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StartseiteKultur heuteAufstieg und Machtentfaltung einer Dynastie08.09.2013

Aufstieg und Machtentfaltung einer Dynastie

Die Wittelsbacher-Ausstellung im Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim

Die Wittelsbacher regierten quasi vom 13. Jahrhundert an bis vorgestern. Ihrer Erfolgsgeschichte widmet das Reiß-Engelhorn-Museum in Mannheim nun eine große Ausstellung - mit sechshundert erstklassigen Exponaten und einer überzeugenden Konzeption.

Von Martina Wehlte

Die Ausstellung widmet sich der rund 600 Jahre dauernden Regentschaft der Wittelsbacher. (dpa / Uwe Anspach)
Die Ausstellung widmet sich der rund 600 Jahre dauernden Regentschaft der Wittelsbacher. (dpa / Uwe Anspach)
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Einen mythisch verklärten Barbarossa oder einen Friedrich II. haben die Wittelsbacher nicht aufzubieten; aber einen beeindruckend rasanten Aufstieg des Adelsgeschlechts von 1214, als der erste Wittelsbacher mit der Pfalzherrschaft am Rhein belehnt wurde, über die Erlangung der Kurfürstenwürde bis zum böhmischen Königtum. Und das 1803 untergegangene Fürstentum Kurpfalz, ein weit zersplittertes Gebiet beidseits des Rheins vom Hunsrück bis zum Kloster Maulbronn, eine vis maxima regni, Kern- und Innovationslandschaft des Reiches mit rivalisierenden Mächten.

Eine große zweiteilige Schau der Reiss-Engelhorn-Museen und der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg im Mannheimer Zeughaus und Barockschloss zeichnet die Erfolgsgeschichte der Wittelsbacher anhand sechshundert erstklassiger Exponate und einer überzeugenden Konzeption adäquat nach. Auf zwei Etagen werden im Zeughaus Aufstieg und Machtentfaltung der Dynastie chronologisch und von den einzelnen Regenten her ausgebreitet. Das Entree veranschaulicht die historische Chance zum Betreten der großen politischen Bühne auf einen Blick: Die zwei steinernen Kehlheimer Löwen mit ihren rautenverzierten Schilden, den Attributen des Wittelsbacher Wappens, die heute im blau-weißen Bayerns fortleben, erheben sich zwischen Repräsentanten der Welfen und der Staufer, aus deren Machtkämpfen das Geschlecht als ordnungsstiftende Kraft hervorging.

1180 war Otto von Wittelsbach zum Herzog von Bayern erhoben worden, 1214 erhielt sein Sohn Ludwig I. von Kaiser Friedrich II. die Pfalzgrafschaft bei Rhein. Die Sicherung der Erbfolge, die Machterweiterung der aufblühenden Kurpfalz und ihrer oberbayerischen Gebiete sowie ihr Erhalt durch kalkulierte Allianzen und geschickte Heiratspolitik waren die Motive der Regenten und sind der rote Faden durch die Ausstellung.

Deren Kurator Alexander Schubert:

"Da hat man dann eben solche Figuren wie Ludwig den Kehlheimer, aber auch den Kurfürsten Ruprecht I, den Universitätsgründer; wenn man dann an Carl Theodor denkt, den letzten Wittelsbacher, der in Mannheim residiert hat, der Mannheim eigentlich zu dem europäischen Musenhof, vielleicht nur noch vergleichbar mit Versailles, gemacht hat. Das Ganze endet dann 1777, als die bayerische Linie ausstirbt und Carl Theodor von Mannheim nach München übersiedelt."

Doch was für ein kulturgeschichtliches Panorama entfaltet sich bis dahin und lebt in den abgedunkelten Räumen der Mittelalterausstellung im Zeughaus wieder auf: Wappenbücher in tiefroten, schwarz ausgeschlagenen Vitrinen, leuchtende Miniaturen aus Handschriften wie dem Schwabenspiegel, sakrale Kunst, Ausgrabungen von Alltagsgeschirr eine Widmung des berühmten Konrad von Gelnhausen aus dem Vatikan, und ab Dezember wird für drei Monate die Goldene Bulle aus Darmstadt zu sehen sein. Aber auch die Skrupellosigkeit und Gewaltbereitschaft hinter dem äußeren Glanz der Herrschenden scheint durchaus hervor. Die harschen Reaktionen auf das Hambacher Fest sind dafür nur ein Beispiel.

Keine auflockernde Unterhaltung, sondern substanzielle Vergegenwärtigung sind die medialen Inszenierungen, wie die Sprengung des Heidelberger Schlosses durch die französischen Truppen Ludwigs XIV. Sie sind eine eindrückliche Zugabe zu den Ausstellungsstücken aus renommierten europäischen Museen wie dem Louvre, von wo eine filigran ausgearbeitete Alabasterbüste des nur drei Jahre regierenden, aber prägenden Ottheinrich den Weg ins Mannheimer Schloss gefunden hat. Dieses wurde 1720 zur Residenz und bietet nach seiner Restaurierung einen prunkvollen Rahmen für die Präsentation der Neuzeit. Man taucht in das Konfessionelle Zeitalter mit seinen Glaubenskämpfen, in dem die Kurpfalz ein Zufluchtsort für französische Hugenotten und niederländische Calvinisten wurde. Der Besucher erlebt die Entwicklung Mannheims als einer von den frühen Wittelsbachern gegründeten Stadt, wandelt durch einen installierten Triumphbogen und begegnet schließlich in einem strahlend blauen Saal Zeugnissen aus der Zeit Carl Theodors, an dessen Hof Schiller und Mozart kamen.

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