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StartseiteKalenderblattDer Sturz des Physikers J. Robert Oppenheimer13.04.2014

Atomare RüstungDer Sturz des Physikers J. Robert Oppenheimer

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Physiker J. Robert Oppenheimer als "Vater der Atombombe" gefeiert. Doch als er sich gegen den Bau der Wasserstoffbombe aussprach, ließ die US-amerikanische Regierung ihn fallen. Vor 60 Jahren begann seine Anhörung vor der Atomenergie-Kommission, ihm wurde vorgehalten, mit dem Kommunismus sympathisiert zu haben.

Von Monika Köpcke

J. Robert Oppenheimer (AP Archiv)
In einem geheimen Labor in Los Alamos tüftelten die Wissenschaftler unter der Leitung des Physikers Oppenheimer an der Atombombe. (AP Archiv)
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"Few people laughed, few people cried, most people were silent."

Einige lachten, einige weinten, die meisten waren still. So erlebte Robert Oppenheimer den Moment, als es in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 1945 in einem weiten Tal in der Wüste von New Mexico taghell wurde und ein riesiger Atompilz aufstieg. 1942 hatte die amerikanische Regierung den Auftrag zum Bau der Atombombe gegeben. In einem geheimen Labor in Los Alamos tüftelten die besten Wissenschaftler des Landes unter der Leitung des Physikers Oppenheimer an der neuen Waffe. Als nur drei Wochen nach der erfolgreichen Testzündung amerikanische Atombomben die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki verwüsteten, erkannte Oppenheimer, welch gigantisches Vernichtungsinstrument er der Regierung in die Hände gegeben hatte.

"Ich bin gefragt worden, ob es möglich ist, in den 20 größten amerikanischen Städten durch Atombomben in einer einzigen Nacht 40 Millionen Amerikaner zu töten. Ich muss leider die Antwort geben: Ja. Die einzige Hoffnung für die Sicherheit unserer Zukunft liegt in der vertrauensvollen und wohlwollenden Zusammenarbeit mit den anderen Völkern der Erde.

Kurz nach Kriegsende konnte sich Oppenheimer solche öffentlichen Gedankenspiele leisten. Er wurde als "Vater der Atombombe" gefeiert. Er war Berater der staatlichen Atomenergiekommission und sprach sich in dieser Funktion gegen den Bau der Wasserstoffbombe aus. Doch die amerikanische Regierung entschied anders.

"Die Wasserstoffimplosion über der Insel Namu kam der Sprengkraft von 15, manche Beobachter sagen sogar, von 20 Megatonnen gleich. Das sind ..."

Zweifel an Oppenheimers Loyalität

Ende 1952 explodierte die erste amerikanische Wasserstoffbombe, im August 1953 zog die Sowjetunion nach - viel früher als von den Amerikanern erwartet. Damit begann Oppenheimers Sturz. Ohne Nennung von Gründen wurde ihm die Sicherheitsgarantie, also der Zugang zu geheimen Informationen entzogen, und am 13. April 1954 begann seine Anhörung vor der Atomenergie-Kommission. Man hielt ihm vor, in den 30er-Jahren mit dem Kommunismus sympathisiert und später für die Sowjetunion spioniert zu haben. Am schwersten aber wog der Vorwurf, den die Washington Post zu Beginn des Verfahrens in allerlei rhetorische Fragen packte:

"Gab es eine mutwillige Verzögerung beim Bau der Wasserstoffbombe? Leben wir in dem Risiko, als Nation ausgelöscht zu werden? Wer ist Schuld daran? Waren es loyale Amerikaner oder waren es Verräter, die unsere Regierung absichtlich falsch beraten haben?"

Obwohl ihm nichts nachgewiesen werden konnte, obwohl zahlreiche Kollegen seine unbedingte Loyalität bezeugten, wurde nach drei Wochen zermürbender Verhöre Oppenheimers Ausschluss aus allen geheimen Regierungsprojekten bestätigt. Die Begründung: Seine ablehnende Haltung zum Bau der Wasserstoffbombe habe den Sicherheitsinteressen der USA geschadet. Diese Demontage machte den einst hofierten Atomphysiker zu einem gebrochenen Mann. Auch die Rehabilitierung durch Präsident Kennedy 1963 konnte ihm die Verbitterung nicht nehmen.

Keine Reue

Seit Ende der 50er-Jahre engagierten sich weltweit mehr und mehr Menschen gegen den atomaren Rüstungswahnsinn. Für sie wurde der Physiker Oppenheimer zum Sinnbild des Wissenschaftlers, der seinem Forschungsgegenstand ebenso verpflichtet sein sollte wie seinem Gewissen. Über die Befragung vor dem Atomenergie-Ausschuss verfasste Heinar Kipphardt 1964 das Drama "In der Sache J. Robert Oppenheimer". In seinem Schlussplädoyer lässt er den Physiker sagen:

"Wir haben die besten Jahre unseres Lebens damit verbracht, immer perfektere Zerstörungsmittel zu finden, wir haben die Arbeit der Militärs getan, und ich habe in den Eingeweiden das Gefühl, dass dies falsch war. Wir haben die Arbeit des Teufels getan und wir kehren nun zu unseren wirklichen Aufgaben zurück."

Oppenheimer, der das Stück noch lesen konnte, meinte allerdings dazu, dass er es nie bereut habe, an der Entwicklung der Atombombe mitgewirkt zu haben.

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