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StartseiteKommentare und Themen der WocheEin falscher Schritt15.03.2021

AstraZeneca gestoppt Ein falscher Schritt

Deutschland setzt vorübergehend Corona-Impfungen mit AstraZeneca aus. Während nun mögliche und seltene Nebenwirkungen der Impfung untersucht werden, stecken sich mehr Menschen mit Covid-19 an, kommentiert Volkart Wildermuth. Das Aussetzen der Impfungen dürfte so zu zusätzlichen Todesfällen führen.

Ein Kommentar von Volkart Wildermuth

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Eine Hand in blauem Schutzhandschuh hält ein Glasfläschchen mit dem Impfstoff von AstraZeneca im Lager des Universitätsklinikum in Tuebingen hohc.  (imago / Ulmer Pressebildagentur)
Der Wunsch, Risiken zu vermeiden, werde nun durch ausgesetzte Impfungen mit AstraZeneca selbst zur Gefahr, kommentiert Volker Wildermuth (imago / Ulmer Pressebildagentur)
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Bedenken, Entwarnung, erneute Bedenken. Jetzt bleibt der Impfstoff von AstraZeneca vorerst im Kühlschrank. Grund: es besteht ein mögliches Risiko von Thrombosen, von Blutgerinnseln in den Hirnhäuten. Aber hier liegt nicht das eigentliche Problem für die Gesundheit.

Drei Impfampullen der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca stehen nebeneinander (picture alliance / ZUMAPRESS.com | Luka Dakskobler) (picture alliance / ZUMAPRESS.com | Luka Dakskobler)AstraZeneca - Was über Wirksamkeit und Nebenwirkungen bekannt ist 
Nach Berichten über Blutgerinnsel nach der Impfung hat auch Deutschland den Einsatz von AstraZeneca ausgesetzt. Außerdem fürchten Menschen, dass der Impfstoff sie nicht ausreichend schützt. Warum das ein Irrtum ist und welche Zweifel es noch gibt.

Rückblick: Die Diskussion vergangene Woche ging um Thrombosen generell und da hat das Paul-Ehrlich-Institut beruhigt, genau wie die Europäische Arzneimittelagentur und die Weltgesundheitsorganisation. Ja, in den Tagen nach der Impfung mit AstraZeneca wäre es vereinzelt zu Blutgerinnseln gekommen, aber eben nicht häufiger, als bei millionenfachen Impfungen zu erwarten.

Gefahr von Thrombosen durch AstraZeneca ist überschaubar

Inzwischen sind aber offenbar weitere Meldungen eingegangen, über spezielle Thrombosen in den Hirnhäuten. Es geht um sieben Fälle in Deutschland bei mehr als 1,6 Millionen Dosen. Solche Thrombosen kommen jedes Jahr rund 300 bis 400 Mal* vor, die Zahlen alleine dürften das Paul-Ehrlich-Institut noch nicht hellhörig gemacht haben. Offenbar gab es aber weitere ungewöhnliche Symptome. Von daher lohnt es sich, hier genauer nachzuforschen.

Ob man dafür die Impfungen mit AstraZeneca aussetzen sollte, steht aber auf einem ganz anderen Blatt. Es gibt es einen bewährten Dreischritt zum Umgang mit möglichen Nebenwirkungen. Erstens erkennen, dass es vielleicht ein Problem gibt. Dass diese sehr seltenen Zusammenhänge überhaupt aufgefallen sind, zeigt: das System funktioniert. Schritt zwei: prüfen, ob wirklich der Impfstoff verantwortlich ist. Und wenn ja drittens, Konsequenzen ziehen.

Heute hat Deutschland Schritt drei vor Schritt zwei getan. Und das ist ein Fehler.

Der Wunsch Risiken zu vermeiden wird selbst zur Gefahr

Die Symptome der Thrombosen in den Hirnhäuten sind auffällig, starke Kopfschmerzen zum Beispiel. Die Ärzte können die meisten Patienten mit einer Blutverdünnung heilen. Die Gefahr ist also überschaubar. Nebenbei: Frauen, die die Pille nehmen, gehen ein deutlich höheres Thromboserisiko ein.

Aber das Abwägen von Risiken ist wenig populär. Entweder werden sie verdrängt – siehe die Pille – oder es wird absolute Sicherheit gefordert - siehe Impfungen. Die aber gibt es nicht, kann es aber nicht geben. Während der mögliche und in jedem Fall sehr seltene Zusammenhang mit der Impfung untersucht wird, stecken sich mehr Menschen an, entwickeln einige von Ihnen COVID-19. Und dabei, das ist wirklich gut dokumentiert, kommt es häufig zu Thrombosen. So wird gerade der Wunsch, Risiken zu vermeiden, selbst zur Gefahr. Damit dürfte das Aussetzen der AstraZeneca-Impfung zu zusätzlichen Todesfällen führen.

*Anmerkung der Redaktion: In der ersten Version des Textes stand eine falsche Zahl. Diese haben wir korrigiert.

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