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StartseiteWirtschaft am MittagBaubranche trotzt der Corona-Krise23.03.2020

AuftragslageBaubranche trotzt der Corona-Krise

Zwar merken auch Bauunternehmen erste Auswirkungen der Corona-Krise, aber noch wird in Deutschland gebaut. Der Grund: Auf vielen Baustellen können die Hygienevorschriften eingehalten werden. Manches Bauprojekt könnte durch die Ausbreitung des Coronavirus sogar beschleunigt werden.

Von Johannes Kulms

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Baukräne in Berlin recken sich in den blauen Himmel. (chromorange)
Anders als in vielen anderen Branchen macht sich die Coronakrise im Baugewerbe noch nicht so stark bemerkbar (chromorange)

Jahrelang lag die Kieler Hörn weitestgehend brach. Das Gelände liegt direkt am Hafenbecken, genau dort, wo der Kilometerlange Ostseearm endet. Inzwischen wird auf den Flächen nahe der Innenstadt kräftig gebaut. Hunderte Büros und Wohnungen  entstehen hier.

Der frühere SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. (Imago / Müller-Stauffenberg) (Imago / Müller-Stauffenberg)Steinbrück - "Weit existenzieller als die Finanzkrise 2008" 
Der wirtschaftliche Absturz durch die Coronakrise werde die Auswirkungen der Finanzkrise 2008 übertreffen, sagte der frühere Finanzminister Peer Steinbrück. Er halte die staatlichen Institutionen für handlungsfähig.

Auch die landeseigene Investitionsbank Schleswig-Holstein baut hier ihren neuen Hauptsitz. Und an diesem Montagmorgen wird bei Sonne, aber klirrenden Temperaturen, geklotzt. Drei grüne Baukräne surren vor sich hin, von einem nehmen vier Bauarbeiter ein Bündel mit schweren Holzplanken in Empfang. Sie tragen Westen und Helme. Aber keine Atemschutzmasken.

Nicht nur in Kiel wird auf vielen Baustellen gearbeitet. Das sei auch bundesweit weiterhin die Regel, sagt Inga Stein-Barthelmes, Sprecherin beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie:

"Also, derzeit wird noch gebaut. Natürlich hören wir auch von Unternehmen, dass sie auf Grund der Auflagen oder natürlich auch durch einen hohen Krankenstand bei ihren Mitarbeitern dann teilweise schon in Bedrängnis kommen."

Auch die Baubrachen merkt die Coronakrise

Auch die Grenzschließungen – insbesondere zwischen Deutschland und Polen – bereite vielen Firmen Probleme. Denn viele Beschäftige stammen aus Osteuropa. Daneben stellen sich die Bauunternehmen auch auf Lücken in den Lieferketten ein, die Engpässe beim Material nach sich ziehen. Doch weiterhin könnten etwa drei Viertel alle Unternehmen ihren Arbeiten weitestgehend normal nachgehen, so die Schätzung vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

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Die Bauwirtschaft sei sehr gut geeignet, zu einer Stabilisierung der Volkswirtschaft beizutragen, heißt es vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). Der ZDB vertritt vor allem kleine und mittelständische Baubetriebe. Rund 10 Milliarden Euro erwirtschafte die Branche jeden Monat, die Abhängigkeit von globalen Lieferketten sei relativ gering. Es sei wichtig, dass die Baustellen offen blieben und die Beschäftigen dort weiterhin Geld verdienen könnten, macht ZDB-Sprecherin Ilona Klein deutlich. Auch in Zeiten der Corona-Pandemie sei dies machbar, so Klein:

"Weil wir davon ausgehen, dass auf vielen Baustellen Hygienebedingungen eingehalten werden können."

Auf einer Straßenbaustelle mit vielen Maschinen und relativ wenig Personal seien die neuen Sicherheitsvorgaben aber einfacher einzuhalten als etwa beim Hausinnenausbau, sagt Klein.

Auf ein Einhalten der Hygienevorschriften pocht vor allem die Gewerkschaft IG Bau. Man habe großes Vertrauen, die meisten Verbandsgebundenen Arbeitgeber seien vorsichtig, sagt ein Gewerkschaftssprecher auf Anfrage. Wenn es Hygienemaßnahmen wie etwa angeschlossene Toiletten für die Beschäftigten gebe – also eben keine "Dixiklos" – hält die IG Bau einen Weiterbetrieb der Arbeiten für vertretbar. Es sei gerade jetzt die Verantwortung der Kollegen, ihren Chef auf Probleme aufmerksam zu machen.

Die Forderung: jetzt noch mehr bauen

Manches Bauprojekt könnte durch die Ausbreitung des Coronavirus sogar beschleunigt werden. Wenn weniger Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs seien ,könnten Baumaßnahmen auf Autobahnen einfacher durchgeführt werden, so der ADAC. In Nordrhein-Westfalen etwa sei der Verkehr auf den Autobahnen um 20 Prozent zurückgegangen was Sperrungen auf sonst hochbelasteten Strecken einfacher macht.

Die Baubranche appelliert derweil an die öffentliche Hand. Bund, Länder und Kommunen müssten weitere Bauprojekte anstoßen und erbrachte Bauleistungen zügig bezahlen, heißt es vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe.

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie steht in engem Kontakt mit dem Bundesbauministerium und dem Verkehrsministerium in Berlin. Man sei optimistisch, so Sprecherin Stein-Barthelmes, "dass die gute Lösungen finden, dass die Unternehmer auch hier in Form dieses Rettungsschirms gut aufgefangen werden."

Noch also wird auch in Kiel weiterhin viel geklotzt. Doch auch die Baubranche kann in diesen Tagen nur eines: Hoffen und auf Sicht fahren.

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