Atelier neuer Musik 

Stefan Pohlits transkulturelles KomponierenMit Verstand und Sinnlichkeit

Ein blonder Mann sitzt neben einer männlichen Statue auf einer Parkbank. Beide haben die Beine überschlagen. (Stefan Pohlit )

Zu Hause fühlt sich Stefan Pohlit an der türkischen Ägäis und in der Welt mikrotonaler Tonsysteme. Sein Komponieren versteht er als Beitrag zur Versöhnung der radikalen Dissonanzen in der Welt – nicht nur in der Musik. Das Handwerkszeug der westlichen Avantgarde allein taugt dafür nicht mehr.

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Acoustic IntelligenceHören und Gehorchen

Im inneren einer großen ruinenartigen Halle steht ein runder Wachturm. (Friman)

"Acoustic Intelligence" ist ein Begriff militärischen Ursprungs. Er beschreibt den Informationsgewinn durch das Speichern und Auswerten akustischer Phänomene. Auch im Kontext digitaler Medientechnologie ist Klang als Machtinstrument denkbar - in der Regel bis weit in den Alltag hinein.

25. Todestag von Isang YunOst-westlicher Brückenbauer

Ein mittelalter Mann mit asiatischem Aussehen blickt auf einer Schwarzweißporträtaufnahme in die Kamera, hinter ihm stehen Bücher in einem Regal. (picture-alliance / dpa)

Als Botschafter der Musik Ostasiens verwies er stets konsequent auf den einzelnen Ton. Zugleich studierte und lehrte er in West-Berlin die Strömungen der westlichen Avantgardemusik. Der Komponist Isang Yun war ein engagierter Vermittler zwischen den Welten: künstlerisch wie politisch.

Revisited Forum neuer Musik 2012Gedankenfreiheit im Glauben

Mehrere Musikerinnen und Musiker sind von hinten mit ihren Instrumenten abgelichtet. Sie sitzen und stehen auf der einer Bühne. Im Hintergrund ist eine Leinwand auf der zu lesen ist: Deutschlandfunk Kammermusiksaal. (Deutschlandradio/ T. Kujawinski )

Das Forum 2012 unter dem Motto "Komponieren als Dialog mit Gott" begann mit Brice Pausets "Autopsie de la foi". Capella de la Torre und das Ensemble recherche spielten die Uraufführung. Ein paralleles Vermittlungsprojekt mit Studierenden und Schülern in Hannover verband Gegenwart und Renaissance.

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20. Festival "Intersonanzen" in PotsdamBrandenburgische Avantgarde

Bildcollage aus den Musikerinnen und Musikern des 20.Intersonanzen-Festivals (Fotos: Mariya Boyanova/ Collage: Dietrich Petzold)

Bereits zum 20. Mal brachte der Brandenburgische Verein Neue Musik die "Intersonanzen" in Potsdam auf die Bühne: Uraufführungen, vorzügliche Ensembles und Solisten, internationale Gäste, Workshops und Diskussionsrunden führten die kommunikativ geprägte Tradition des Festivals fort.

Die Komponistin Maria de Alvear Magische Rituale

Eine Frau in weitem gelben Mantel und mit hellbrauner Brille sitzt in einem Raum aus nackten Betonwänden auf einem grauen Sitzblock und schaut in die Kamera (Philip Lethen)

Weihrauch schwenkend steht die Komponistin auf der Bühne. Dann beginnt die Aufführung des Stücks, die einem magischen Ritual gleicht. Die Titel ihrer Werke deuten darauf, dass Körperlichkeit, Geist, Klang und Spiritualität in Maria de Alvears Schaffen auf unvergleichliche Weise zusammenfließen.

Disziplinen übergreifend arbeitenDas Kölner Kollektiv "guterstoff"

Eine Gruppe von jungen Leuten sitzt versammelt auf einer kleinen Wiese vor einem Gebäuden im 70er Jahre Stil (Deutschlandradio / Sophie Emilie Beha)

Das Kollektiv "guterstoff" will Bedeutendes schaffen: Ein neues Festival für junge Künstlerinnen und Künstler als Verbindung zwischen Menschen, Genres und Kunstformen. Das Team will eine neue Plattform schaffen, auf der gemeinsam interdisziplinär Neues entstehen kann.

30 Jahre Deutsche EinheitReturn from Exile

Die zwiebelförmige Kuppel der Jüdischen Synagoge in der Oranienburger Straße überragt die anderen Berliner Gebäude. (dpa/ Soeren Stache)

Oktober 1990: Die staatliche Teilung ist überwunden, Deutschland ist wieder geeint. Zuende geht damit auch das Ignorieren der jüdischen Opfer der NS-Diktatur. Auf einmal eröffnet sich Raum – für die Rückkehr Überlebender, für Begegnungen, für einen neuen Anfang. Es wird miteinander gesprochen.

30 Jahre Deutsche EinheitVon der Funk- zur Internetoper

Ein junger Mann mit kurzen schwarzen Haaren sitzt in gestreiftem Pullover mit Ohrstöpseln in den Ohren vor seinem Laptop und spricht in einer Videokonferenz. (YouTube)

Komponist Friedrich Schenker und Librettist Karl Mickel gelang mit "Die Gebeine Dantons" ein Highlight der Gattung Funkoper. Beauftragt wurde diese von Radio DDR zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution - ausgestrahlt wurde sie im wieder vereinigten Deutschland.

30 Jahre Deutsche EinheitDrei ostdeutsche Erfahrungen

Ausgelassen feiert eine riesige Menschenmenge in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990 vor dem Brandenburger Tor in Berlin die deutsche Wiedervereinigung. (picture-alliance)

Georg Katzer engagierte sich im 89er Herbst. Walter Thomas Heyn übernahm den Verlag Neue Musik in Berlin. Bernd Franke aus Weißenfels war 1989 in Tanglewood/USA bei Leonard Bernstein. Die Zeit barg Spielräume, um sich zu entwickeln. Für alle galt es, sich in einer neuen Gesellschaft behaupten zu lernen.

Neue Aufnahmen aus dem Deutschlandfunk"Mein Kopf funktioniert als Sampler"

Eine Frau mit mittellangen, blonden Haaren steht vor einer mit Windmühlen bemalten Wand und hat die Hände vor einer messingfarbenen, senkrechten Metallstange erhoben.

Spieluhr und Synthesizer, Opernarie und Trickfilm: Die Kölner Komponistin Oxana Omelchuk fügt höchst Unterschiedliches zu einer Musik zusammen. Komponieren bedeutet für sie nicht, Neues zu erfinden, sondern längst Vorhandenes, von ihr Wiedergefundenes ins Heute zu transformieren.

Octavian Nemescus geistliche ÜbungenMusikalisches Stundenbuch

Octavian Nemescu (Mihai Benea (www.ucimr.ro))

Nach dem Sturz des Ceaușescu-Regimes begann der rumänische Komponist Octavian Nemescu die Arbeit an einem groß angelegten Zyklus. Es handelt sich um ein musikalisches Stundenbuch, das durch das "Ägyptische Totenbuch" inspiriert wurde. Was hat es uns im 21. Jahrhundert zu sagen?

Revisited Forum neuer Musik 2011Nahe bei der Natur

Eine Frau spielt mit überkreuzten Händen an einem Flügel in einem holzgetäfelten Raum. Neben ihr auf der Bühne steht ein weiter Föügel und Mikrofonständer. (Deutschlandradio/ T. Kujawinski)

Mit seinem Namen verbinden sich Zufallsverfahren, das präparierte Klavier und die Einbeziehung des Alltagsgeräuschs. Keiner löste sich so radikal von europäischen Determinierungen in Musik und Kultur wie John Cage. Sabine Liebner realisierte 2011 im Deutschlandfunk seine "Etudes Australes".

Die estnische Komponistin Helena TulveBalance auf der Nadelspitze

Eine Frau mit grünen Augen und braunem Haar steht vor grün-lila schimmernden Pflanzen (Mari Arnover)

Alles naturhaft Fließende, Gleitende und Übergängliche bewegt ihre Klangfantasie: Licht und Schatten, Schnee und Eis, Wasser, Wolken und Wind. Philosophische Dichtungen und Predigertexte weiteten den mentalen Horizont des Komponierens der Estin Helena Tulve ins Mythische und Mystische.

Die Darmstädter Ferienkurse im Jahr 1970Revolte im Elfenbeinturm

Auf einer Schwarzweißfotografie ist im Vordergrund ein stehender Mann von hinten zu sehen sind, im Gegenüber steht ein anderer junger Mann mit ernster Miene. Zwischen ihnen sitzt ein Publikum. (IMD-Archiv/Pit Ludwig)

2020 entfallen die Darmstädter Ferienkurse wegen Corona. Auch vor 50 Jahren herrschte Ausnahmezustand im Mekka der Neuen Musik: Damals probten politisierte Teilnehmer den Aufstand und provozierten einen eklatanten Kurzschluss von Kunst und Politik. Worum genau ging es?

Neue DLF-ProduktionKeines dieser Ismus-Ensembles

Ein Dirigent steht auf einem Podest vor einer Gruppe Musikerinnen und Musiker, die Streichinstrumente spielen. (Deutschlandradio/Moritz Bergfeld)

"An unserem Ensemble liebe ich, dass wir auch Musik spielen, die ich ablehne", sagt Aaron Holloway-Nahum. Der musikalische Leiter des Riot Ensembles beschreibt damit die Vielfalt und die Flexibilität der jungen britischen Formation. Ihre neue CD produzierte sie im Deutschlandfunk Kammermusiksaal.

Der portugiesische Komponist Sérgio Azevedo Verschiedene Arten von Liebe ausdrücken

Ein Mann mit kurzen, dunklen Haaren sitzt an einem Flügel, das Kinn auf die Hand gestützt und den Arm auf dem überschlagenen Bein. Er lehnt am Instrument und blickt nachdenklich in den Raum. (Carlos Mateus de Lima)

Musik schreibt der portugiesische Komponist Sérgio Azevedo, Jahrgang 1968, um "verschiedene Arten von Liebe auszudrücken – Liebe zur Natur, zu anderen Menschen, zur Humanität." Charakteristisch ist für seine Werke die stilistische Vielfalt, ähnlich wie beim portugiesischen Wein.

Revisited Forum neuer Musik 2011 - Das Ensemble Modern spielt Jamilia JazylbekovaMit allem, was unter dem Himmel ist, im Einklang

Zwei Frau schauen auf einen Notenständer. Die rechte Frau steht, die linke sitzt und hat ein Cello in der linken Hand. Im Hintergrund stehen weitere Instrumente (Deutschlandradio / T. Kujawinski )

"Ai" und "Kyn" bedeuten Mond und Sonne, beider Verbindung steht symbolisch für Liebe. Inspiriert von Traditionen ihrer kasachischen Heimat spiegelt Jamilia Jazylbekova in ihrer Musik Utopien menschlichen Daseins im Einklang mit der Natur. Im April 2011 spielte das Ensemble Modern ihr Porträtkonzert.

Nachdenken über Krzysztof Penderecki Dur-Klänge und widerständiges Potenzial

Porträt eines alter Herren mit weißem Bart, weißen Haaren und einer braunen, runden Brille. (imago/Eastnews)

Geräuschkompositionen, Skandale, protestierende Orchestermusiker - das war der Penderecki der 1960er Jahre. Im Alter schien er sich als Komponist der Gegenwart zu verabschieden, dafür gewann er das Ohr des großen Publikums. Aber, stimmt diese Wahrnehmung, gibt es nicht doch auch Kontinuitäten?

Interkulturelle BegegnungKlangforschung in Quarantäne

Acht junge Musikerinnen und Musiker stehen im Kreis mit Panflöten auf einem Parkplatz. Im Hintergrund ein gelbes Gebäude mit einem Baum davor. (Ariel Amador)

Das Orquesta Experimental de Instrumentos Nativos aus Bolivien spielt zeitgenössische Musik mit traditionellen Instrumenten der Andenregion. Dank Corona geriet eine Reise zur Berliner MaerzMusik zu einem unfreiwilligen längeren Aufenthalt in Deutschland, der aber enorm produktiv war.

Musikstadt BerlinTritt mir nicht zu nahe

Auf einem belebten Platz mit einem Abgang zur U-Bahnhaltestelle Alexanderplatz sind viele Menschen unterwegs. (imago/Jochen Tack)

Junge Künstler aus aller Welt zieht das wiedervereinte Berlin seit den 1990er Jahren geradezu magisch an. Aber wie offen ist die Stadt wirklich? Der Eintritt beispielsweise in die gewachsenen Musikszenen der Hauptstadt forderte und fordert Zugereisten in jedem Fall einiges ab.

Frau Musica Nova 2019Popcouture

 Zwei Musikerinnen stehen auf einer Bühne, im Hintergrund eine große Leinwand, auf der ein animiertes Autovideo zu sehen ist. (Deutschlandradio/ Egbert Hiller)

Frau Musica Nova 2019 war vielseitig: die chilenische Klangkünstlerin Paula Schopf, ein Soloprojekt mit Carola Schaal sowie ein multimedialer Abend mit dem Ensemble Garage. Die weibliche Avantgarde präsentierte sich experimentell und performativ mit Kunst für Auge und Ohr.

Revisited Forum neuer Musik 2011Radikal eigen: Rolf Riehm und Annesley Black

Ein weißhaariger Mann mit einem schwarz-silbern gestreiftem Hemd sitzt an einem Konferenztisch auf dem Mikrofone und Wassergläser stehen und spricht mit einem dunkelhaarigen Mann, der neben ihm sitzt. (Tomas Kujawinski)

Sie befasst sich mit multiplen Wahrnehmungen, mit Widersprüchen, die unversöhnbar sind. Ihn beschäftigt das Inkohärente, das aufstört und den allzu glatten Zusammenhang sprengt. Rolf Riehm und Annesley Black verbindet der strikte Gesellschaftsbezug, beide komponieren fernab von Konventionen.

Ausgangspunkt DamaskusKomponierte Botschaften

Ein Mann in dunkler Kleidung spielt Klarinette vor einer weißen Leinwand, die mit dunklen Zeichnungen illustriert ist. (Claudia Hoehne)

Sie stammen aus Syrien und verkörpern den Dialog der Kulturen. Maya Youssef spielt als Frau die traditionelle Kanoun, ein Männerinstrument, und Kinan Azmeh auf westliche Art Klarinette. Auch Dima Orsho improvisiert jenseits kultureller Grenzen.

Transkulturelles KomponierenAmen Feizabadis Suche nach einer neuen Narrativität

Fünf Perosnen stehen vor einer Wand. Dort hängen drei beleuchtet Kunstwerke (Sarah Nemtsov)

Der Clash der Kulturen interessiert ihn nicht. Aus dem Substrat von persischer und europäischer Kunst, Musik und Alltag baut der junge iranische Komponist Amen Feizabadi neue musikalische Erzählungen. Akustische und visuelle Materialien fügen sich zu künstlerisch ganz neuen Formen.

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