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StartseiteSternzeitZwei Sonnen am Himmel04.07.2014

AstronomieZwei Sonnen am Himmel

Heute vor 960 Jahren bot das Firmament einen außergewöhnlichen Anblick: Am blauen Tageshimmel, ein gutes Stück rechts der Sonne, stand ein weiterer heller Lichtpunkt - denn im Sternbild Stier war ein Stern explodiert.

Von Dirk Lorenzen

Eisen-60 entsteht bei der Explosion massereicher Sterne (ESO)
Eisen-60 entsteht bei der Explosion massereicher Sterne (ESO)
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Diese Supernova war fast zwei Jahre lang mit bloßem Auge zu sehen. Am Morgen des 5. Juli 1054 strahlte sie direkt neben der dünnen Mondsichel.

Steinzeichnungen in Arizona zeigen die Sichel mit einem hellen Stern. Möglicherweise haben die Menschen damals dieses Himmelsereignis abgebildet.

In chinesischen Chroniken finden sich so detaillierte Beschreibungen über den "Gaststern", dass sich sogar das genaue Datum der Explosion ermitteln ließ.

Zwischen den Hörnern des Stiers gibt es einen bunten und spektakulär geformten Nebelfleck. Er ist der Überrest der Supernova von 1054.

Die Astronomen beobachten, wie sich die Explosionswolke immer weiter ausdehnt. Rechnen sie die Bewegung zurück, so kommen sie auf ein Alter der Wolke von gut 950 Jahren. Das passt perfekt.

Die Supernova hat sich in einer Entfernung von etwa 6500 Lichtjahren ereignet - und schien dennoch deutlich heller als Venus am Himmel. Wenn der Stern Beteigeuze im Orion als Supernova explodiert, wird er sogar so hell wie der Vollmond leuchten - denn er ist uns viel näher.

Sollte das jetzt im Sommer passieren, wenn die Sonne in seiner Umgebung steht, wäre er also dennoch am blauen Tageshimmel zu sehen - und zwar noch viel heller als die Supernova heute vor 960 Jahren.

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