäft dahinter und entsprechend stark ist hier die Gegenlobby. Trotzdem sind in den letzten Jahren auf jeder Konferenz Hai- und Rochenarten unter Schutz gestellt worden und jedes Mal mit weniger Widerstand. Da sind wir wirklich auf einem tollen Weg.

"Japan möchte alle Ressourcen im Meer offenhalten für die Nutzung"

Fecke: Wenn Sie vom Widerstand sprechen: Sind diese Länder, die klassisch widersprechen, vielleicht im südlichen Afrika oder auch in Zentralafrika oder auch Japan, sind das immer noch die klassischen Länder, mit denen man da rechnet?

Altherr: Beim Thema Fischerei sind es andere Länder. Da sind es wirklich die großen Fischereinationen. Da ist hier Indonesien ganz, ganz aktiv, die Philippinen, China als Hauptabsatzmarkt natürlich und vor allen Dingen Japan. Japan möchte auf jeden Fall alle Ressourcen im Meer offenhalten für die Nutzung.

Fecke: Auch weiterhin wahrscheinlich für die großen lebenden Säuger im Meer?

Altherr: Ja, natürlich! Das geht mit den Walen los und das geht aber hin bis zur kleinen Seegurke. Da geht es ums Prinzip, die Meere gehören uns und wir möchten da überhaupt keine Regelungen haben. Aber Gott sei Dank ist die Mehrheit hier einer anderen Meinung.

"Ohne Gesetze passiert gar nichts"

Fecke: Wie sehr wird denn das überprüft, was bei Ihnen in Genf beschlossen wurde?

Altherr: Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Ich meine, die Gesetze sind immer nur so gut, wie sie umgesetzt werden, und das ist hier auch Dauerthema in einem etwas weniger beachteten parallelen Komitee. Da werden die ganzen Vollzugsprobleme diskutiert. Aber auch da ist es so: Natürlich, es gibt, wo es legalen Handel gibt, auch immer einen gewissen illegalen Handel. Aber letztlich ist das auch die Aufgabe von uns allen nachzuweisen, wo ist illegaler Handel, wo muss der Vollzug verbessert werden. Aber ohne diese Gesetze passiert halt gar nichts.

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Ein gemischtes Fazit der Konferenz zieht Arnulf Köhncke vom WWF. Zwar seien zahlreiche bedrohte Arten unter Schutz gestellt worden, sagte er im Dlf. Doch bei der Umsetzung von Handelsregulierungen und -verboten sei zu wenig passiert.

Fecke: Welche Rolle nehmen denn eigentlich die europäischen Vertreter ein?

Altherr: Die EU gibt hier ein ambivalentes Bild ab. Bei einigen Sachen sind sie wirklich toll. Sie haben auch eigene Initiativen hier hergebracht, angefangen von asiatischen Molchen bis hin - sie waren beim Makohai beteiligt. Da sind wir sehr zufrieden. Aber sie haben auch unter anderem dazu beigetragen, dass ein Antrag Costa Ricas regelrecht abgeschossen wurde. Da wären 104 verschiedene Glasfrösche unter Schutz gestellt worden, die im Heimtierhandel langsam populär werden. Da sind wir traurig, dass das nicht geklappt hat. Aber davon abgesehen: Der Rest ist wirklich gut gelaufen hier.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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