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StartseiteInterview"Leugnung des Völkermords ist ein Akt des Hasses"11.07.2020

Aufarbeitung des Genozids von Srebrenica"Leugnung des Völkermords ist ein Akt des Hasses"

Noch heute weigern sich viele Serben, das Massaker von Srebrenica als Völkermord anzuerkennen. Die Greueltaten würden nicht als Verbrechen angesehen, Kriegsverbrecher verherrlicht, sagte Jasna Causevic von der Gesellschaft für bedrohte Völker im Dlf.

Jasna Causevic im Gespräch mit Rainer Brandes

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Eine Mitarbeiterin der Sondergruppe des UN-Tribunals für Kriegsverbrechen entfernt am 15.07.1996 Erde von Skeletten in einem Massengrab außerhalb des Dorfes Cerska in der Nähe der früheren Moslem-Enklave Srebrenica, Bosnien-Herzegowina. Die Sondergruppe hatte damals bei ihren Ausgrabungen von Massengräbern erstmals konkrete Beweise für die Ermordung von zahlreichen Vermissten sichergestellt. (dpa/Odd Andersen)
Eine Mitarbeiterin der Sondergruppe des UN-Tribunals für Kriegsverbrechen entfernt am 15.07.1996 Erde von Skeletten in einem Massengrab außerhalb des Dorfes Cerska nahe Srebrenica (dpa/Odd Andersen)
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Zum 25. Jahrestag des Massakers von Srebrenica rückt die damalige Rolle der internationalen Staatengemeinschaft wieder in den Blickpunkt. Während die bosnischen Serben damals aus Rest-Jugoslawien unterstützt worden seien, habe der UN-Sicherheitsrat ein Waffenembargo "trotz der prekären Lage der Bosniaken nicht aufgehoben", sagte Jasna Causevic von der Gesellschaft für bedrohte Völker im Deutschlandfunk. Damit sei Bosnien das Recht auf Selbstverteidigung verweigert worden. Und so habe man den ethnischen Säuberungen nicht viel entgegensetzen können.

Memorial Center in Potocari, Bosnia and Herzegovina 11.07.2019., Potocari, Bosnia i Herzegovina - Family members grieving at the Memorial Center in Potocari. A few thousand people came to Potocari for the 24th annual commemoration for the victims of Srebrenica genocide. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY ArminxDurgut/PIXSELL (imago images / Pixsell) (imago images / Pixsell)Genozid von Srebrenica - Brisante Fragen auch nach 25 Jahren ungeklärt
Das Massaker an den bosnischen Muslimen gilt als das größte Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Europa seit 1945. In nur vier Tagen wurden mehr als 8.000 Männer und Jungen ermordet. 25 Jahre nach Srebrenica stellen Hinterbliebene weiter Fragen zur Rolle der internationalen Gemeinschaft.

Noch heute weigern sich viele Serben, das Massaker als Völkermord anzuerkennen. "Mit der Verherrlichung von Kriegsverbrechern geht einher, dass die Gräueltaten nicht als Verbrechen angesehen werden, sondern als heldenhafte oder edle Taten", sagte Causevic. "Diese Leugnung des Völkermordes ist im Prinzip ein Akt des Hasses und der Diskriminierung", fügte sie hinzu.

Leiden der Opfer nicht anerkannt

Die Verbrechen würden gerechtfertigt und das Leiden der Opfer nicht anerkannt, sagte Causevic. Durch diese Leugnung werde der Gemeinschaft der Bosniaken abgesprochen, Emphatie oder Schutz zu erfahren. Dadurch steige die Gefahr, dass dieser Gruppe "noch einmal ähnliches passiert". Causevic ist bei der Gesellschaft für bedrohte Völker mit Sitz in Göttingen Referentin für "Genozid-Prävention und Schutzverantwortung".

Mindestens 8.000 Männer und Jungen wurden im Bosnien-Krieg ab dem 11. Juli 1995 in der muslimischen Enklave Srebrenica in Ostbosnien von den Truppen des bosnisch-serbischen Generals Ratko Mladic durch die Wälder gejagt und ermordet. In der Nähe stationierte UN-Blauhelmsoldaten sahen hilf- und tatenlos zu, wie die Serben die Kontrolle über Srebrenica übernahmen.

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