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StartseiteSport AktuellBundesregierung verweist auf "Autonomie des Sports"04.03.2021

Aufklärung der Gewaltvorwürfe im TurnenBundesregierung verweist auf "Autonomie des Sports"

Psychische und physische Gewalt im Turnen am Bundesstützpunkt Sachsen: Die Vorwürfe gegen Trainerin Gabriele Frehse beschäftigen die deutsche Sportpolitik seit Ende November. Die Bundesregierung will sich weiterhin nicht in die Aufklärung einmischen. Die FDP kritisiert das.

Von Raphael Späth

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Eine Turnerin bereitet sich während des Finales der Junioren im Geräteturnen bei den European Artistic Gymnastics Championships am 20.12.2020 in Mersin auf ihren Wettkampf vor. (IMAGO / Schreyer)
Die Bundespolitik ringt um den Umgang mit Gewaltvorwürfen im deutschen Spitzenturnen. (IMAGO / Schreyer)
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Das Bundesinnenministerium sei mit allen beteiligten Akteuren im Gespräch, heißt es in einem Antwortschreiben der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion, die dem Deutschlandfunk vorliegt.

Aktiv eingreifen in den Aufklärungsprozess wird der Bund wohl aber vorerst nicht, immer wieder verweist die Regierung im achtseitigen Antwortschreiben auf die Autonomie des Sports.

Ist der Sport autonom?

"Aber meiner Meinung nach muss es da mehr geben als immer nur Floskeln wie ‚Autonomie des Sports‘, weil wir ja die Gelder zur Verfügung stellen", sagt Britta Dassler, sportpolitische Sprecherin der FDP.

"Und wenn ich mir jetzt diese gravierenden Vorkommnisse anschaue, sowohl psychisch, physisch und sexuelle Gewalt, ist das eine Sache, bei der wir doch nicht wegschauen können. Gerade, wenn die Bundesregierung oder der Bund den Spitzensport oder auch diese Sportgruppe mit Steuergeldern fördert."

Nicht alle Trainer müssen Führungszeugnis vorlegen

Erste Fortschritte seien laut Dassler auch schon gemacht worden. Seit Anfang des Jahres müssen Sportverbände sich von ihren Trainer*innen ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen lassen.

Diese Vorgabe des Ministeriums müssen aber nur Spitzenverbände und Olympiastützpunkte erfüllen – einzelne Vereine hingegen nicht.

Im Fall eines zweiten, niederländischen Turntrainers, dem psychischer Missbrauch vorgeworfen wird, verweist die Bundesregierung deshalb darauf, dass der DTB und der Olympiastützpunkt nicht in den Entscheidungsprozess eingebunden waren – weil der Trainer nur als Vereins- und nicht als Bundestrainer tätig war.

Pauline Schäfer turnt am 08.10.2017 in Montreal (Kanada) bei den Gymnastik-Weltmeisterschaften am Schwebebalken. (picture alliance / Paul Chiasson) (picture alliance / Paul Chiasson)Psychische Gewalt im Turnen - Deutscher Turner-Bund gesteht Fehler ein
Demütigungen, Beschimpfungen und Training trotz Schmerzen: Der Deutsche Turner-Bund hat die Vorwürfe mehrerer deutscher Turnerinnen gegen eine ehemalige Trainerin untersuchen lassen. Nun fordert er deren Entlassung – und gesteht auch eigene Fehler ein.

Eine Argumentation, die Britta Dassler von der FDP nachvollziehen kann:

"Aber wenn ich dann sehe, dass es unsere Athleten sind, die an anderer Stelle mit unseren Geldern gefördert werden, aber dann in ihrem Verein trainieren und da missbraucht werden, dann muss der Bund vielleicht dafür sorgen, dass man sagt: Auch in all den Heimatvereinen, in denen Bundeskader-Athleten trainieren, geht man den Weg und fordert auch da für die Trainer erweiterte Führungszeugnisse an."

Die Bundesregierung hat im aktuellen Fall bisher auch keine Einsicht in den Untersuchungsbericht, den der Deutsche Turner-Bund Ende letzten Jahres bei einer Frankfurter Kanzlei in Auftrag gegeben hatte. Der Bund fordert im Antwortschreiben aber eine lückenlose Aufklärung. Andernfalls drohe er damit, die Fördermittel zu kürzen.

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