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StartseiteKalenderblattAufgabe der Isolation06.04.2007

Aufgabe der Isolation

Der Eintritt in den Ersten Weltkrieg war für die USA eine Zeitenwende

In den Stellungskämpfen des Ersten Weltkriegs verloren Millionen Menschen ihr Leben. Monatelang harrten die Soldaten vor allem an der Westfront in den Schützengräben aus. Eine Wende brachte der 6. April 1917. An diesem Tag traten die USA in das Kriegsgeschehen ein.

Von Ralf Geißler

Amerikanische Soldaten im Ersten Weltkrieg 1918. (AP-Archiv)
Amerikanische Soldaten im Ersten Weltkrieg 1918. (AP-Archiv)

Die USA zu Beginn des Ersten Weltkrieges: In den Tanzlokalen wird immer wieder ein Lied gespielt: "I didn't raise my boy to be a soldier", "Ich habe meinen Sohn nicht groß gezogen, damit er Soldat wird". Die Amerikaner lesen in den Zeitungen von den zermürbenden Stellungskämpfen in Europa. Man ist froh, nicht dabei zu sein.

Seit 1914 kämpfen die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn gegen Frankreich, Großbritannien, Russland und Serbien. Vor allem die Deutschen treibt ein überzogener Nationalismus. Was euphorisch begann, entwickelt sich schnell zu einem Vernichtungskrieg mit Hunderttausenden von Toten.

Zur deutschen Taktik gehört der Einsatz von Militär-U-Booten. Regelmäßig versenkt die kaiserliche Flotte vor der britischen Küste auch Handels- und Passagierschiffe. Im Mai 1915 trifft es den Luxusdampfer Lusitania, der heimlich Waffen für Großbritannien transportiert. An Bord sind auch US-Bürger.

"Wir sollten Liverpool am Samstag, den 8. Mai erreichen und glaubten, dass wir die Irische See in unserer letzten Nacht durchqueren würden. Wir irrten uns. Am Freitag Nachmittag, gegen 2 Uhr - der alte Leuchtturm von Kinsale war bereits sichtbar - gab es einen Knall. Nicht sehr laut, aber zweifelsfrei eine Explosion."

Berichte wie von dieser Zeitzeugin füllen in den USA ganze Titelseiten und ändern die Stimmung im Land. Jedes zehnte der 1200 Opfer beim Untergang der Lusitania ist US-Bürger. Doch zum offenen Kriegseintritt der USA kommt es erst, als ein deutsches Geheimtelegramm abgefangen und veröffentlicht wird. Es ist die so genannte Zimmermann-Depesche. Darin bietet das Deutsche Kaiserreich Mexiko ein Bündnis an, für den Fall, dass die USA ihre Neutralität aufgeben.

"Gemeinsame Kriegsführung. Gemeinsamer Friedensschluss. Reichlich finanzielle Unterstützung und Einverständnis unsererseits, dass Mexiko in Texas, Neu Mexico, Arizona früher verlorenes Gebiet zurückerobert. Bestätigen Sie Empfang!"

Die US-Bevölkerung ist empört, dass die Deutschen ihre Südstaaten als Kriegsbeute anbieten. Am 6. April 1917 erklärt Präsident Woodrow Wilson Deutschland den Krieg. Alle wehrfähigen Männer werden einberufen. Wenig später landen die ersten US-Soldaten in Frankreich:

"Jungs, ich will ein paar Worte zu euch sprechen, bevor wir an Land gehen. Dies ist ein denkwürdiger Augenblick in der Geschichte Amerikas. Es ist das erste Mal, dass amerikanische Truppen ihren Fuß auf französischen Boden setzen. Als wir 1776 für unsere Unabhängigkeit gekämpft haben, schickte uns Frankreich seine tapferen Söhne, um uns beim Kampf um die Freiheit zu helfen. Heute seid ihr hier als Vertreter dieser großen Republik, den Vereinigten Staaten von Amerika."

Kriegsziel der US-Regierung ist die Beseitigung des deutschen Militarismus und eine Demokratisierung Europas. Eine gewaltige Propaganda-Maschinerie wird in Gang gesetzt. Sie soll die Kriegsbegeisterung in den USA wecken, aber auch Sabotage-Akte deutscher Einwanderer verhindern. Der aus Deutschland abberufene Botschafter James Gerard droht ihnen in einer Ansprache.

"Sollte es hier irgendwelche Deutsch-Amerikaner geben, die so undankbar sind, dass sie immer noch den Kaiser unterstützen, dann gibt es nur eine Antwort. Fesselt sie, gebt ihnen ihre Holzpantinen und Lumpen wieder, mit denen sie gekommen sind, und verschifft sie zurück ins Vaterland."

An der West-Front bringt der Kriegseintritt der USA die Wende. Zwei Millionen gut genährte US-Soldaten treffen auf eine längst zermürbte und müde Abwehr. Am 11. November 1918 erklärt sich Deutschland zum Waffenstillstand bereit. Schon vorher hat US-Präsident Wilson eine Nachkriegsordnung entworfen. Er schlägt einen Völkerbund vor, um Kriege künftig zu vermeiden. Die Organisation wird auch gegründet, die USA treten allerdings nie bei. Mit Kriegsende haben sich die Mehrheitsverhältnisse in dem Land geändert. Die Republikaner erzwingen im Kongress eine Rückkehr zu Isolationismus und Neutralität.

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