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Asien wehrt sich gegen MüllexporteZurück zum Absender

Es sei ein richtiger Schritt, dass immer mehr Länder in Asien den Plastikmüll der Industrieländer nicht haben wollten, kommentiert Georg Ehring. Wir müssten unser Abfallproblem selbst lösen - nicht nur mit Gesetzen, sondern indem wir im Supermarkt umdenken.

Von Georg Ehring

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Ein Container voll mit Plastikmüll aus Australien im Hafen von Port Klang, Malaysia. (AP Photo / Vincent Thian) (dpa-Bildfunk / AP / Vincent Thian)
Ein Container voll mit Plastikmüll aus Australien im Hafen von Port Klang, Malaysia. (dpa-Bildfunk / AP / Vincent Thian)

Beim Mülltrennen lassen wir Deutschen uns so schnell von niemandem übertreffen: Für Papier und Glas gibt es eigene Systeme, Lebensmittelreste wandern in die Biotonne und Verpackungsabfall in den "Gelben Sack". Oft werden leere Joghurtbecher sogar gespült, Sauberkeit muss sein. Doch ein Teil des so sorgfältig vorsortierten Abfalls wird dann offenbar wild gemischt und nach Übersee transportiert.

Dort werden daraus nicht etwa neue Joghurtbecher oder wenigstens Parkbänke gemacht – der Müll wird in der Natur abgekippt und rottet für Jahrhunderte vor sich hin oder er wird verbrannt, ohne Rauchgasfilter oder ähnliche  Extras, die die Müllverbrennung in Europa teuer machen.

China hat dem Abfallhandel bereits den Riegel vorgeschoben

Ein gutes Geschäft für alle unmittelbar Beteiligten, leider allerdings zum Nachteil der Umwelt vor allem in den Ländern, in denen der Abfall rücksichtslos abgekippt oder abgefackelt wird. Plastik ist unschlagbar billig in der Herstellung, aber auch äußerst langlebig auf der Deponie, im Wald oder im Meer.

Die Regierung Chinas hat diesem Handel im vergangenen Jahr einen Riegel vorgeschoben, mit dem Erfolg, dass die Abfallentsorger aus Industrieländern andere Wege suchten und fanden. Es ist gut, dass jetzt auch die Philippinen und Malaysia den oft sogar noch falsch deklarierten Plastikmüll aus den Industriestaaten nicht mehr haben wollen.

Der Export von gefährlichem Abfall ist bereits beschränkt

Doch die Gefahr ist groß, dass die Exporteure jetzt einfach auf andere Staaten mit noch weniger entwickelter Umweltgesetzgebung ausweichen. Verantwortung übernehmen müssen vor allem die Industriestaaten also auch Deutschland. Etwa sechs Millionen Tonnen Plastikmüll fallen bei uns jährlich an, davon geht bisher ungefähr eine Million Tonnen in den Export.  

Dabei beschränkt die Staatengemeinschaft im Basler Übereinkommen die Ausfuhr von gefährlichem Abfall. Vor wenigen Wochen einigten sich die Teilnehmerstaaten sogar auf eine Verschärfung. Wenn die auch umgesetzt wird, dann kann das Problem des umher vagabundierenden Plastikmülls ein Stück weit entschärft werden. Denn der Export von stark verschmutztem Altkunststoff wird begrenzt, die Exporteure müssen genaue Angaben zu den Inhaltsstoffen ihrer Lieferung machen. 

Die Kunden haben es buchstäblich selbst in der Hand

Doch die beste Lösung des Problems liegt an der Quelle: Kunststoffe werden in großem Umfang für Einweg-Verpackungen eingesetzt und die Hersteller wollen sich das Geschäft nicht verderben lassen und sie denken sich immer neue Produkte aus. Der Gebrauch von Einweg-Plastiktüten wird zwar beschränkt, doch Lebensmittel in der Frischetheke werden immer häufiger vorverpackt, oft in Plastikschalen.

Einweg-Flaschen und Verbundverpackungen etwa für Saft oder Milch verdrängen Mehrweg-Alternativen. Das Ergebnis: Noch mehr Plastik, von einer Trendwende keine Spur. Die Bundesregierung lässt all das geschehen. Sie hat kaum mehr als Lippenbekenntnisse übrig für die Förderung von Mehrweg-Systemen, ihr Anteil geht immer weiter zurück.

Doch spätestens hier haben auch wir Kunden die Sache buchstäblich in der Hand. Es ist ganz einfach, Plastik zu vermeiden, die Alternativen stehen meist im selben Geschäft nur wenige Regale weiter.

Georg Ehring  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Georg Ehring, Jahrgang 1959, hat in Dortmund Journalistik und Politikwissenschaften studiert, später an der Fernuniversität Hagen Volkswirtschaft. Er arbeitet beim Deutschlandfunk als Redaktionsleiter Wirtschaft und Umwelt. Berufliche Stationen zuvor waren die zentrale Wirtschaftsredaktion der Nachrichtenagentur Reuters in Bonn und zuvor in den 1980er Jahren freiberufliche Tätigkeit überwiegend für den WDR in Dortmund.

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