Dienstag, 27.10.2020
 

Nächste Sendung: 31.10.2020 22:05 Uhr

Atelier neuer Musik
Revisited Forum neuer Musik 2012
Für eine Gedankenfreiheit im Glauben
Zu Brice Pauset’s „Autopsie de la foi“

Brice Pauset
Autopsie de la foie

Dominique Visse, Stimme
Capella de la Torre
Ensemble recherche
Ltg.: Brice Pauset

Am Mikrofon: Frank Kämpfer

Das Soldatenlied vom „l’homme armé“ stammt womöglich aus dem Hundertjährigen Krieg oder es ist gar ein Echo vom Fall Konstantinopels an die Osmanen. Im 15. Jahrhundert findet es sich im Titel und Cantus firmus zahlreicher Messen der franko-flämischen Schule, und in der Vertonung von Pierre de la Rue dient es dazu, ein neues, selbstbewussteres Menschenbild auszudrücken. Letzteres Werk, eine vierstimmige Messe, hat Brice Pauset seiner im Auftrag des Deutschlandfunks notierten vokal-instrumentalen Arbeit „Autopsie de la foi“ zugrunde gelegt. Der französische Komponist wollte darin das Verhältnis von Göttlichkeit, Institution und Affekten untersuchen. Pauset bezog auch Spinozas „Tractatus theologico-politicus“ von 1670 mit ein und komponierte eine Art Verstehens­prozess, im Zuge dessen sich der Begriff des Glaubens statt aus blindem Gehorsam vielmehr aus zu erarbeitender Überzeugung herleitet. Für das Freiburger ensemble recherche fügte sich die Uraufführung in eine Reihe von Experimenten auf dem Feld der Alten Musik - Capella de la Torre hingegen betrat völliges Neuland. Die Berliner Renaissance-Formation verknüpfte das Projekt ihrerseits mit einem großräumigen Vermittlungsprojekt mit Lehramtsstudierenden der Musikhochschule Hannover. Alles zusammen floss ein in einen hochintensiven Eröffnungsabend des Forums neuer Musik 2012 unter dem Motto „Komponieren als Dialog mit Gott“.
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