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StartseiteForschung aktuellInvasion des Harlekins26.02.2018

Asiatische MarienkäferInvasion des Harlekins

Konkurrenzstark und vermehrungsfreudig: Seit Jahren verbreitet sich der Harlekin-Marienkäfer massiv. Einst zur biologischen Schädlingskontrolle eingeführt, verdrängt der asiatische Käfer zunehmend heimische Arten. Britische Biologen haben nun Zahlen zur fortschreitenden Invasion vorgelegt.

Von Volker Mrasek

Asiatische oder auch Harlekin-Marienkaefer bei der Paarung (imago )
Der Harlekin vermehrt sich anders als der heimische Marienkäfer mehrmals pro Jahr (imago )
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Wie breit hat sich der Asiatische oder Harlekin-Marienkäfer bei uns schon gemacht? Fundierte wissenschaftliche Daten darüber fehlen in Deutschland. Doch man darf annehmen: Der Stand der Invasion ist sicher ganz ähnlich wie in Großbritannien. Von dort kommen jetzt erstmals genauere Zahlen. Schon vor zwölf Jahren begann der Zoologe Peter Brown von der Anglia Ruskin University, Marienkäfer im Freiland einzufangen. Seine Fallen stehen in der Nähe von Cambridge.

"Das ist eine Langzeit-Feldstudie im Osten Englands. Mit ihr verfolgen wir, welche Auswirkungen der Harlekin auf unsere heimischen Marienkäfer-Bestände hat. Und zwar an vier verschiedenen Standorten. Dort wachsen Linden, Waldkiefern oder Brennnesseln, in deren Nähe sich der Harlekin gerne aufhält. Ähnliche Langzeitstudien gibt es ansonsten nur noch in Tschechien, in anderen europäischen Ländern nicht."

Harlekin verdrängt heimische Arten

Die Beobachtungen zeigen: An den Standorten, die er bevorzugt, hat der Harlekin innerhalb weniger Jahre das Regiment übernommen.

"Der Harlekin dominiert inzwischen klar die Marienkäfer-Bestände. In unseren Untersuchungsflächen liegt sein Anteil schon bei etwa 70 Prozent. Darunter leidet vor allem eine einheimische Art: der Zweipunkt-Marienkäfer. Der wird auch andernorts seltener. Sicherlich überwiegt der Harlekin heute fast überall in Europa - auch in Deutschland."

Vor zwölf Jahren war der Harlekin noch eine absolute Randerscheinung. In Peter Browns Fallen tummelten sich damals zu 99,8 Prozent einheimische Marienkäfer. Inzwischen ist ihr Anteil auf 30 Prozent zusammengeschrumpft - ein rapider Rückgang. 

Flexibel und fortpflanzungsfreudig

Ein Grund ist sicherlich, dass der Asiatische Marienkäfer eine "fantastische Konkurrenzfähigkeit" besitzt, wie es Helen Roy formuliert, Insektenkundlerin im britischen Zentrum für Ökologie und Hydrologie in Wallingford.

"Der Harlekin ist ein sehr, sehr effizienter Blattlaus-Räuber. Außerdem frisst er auch andere Marienkäfer - nicht erwachsene Tiere, aber die Larven. Er ist ziemlich flexibel und kommt mit vielen verschiedenen Habitaten zurecht. Die meisten unserer einheimischen Marienkäfer kriegen nur eine Generation pro Saison zustande. Der Harlekin dagegen vermehrt sich mehrmals pro Jahr, sodass die Zahl der Tiere vor Beginn der Winterruhe ausgesprochen hoch ist."

Nachteile - aber auch Vorteile

Viele Fragen der Harlekin-Forschung sind aber noch unbeantwortet. Zum Beispiel, ob Ökosysteme Schaden nehmen, wenn die natürliche Vielfalt unter Marienkäfern abnimmt. Wenn einheimische Arten noch stärker an den Rand gedrängt werden oder sogar aussterben: Würde der konkurrenzstarke und vermehrungsfreudige Harlekin sie 1:1 ersetzen?

"Wir wissen, dass manche Marienkäfer sich früher im Jahr entwickeln als andere. Manche leben auf Wiesen, andere auf Äckern oder Bäumen. Der eine Käfer geht morgens auf Beutezug, der andere mittags oder abends. Es gibt da sehr feine Unterschiede im Verhalten der einzelnen Arten. Mein Gefühl ist, dass der Harlekin sie nicht alle ersetzen könnte."

Andererseits hat sein Vormarsch auch positive Auswirkungen. Zum Beispiel in Obst-Plantagen. Dort vertilgt der Harkelin sogar Blutläuse - Schädlinge, die von anderen Marienkäfern nicht gefressen werden. Die britischen Ökologen wollen die Invasion des Harlekins weiter im Auge behalten. In Deutschland dagegen gibt es keine vergleichbaren Projekte. Entsprechende Förderanträge, sagen Biologen, seien bisher nicht bewilligt worden.

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