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StartseiteForschung aktuellAuf dem Weg zum papierlosen Arztzimmer31.05.2006

Auf dem Weg zum papierlosen Arztzimmer

Frankfurt: IT-Verband zeigt Prototyp des elektronischen Arztbriefs

Medizintechnik. - Die Elektronische Gesundheitskarte verzögert sich in Deutschland zwar,

Von Mirko Smiljanic

Der Arztbrief zählt zu den freiwilligen Anwendungen der Elektronischen Gesundheitskarte.  (AP)
Der Arztbrief zählt zu den freiwilligen Anwendungen der Elektronischen Gesundheitskarte. (AP)

dennoch bieten immer mehr Firmen und Organisationen Dienste und Komponenten rund um die Gesundheitskarte an. Dazu zählt der Verband der Hersteller von IT-Lösungen für das Gesundheitswesen, der jetzt in Frankfurt auf der Messe für Informationstechnologie in Klinik und Praxis ITeG den Prototypen eines elektronischen Arztbriefes vorstellte.

Ein langwieriges Geschäft! Aus Diagnosen, Laborberichten und Therapieplänen formulieren Mediziner Informationsschreiben für ihre Kollegen in den Kliniken. Diese Arztbriefe drucken sie aus, stecken sie in Kuverts und übergeben sie ihren Patienten. Die wiederum liefern sie in den Krankenhäusern ab, wo sie - Gipfel der Ineffizienz - gescannt und elektronisch verarbeitet werden. Spätestens mit der Elektronischen Gesundheitskarte ist damit Schluss, die intersektorale Kommunikation - also der Austausch von Informationen zwischen niedergelassenen Ärzten und Kliniken - soll dann fast automatisiert ablaufen. Dafür muss der Mediziner zunächst einmal alle Informationen auf seine eigene elektronische Karteikarte schreiben. Jens Naumann, Mitglied des Vorstandes im Verband der Hersteller von IT-Lösungen für das Gesundheitswesen:

" Dann entscheidet er, welche dieser Befunde, Diagnosen und Verordnungen wichtig sind zur Information seines Fachkollegen. Und faktisch ist es so, er selektiert die Daten aus seiner elektronischen Karteikarte, betätigt eine bestimmte Funktion in der Software und dann wird ein Dokument erzeugt und dieses Dokument wird dann auf einem elektronisch sicheren Wege in das Kliniksystem übertragen, die Adresse steht drin, außerdem findet eine eindeutige Identifikation des Patienten statt."

Der Text wird in ein Format mit dem eher sperrigen Namen HL7 CDA gegossen. Es ist ein international anerkannter Standard für die Übermittlung hochstrukturierter Daten. Denn genau darauf kommt es an: Der zukünftige Arztbrief enthält keine Fließtexte, sondern Informationen, die das IT-System des Empfängers teilweise automatisch verarbeitet. Diagnosen oder Medikationen werden der Klinikakte zugeordnet und stehen sofort zur Verfügung. Die Zuordnung eines Arztbriefes an einen bestimmten Patienten ist dabei ein kritischer Punkt, Fehler dürfen auf gar keinen Fall passieren! Die geplante individuelle und lebenslange Sozialversicherungsnummer spielt zukünftig eine zentrale Rolle. Jens Naumann:

" Bis dahin arbeiten wir mit Master Patient Indices, also Softwarelösungen, die aufgrund von verschiedenen Kriterien, also Namen, Vornamen, Geburtsdatum, Anschrift und einigen anderen Dingen eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit einer Zuordnung herstellen, und wenn es keine Eindeutigkeit gibt, wird die Zuordnung durch eine manuelle Auswahl des Systems vollendet."

Der Arztbrief zählt zu den freiwilligen Anwendungen der Elektronischen Gesundheitskarte, ist also nicht Teil der aktuellen Testphase. Aus diesem Grund spielt für den VHitG der Datenschutz zunächst einmal keine Rolle. Den Zugang zum Arztbrief, Codierungsverfahren und das sichere Speichern regeln gesetzliche Vorgaben, die von der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte "gematik" überwacht werden und mittelfristig auch für die den elektronischen Arztbrief gelten. Außerdem soll der Patient grundsätzlich bestimmen können, welche Teile eines elektronischen Arztbriefes wer lesen darf und wer nicht. Andreas Kassner vom VHitG sagt:

"Dort kann er sehr selektiv vorgehen und sagen, ich möchte, dass dieses Dokument freigegeben ist, ein anderes wiederum, ein psychiatrisches Gutachten zum Beispiel, soll verborgen bleiben vor den entsprechenden Leistungsempfängern. "

Ob sich der elektronische Arztbrief in der vorliegenden Form durchsetzt, weiß bisher niemand. Entscheidend ist, ob der Brief die Informationen sicher transportiert und ob Ärzte und Klinikverwaltungen tatsächlich einen Zeitvorteil haben. Außerdem muss sichergestellt werden, dass in das starre Strukturkorsett tatsächliche alle wichtigen Informationen auch hinein passen.

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