Montag, 23.07.2018
 
StartseiteVerbrauchertippKinderbetreuung und kultureller Austausch12.06.2018

Au-PairKinderbetreuung und kultureller Austausch

Au-Pairs, das sind junge Erwachsene, die für Kost, Logis und ein Taschengeld ein Jahr lang einer Gastfamilie bei der Kinderbetreuung und bei Hausarbeiten zur Hand gehen. Welche Aufgaben sie übernehmen dürfen, ist genau festgelegt. Im Gegenzug sollen sie die Kultur und Sprache ihres Gastlandes kennenlernen können.

Von Bernd Debus

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Eine Tagesmutter oder Au-pair mit einem Kind (greycoast | photocase.de)
Die meisten Au-Pairs haben heute eine lange Reise hinter sich - und die meisten sind weiblich (greycoast | photocase.de)
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"Wir hatten drei kleine Kinder. Also die waren, als das Au-Pair dann da war, waren die jüngeren Kinder zwei und der größere war fünf."

Als Ingrid zwei Jahre nach der Geburt ihrer Zwillinge wieder in den Beruf einsteigen wollte, war das für die Familie organisatorisch kaum machbar. Denn als Frühgeburten brauchten die beiden jüngsten besonders viel Zuwendung. Ingrid wandte sich an eine Au-Pair-Agentur, wie sie auch Marie-Theres Gilbeau in Coesfeld betreibt. Die hat, bevor sie vor fünfzehn Jahren ihre Agentur eröffnete, selber Erfahrungen als Gastmutter gesammelt:

"Wir hatten zwei Mädchen aus der Slowakei und wir hatten ein Mädel aus Tschita, das ist in Russland." 

Au-Pairs aus Mittel- oder Südeuropa sind längst die Ausnahme. Die meisten haben heute eine lange Reise hinter sich: "Die Au-Pairs kommen heute aus den ehemaligen sowjetischen Republiken, aus der Mongolei, aus Tadschikistan, Usbekistan, Kirgisien, aus Georgien. Dann aber auch aus Nepal oder aus Simbabwe und eben auch aus Lateinamerika."

Die junge Frau, die ein Jahr lang zusammen mit Ingrid, ihrem Mann und den drei Kindern unter einem Dach wohnte, stammte aus Brasilien. Viel Deutsch sprach sie nicht, erinnert sich Ingrid: "Keiner von uns sprach portugiesisch, sie sprach kein Englisch und kein Französisch. Also waren Hände und Füße dran."

Die meisten Au-Pairs sind übrigens weiblich. Au-Pair-Jungen gibt es auch. Sie sind aber deutlich in der Minderheit. Eine professionelle Haushalts- und Putzhilfe sollen Au-Pairs nicht ersetzen. Welche Aufgaben sie übernehmen dürfen, ist genau festgelegt:

"Leichte Hausarbeiten. Arbeiten, die immer wieder im Haushalt vorkommen, wie zum Beispiel das Ausräumen der Spülmaschine oder das Aufräumen vom Kinderzimmer. Bügelwäsche gehört auch dazu. Schwerer Hausarbeiten nicht. Das wäre zum Beispiel Fenster putzen oder Gartenarbeit."

Aufgaben der Au-Pairs sind klar definiert

Die Arbeitszeit ist ebenfalls geregelt: sechs Stunden, flexibel über den Tag verteilt. Ein Ruhetag und vier freie Abende pro Woche. Und ganz umsonst müssen die Au-Pairs auch nicht zupacken:

"Die Gastfamilien zahlen das Taschengeld in Höhe von 260 Euro plus 50 Euro für den Deutschkurs. Dann gibt es noch eine Kranken- und Haftpflichtversicherung. Die kostet circa zwischen 40 und 45 Euro im Monat. Und wenn die Familien ländlich wohnen, dann sollten Sie auch ein Ticket für den Nahverkehr bezahlen."

Wer selber ein Au-Pair sucht, kann sich an eine Au-Pair-Agentur wenden. Eine Agentur in der Nähe findet man am einfachsten über eine Internetsuchmaschine. Oder man fragt andere Familien, die schon mal ein Au-Pair zu Gast hatten. Die Agenturen verlangen für die Vermittlung im Durchschnitt etwa 500 bis 600 Euro. Marie-Theres Gilbeau:

"Bei mir ist es eher so, dass ich über Mund-zu-Mund-Propaganda empfohlen werde. Oder es gibt den Au-Pair-Society-Verband oder es gibt Agenturen mit dem RAL-Gütezeichen. Danach können sich die Familien auch orientieren."

Au-Pair-Agenturen mit dem RAL-Gütezeichen verpflichten sich zu kontrollieren, dass sich sowohl Gasteltern als auch Au-Pairs an alle Regeln halten.

Ingrids Familie hat übrigens zu ihrem Au-Pair, auch nach dem gemeinsam verbrachten Jahr, weiter Kontakt:

"Da sie in Dortmund geblieben ist, sehen wir uns ab und zu und sie hat sich hier auch beruflich etabliert, hat hier eine eigene Familie mittlerweile und für sie ist das schon so ein Stück Heimat gewesen. Wir waren ihre Familie hier und das fand sie schon sehr schön." 

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