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StartseiteDeutschland heutePartymüll als größtes Problem17.09.2018

Aufräumtag am Rhein Partymüll als größtes Problem

80 bis 100 Tonnen Abfall hätten Helfer beim Aufräumtag am Rhein gesammelt, sagte Joachim Umbach, Initiator der Aktion, im Dlf. Vor allem der Partymüll sei ein Problem. Folgeaktionen seien geplant - er hoffe, dass damit das Bewusstsein für die Vermüllung des Rheinufers vorangetrieben werde.

Joachim Umbach im Gespräch mit Ute Meyer

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Rhine Clean Up Day in Emmerich am Sandstrand unter der Rheinbrücke - Milan Kühnen mit Vater Marco und Großvater Hans-Bernd sammeln Müll in Plastiktüten. (imago / Markus van Offern)
Verpackungsmüll, aber auch Autoreifen, goldene Uhren und alte Führerscheine haben die Helfer beim Rhine Cleanup Day gefunden (imago / Markus van Offern)
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Ute Meyer: Fast 10.000 Menschen haben sich am Wochenende rangemacht, die Ufer des Rheins zu säubern. Sie haben tonnenweise Müll gesammelt. Einwegbecher, Plastiktüten, Zigarettenstummel, Kronkorken. Allein in Düsseldorf waren 1.100 Menschen am Samstag mit dabei, deutschlandweit waren es 9.000, aber auch in den anderen Ländern, durch die Rhein fließt, in der Schweiz, Frankreich, die Niederlande, waren ehrenamtliche Müllsammler unterwegs. Die ganze Aktion lief unter dem Begriff "Rhine clean-up day", also "Rhein Aufräumtag" und einer der Ideengeber dafür ist der Düsseldorfer Journalist Joachim Umbach. Herr Umbach, 9.000 Menschen haben deutschlandweit mitgemacht. Sind Sie zufrieden mit Ihrer Aktion?

Joachim Umbach: Ja, wir sind sehr zufrieden. Als wir vor etwa drei Monaten mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema angefangen haben, sind wir davon ausgegangen, dass wir bei der Premiere zehn Städte gewinnen können, die mitmachen. Nun sind es letztlich 59 Städte geworden. Allein diese Zahl zeigt schon, wie erfolgreich die Arbeit in diesen drei Monaten war. Dass fast, also rund 10.000 Menschen europaweit mitgemacht haben, finden wir auch ein großartiges Ergebnis, und wenn ich an die Müllmenge denke, die gesammelt worden ist, die Experten der lokalen Müllentsorger haben uns gesagt, dass es zwischen 80 bis 100 Tonnen gewesen seien müssen, dann sind wir auch zufrieden.

"Alles gefunden, was man sich vorstellen kann"

Meyer: Zwischen 80 und 100 Tonnen, kann man das in Müllsäcken umrechnen? Können Sie uns da mal ein Bild geben?

Umbach: Also in einen Müllsack, den die Leute jetzt gesammelt haben, gehen wir davon aus, dass sie fünf bis sechs Kilo gesammelt haben. Das müsste man jetzt entsprechend dividieren. Das kann ich im Kopf nicht!

Meyer: Was ist denn nach diesem Rhine Cleanup Day Ihre Bilanz, was ist das größte Müllproblem an den Unfern des Rheins?

Umbach: Ach, wir haben alles gefunden, was man sich auch nur so vorstellen kann. Wir haben einen wunderschönen Sommer gehabt, und die Leute haben natürlich mit gutem Recht gesagt, wir müssen an den Rhein gehen, weil es so schön da ist, und wir müssen grillen, und wir müssen Party feiern. Also die Partyrückstände sind immer noch überall zu sehen, und von daher war das sicherlich ein Thema, aber es gibt auch andere Dinge, die wirklich ärgerlich sind. Es gibt auch offensichtlich Leute, die also ihre gebrauchten Autoreifen immer wieder gerne am Rhein ablagern. Das sind so Dinge, die immer wieder auftauchen, aber wir haben auch kuriose Sachen gefunden. Also in Düsseldorf ist eine goldene Uhr gefunden worden, wir haben Führerscheine gefunden, also auch das in diese Richtung geht.

"Unser Appell geht an die Leute, die am Rhein feiern"

Meyer: Nun gelten die Deutschen ja doch so vorbildlich in Sachen Mülltrennung. Da entsteht ja doch ein anderes Bild. Eigentlich scheinen viele Deutsche doch auch ganz schöne Ferkel zu sein.

Umbach: Ja, offensichtlich. Also die Vermüllung des Rheinufers ist schon ein Thema immer wieder gewesen. Es ist auch so, ich will auch die lokalen Müllentsorger da auch nicht aus der Verantwortung nehmen. Die müssen natürlich das Jahr über auch dafür sorgen, dass das entsprechend gereinigt wird, aber unser Appell geht ja an die Leute, die an den Rhein gehen, dort feiern, dort grillen, das sollen sie auch weiter tun, aber sie sollen bitte die Dinge, die sie mitbringen, dann auch wieder mitnehmen, und wir hoffen, dass durch eine so groß angelegte Aktion, wir an diesem Wochenende einfach diese Aufmerksamkeit finden und dass man dadurch Nachhaltigkeit erzielen kann und dass die Bewusstseinsbildung dadurch einen Schritt nach vorne macht.

Meyer: Sie haben eine beeindruckende Bilanz: 59 Städte haben mitgemacht aus mehreren Ländern, fast 10.000 Menschen. Wie haben Sie das geschafft, wie haben Sie diese Menschen erreicht?

Umbach: Also wir haben eine sehr intensive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gemacht, wir haben Pressekonferenzen in verschiedenen Städten entlang des Rheines organisiert, und ich muss sagen, die Medien haben ganz großartig mitgezogen. Wir haben da sehr viel Unterstützung gefunden. Also über Social Media ist da auch einiges gelaufen, und es ist auch manchmal ein gewisser Druck entstanden. Am Niederrhein haben wir es zum Beispiel gemerkt, wenn eine Stadt X dabei war und die Nachbarstadt noch nicht, dann haben sich die Bürger an den Bürgermeister gewandt und haben gesagt, also wenn Xanten dabei ist, warum ist Rees nicht dabei, und so hat sich dann auch das eine oder andere entwickelt.

Folgeaktionen geplant - auch an der Ruhr

Meyer: Glauben Sie, dass die Schnittmenge der Menschen, die bei Ihnen ehrenamtlich mit Müll aufgesammelt haben und die derjenigen, die ihre Müllreste am Rheinufer hinterlassen, dass es da eine Schnittmenge gibt, oder sind das zwei unterschiedliche Personengruppen?

Umbach: Ich fürchte fast, das sind zwei unterschiedliche Gruppen! Aber wir hoffen.

Meyer: Also kein Lerneffekt, schade.

Umbach: Ja doch, ich wollte gerade sagen: Wir hoffen, dass durch solche Aktionen der eine oder andere von der Gruppe, die ja also sich ein bisschen lax bisher mit dem Müll beschäftigt hat, rübergezogen wird in die andere Gruppe, die da bewusster mit umgeht.

Meyer: Und der Rhine Cleanup Day soll kein Einzelfall bleiben. Sie planen Wiederholungen, richtig?

Umbach: Also wir sind durch den Erfolg ermuntert, weiterzumachen. Der zweite Rhine Cleanup Tag wird am 14. September 2019 sein, und unsere Freunde in NRW können sich darüber hinaus noch freuen: Wir werden am 6. April einen Dreck-weg-Tag Rhein-Ruhr organisieren, das heißt also nicht nur am Rhein, sondern das Ruhrgebiet wird damit auch erfasst.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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