Samstag, 04. Dezember 2021

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Auf der Suche nach Planeten

Astronomie. - Vor viereinhalb Jahren hat Europa sein Weltraumteleskop Corot ins All geschickt, um andere Planeten außerhalb unseres Sonnensystems zu finden. Inzwischen hat das Himmelsfernrohr mehr als die Hälfte seiner Lebenszeit überschritten. Halbzeitbilanz ziehen die Forscher in dieser Woche auf der die Jahrestagung der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft in Miami.

Von Guido Meyer | 26.05.2010

Am 27. Dezember 2006 begann für Corot die Reise auf seine polare Umlaufbahn. In fast 900 Kilometer Höhe umkreist das nur 600 Kilogramm leichte Weltraumfernrohr die Erde über ihre Pole. Sein Blick ist dabei stets von der Erde weg gerichtet, in die Tiefe des Alls, auf bislang mehr als 10.000 Sterne.

"Es ist ein langer Weg, um in diesem Meer von Sternen auf Planeten zu stoßen. Die Himmelsmechanik lässt es nicht oft zu, dass wir von der Erde aus sehen, wie ein Planet seinen Stern kurzzeitig teilweise bedeckt und so einen Teil seines Lichts schluckt. Und selbst wenn uns eine solche Beobachtung gelungen ist, ist die nächste Anforderung, dass dieser Helligkeitsabfall periodisch wiederkehrt. Nur dann können wir davon ausgehen, dass der Stern einen Begleiter in Gestalt eines Planeten hat, der ihn in einem regelmäßigen Rhythmus umkreist. Nach diesen Auswahlkriterien sind von den ursprünglichen 10.000 Kandidaten nur noch 300 übrig geblieben."

Annie Baglin ist die Chefwissenschaftlerin von Europas Corot-Mission am Observatoire de Paris. In den letzten vier Jahren hat sie mit ihren Mitarbeitern gesiebt; solange, bis besagte 300 Sterne übrig geblieben waren, die möglicherweise von Planeten umkreist werden.

"Als Nächstes haben wir uns die Beschaffenheit der möglichen Planetenbahnen angesehen. Die Lichtkurve eines Sterns, der kurzzeitig von einem Begleiter verdeckt wird, muss eine bestimmte Form haben. Die Kurve bekommt nach unten eine Art rechteckige Beule. Nach dieser neuerlichen Auswertung können wir weitere 60 bis 70 Prozent der Sterne aussieben, sodass nur etwa 50 übrig blieben."

Bei zwei, drei oder vier dieser verbliebenen 50 Sterne hatten die Astronomen dann Glück. Periode und Lichtkurve stimmten - der Stern wird von einem Planeten umkreist. Insgesamt hatten die Wissenschaftler in den letzten Jahren neunmal Glück. So viele neue Planeten hat Corot bislang gefunden. Dazu zählt der Planet Corot-3b, der 21 Mal die Masse Jupiters hat, des größten Planeten unseres Sonnensystems. Dieses Objekt ist so groß, dass es möglicherweise selbst eine Sonne ist.

"Die Grenze zwischen Planet und Stern ist eine uralte Frage. Früher galten alle Objekte mit weniger als dreizehn oder vierzehn Jupiter-Massen als Planeten, alle größeren und schwereren waren Sterne. Heute entscheidet, wie der jeweilige Himmelskörper geformt wurde - als Stern, im Zentrum einer Gaswolke, oder weiter draußen, als Überrest aus Staub, Gas und Gestein und somit als Planet. Es gibt nur wenige Objekte, die genau in diese Grauzone fallen - und wir haben eins gefunden!"

Noch mindestens drei Jahre soll Corot Planeten suchen. Sollte die bisherige Erfolgssträhne anhalten, ist eine Verlängerung und damit weitere Finanzierung wahrscheinlich.