Montag, 21.09.2020
 
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Nächste Sendung: 26.09.2020 22:05 Uhr

Atelier neuer Musik
30 Jahre Deutsche Einheit
„Die Gebeine Dantons“
Friedrich Schenkers Funkoper als Dokument der Wendezeit
Von Anna Schürmer

Von heute betrachtet, wirkt es naheliegend, dass pazifistisch gesinnte ostdeutsche Künstler wie der Lyriker und Librettist Karl Mickel und der Komponist Friedrich Schenker Mitte der 80er-Jahre ein besonderes Interesse an einer kritischen Reflexion von Revolutionsgeschichte zeigten. Ermöglichte ihnen doch das, mit einer Fülle aktueller Bezüge den krisenhaften Zustand im eigenen Land zu reflektieren. Tatsächlich erweist sich Mickel/Schenkers performatives Sprach-Musik-Stück vor der Folie der Französischen Revolution als intellektueller Kommentar zu den Entwicklungen in der Endzeit der DDR. Darüber hinaus ist „Die Gebeine Dantons“ ein echtes Radiowerk. Es aktualisiert die Neigung der Gattung Funkoper zu technischen Sujets, indem die radiophone Medientechnik der Zeit voll ausgenutzt wird. Etwa durch raumakustische Klangbewegungen, elektroakustische Montage- und Collagetechniken sowie atmosphärische Effekte mit Echo und Hall, Vocoder und Rückkoppelungen. Schenker und Mickel gelang nicht nur ein treffendes Wende-Stück, sondern auch ein kreativer Beitrag zur fast vergessenen Gattung Funkoper. Beauftragt wurde diese von Radio DDR zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution, ausgestrahlt wurde sie auf Deutschlandsender Kultur im wiedervereinigten Deutschland.
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