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StartseiteWirtschaft und GesellschaftAuch Chefinnen verdienen weniger04.10.2012

Auch Chefinnen verdienen weniger

Gute Ausbildung schützt Frauen nicht vor niedrigen Gehältern

Weibliche Führungskräfte verdienen deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Um 30 Prozent niedriger liegt ihr durchschnittlicher Stundenlohn. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Statistischen Bundesamtes hervor. Betroffen sind zudem Technikerinnen und Frauen in Handwerksberufen.

Von Anja Nehls

Immer noch spielen bei der Besetzung hochkarätiger Stellen Geschlechterstereotype die Hauptrolle. (Stock.XCHNG / Constantin Kammerer)
Immer noch spielen bei der Besetzung hochkarätiger Stellen Geschlechterstereotype die Hauptrolle. (Stock.XCHNG / Constantin Kammerer)

39 Euro 50 verdient eine Führungskraft im Durchschnitt in der Stunde – wenn sie männlich ist. Bei Frauen liegt der durchschnittliche Stundenlohn um 30 Prozent niedriger – bei 27 Euro und 64 Cent. Die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen sind laut einer Untersuchung des statistischen Bundesamtes in Führungspositionen besonders groß.

Elke Holst vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung beschäftigt schon lange mit Gender Fragen. Für sie ist der große Unterschied in der Bezahlung vor allem darauf zurückzuführen, dass Frauen häufig nur mittlere und untere Führungspositionen bekleiden. Die Plätze in den Vorstandsetagen sind in Deutschland zu 97 Prozent mit Männern besetzt. Und genau da wird das ganz große Geld verdient. Immer noch spielen bei der Besetzung der hochkarätigen Stellen Geschlechterstereotype die Hauptrolle – als Frau kann man nur schwer vermitteln, dass Beruf und Karriere sich nicht ausschließen müssen, sagt Elke Holst:

"Also wir stellen doch fest, dass auch Frauen die gar keine Kinder haben oder überhaupt keine Probleme mit der Kinderbetreuung zuhause, dass auch diese Frauen nicht entsprechend der Männer in Führungspositionen kommen."

Selbst wenn Frauen in vergleichbaren Positionen wie Männer arbeiten, verdienen sie häufig weniger. Ein Grund dafür könnte sein, dass sie in Gehaltsverhandlungen anders auftreten als Männer

"Dazu muss man natürlich wissen, das Frauen wenn sie verhandeln würden wie Männer nicht gleich anerkannt würden, wenn sie gleich hart verhandeln würden, denn oft wird ja von Frauen ein ihr gemäßes Rollenverhalten erwartet und wenn sie dann hart ist heißt es, sie hat Haare auf den Zähnen und wenn sie verbindlich ist heißt es, sie kann sich nicht durchsetzen."

Dazu kommt, dass Frauen mitunter vermittelt wird, sie hätten eine Stelle nur bekommen, weil sie weiblich sind und das Unternehmen bestimmte Quoten erfüllen will. Zu mehr Selbstbewusstsein in Gehaltsverhandlungen führt das nicht. Dr. Bettina Burger-Menzel Vizepräsidentin der Fachhochschule Brandenburg:

"Ich war sogar gekränkt, als ich dann anfing zu arbeiten, als ich berufen wurde und das erste Mal den Flur betreten hatte, da kam mir die Gleichstellungsbeauftragte entgegen und sagte, ja gratuliere und endlich mal eine Frau und Vorbildfunktion und ich meinte, ich bin nicht ausgewählt oder ernannt worden, weil ich eine Frau bin, ich habe meine Karriere nachgewiesen, meine Fachkompetenz, deswegen bin ich hier."

Eine größere Transparenz, etwa durch Offenlegung der Verdienste innerhalb von allen Firmen und Unternehmen, könnte die Debatte versachlichen, so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Betroffen sind nämlich nicht nur weibliche Führungskräfte. Bei Technikern verdienen Frauen ebenfalls 30 Prozent weniger als Männer, in Handwerksberufen 25 Prozent. Die geringsten Differenzen gab es bei Bürokräften und sehr jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Die Verdienstschere gehr erst im späteren Berufsleben weiter auseinander und wird größer, je höher das Bildungsniveau ist. Frauen wählen wegen der Familie häufiger als Männer Teilzeitjobs, die meist mit Karriereknick und Verdiensteinbußen verbunden sind. Seit der letzten Erhebung des statistischen Bundesamtes 2006 hat sich an der ungleichen Einkommenssituation von Männern und Frauen so gut wie nicht geändert.

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