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StartseiteMarkt und MedienAuch gute Nachrichten sind Nachrichten11.09.2010

Auch gute Nachrichten sind Nachrichten

Der neue "heute"-Moderator Matthias Fornoff

Schon während seines Studiums der Politikwissenschaft und Slawistik wusste er, dass er mal Journalist werden wollte. Doch beim ZDF ist er eher durch Zufall gelandet, weil er Russisch spricht und gerade Mitarbeiter für eine Russland-Dokumentation gesucht wurden.

Von Eleni Klotsikas

Matthias Fornoff moderiert seit September die "heute"-Sendung und tritt dort die Nachfolge von Steffen Seibert an. (Screenshot DRadio.de)
Matthias Fornoff moderiert seit September die "heute"-Sendung und tritt dort die Nachfolge von Steffen Seibert an. (Screenshot DRadio.de)
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Vertrautes Gesicht an Merkels Seite

Danach folgte eine klassische ZDF-Karriere mit mehreren Stationen, zuletzt als Studioleiter in Washington. Seit Montag dieser Woche ist Matthias Fornoff das neue Gesicht der ZDF-Nachrichten und moderiert im Wechsel mit Petra Gerster jeden Abend die "heute"-Sendung um 19 Uhr. Von US-amerikanischen Nachrichtensendungen hat er als Erkenntnis mitgenommen, dass auch gute Nachrichten Nachrichten sind. Was den 47-jährigen Familienvater sonst noch umtreibt und wie er sich auf seine neue Rolle vorbereitet hat:

"Ein bisschen nervös sein werde ich am Montag beim Sendestart ganz sicher. Das ist für mich noch eine ungewohnte fremde Welt. Dieses riesige Nachrichtenstudio mit 180 Scheinwerfern und Kamerarobotern. Aber mein Fußballtrainer hat immer gesagt, wenn Du vor dem Anpfiff nicht nervös bist, spielst Du schlecht!"

Und dann ist es endlich soweit, der neue ZDF-heute-Moderator gibt sein Debüt:

"Die Nachrichten des Tages: Mit Matthias Fornoff"

"Guten Abend und herzlich willkommen! Es war eine lange Nacht im Kanzleramt. Jetzt steht fest..."

Ein lockeres "Guten Abend und herzlich willkommen" anstelle eines gesetzten "Guten Abend meine Damen und Herren". Matthias Fornoff will seine eigene Note hineinbringen und auch jüngere Leute ansprechen:

"Das ist eine Begrüßungsformel von der ich finde, dass sie Hürden aufbauen, die nicht sein müssen, nicht jeder fühlt sich davon angesprochen, vor allem jüngere nicht. Sehr geehrte Damen und Herren ist sehr formell. Das wird nicht das Einzige sein, was neu ist. Nach und nach wird es Veränderungen geben, aber am Tag eins werde ich die Welt nicht neu erfinden. Das ist ein Nachrichtenformat, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Das muss man weiterentwickeln und da will ich zu beitragen."

Noch wirkt er vor der Kamera selbst ein wenig steif, überkonzentriert, aber dafür verlief seine erste Sendewoche ohne Pannen. Für sein erstes Auftreten erntete er von der Presse Beifall.

Der Rollenwechsel vom Korrespondenten zum Moderator kam auch für ihn sehr plötzlich. Drei Jahre war er für das ZDF als Korrespondent in Washington und leitete zuletzt das Studio. In dieser Funktion hat er die Finanzmarktkrise, den US-Wahlkampf, die Amtseinführung Obamas und die ersten anderthalb Jahre seiner Regierung journalistisch begleitet und war immer am Pulsschlag der Zeit, dort, wo Politik gemacht wird.

Dass er für seine neue Aufgabe nach Mainz zurückkehren muss, um von dort aus jeden Abend die Nachrichten zu präsentieren, die andere erleben und gestalten, das ist für ihn kein Verlust. Auch in der neuen Rolle sieht er seine journalistische Kompetenz gefordert:

"Ich finde, das ist eine tolle Herausforderung. Die 19 Uhr heute-Sendung ist unsere Hauptnachrichtensendung, hat jeden Abend vier Millionen Zuschauer etwa und da durchzuführen, die Sendung mit zu gestalten und weiter zu entwickeln, finde ich etwas, was spannend ist. Nun ist es ja bei uns auch so, dass wir versuchen, innerhalb dieses Nachrichtenformats Zusammenhänge zu erklären. Das ist ja ein anderes Format als beispielsweise die Tagesschau. Wir haben dieses virtuelle Nachrichtenstudio, in dem wir Erklärräume haben, indem wir versuchen zu zeigen, warum brennt der Wald in Russland? Weil das Gebiet trocken gelegt wurde seit Jahrzehnten und das kann man mit diesen 3-D-Grafiken machen. Das heißt, da sind Sie als Moderator schon ganz anders gefordert als der klassische Nachrichtensprecher."

Um sich für die nationale Nachrichtenbühne fit zu machen, musste er ein intensives Moderationscoaching absolvieren und sich mehrere Kilo abtrainieren. Doch das fiel ihm nicht schwer:

"Ich mache viel Sport. Habe immer viel Sport gemacht. Früher viel Fußball gespielt, viel Squash und Tennis. Jetzt ist es mehr Joggen und Rennradfahren und ich fotografiere sehr gerne, lese viel und koche gerne!"

Eine Kochsendung käme jedoch für ihn nicht infrage. Er will der Information treu bleiben. Über das positive Echo der Presse ist er natürlich froh, hat sich aber vorgenommen als Fernsehstar nicht abzuheben, sondern auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben.

"Soviel von der Heute-Redaktion. Ihnen einen schönen Abend, bis morgen!"


Weitere Informationen zum Thema bei DRadio.de:
Vertrautes Gesicht an Merkels Seite- ZDF-Journalist Steffen Seibert wird Regierungssprecher, Aktuell vom 11.8.2010

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