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StartseiteForschung aktuellAufwendige Fortpflanzung12.08.2005

Aufwendige Fortpflanzung

Spermienkonkurrenz unter Javaneraffen

Ethologie. - Erfolg macht sexy, das gilt auch unter Affen. Welchen Aufwand dominante Männchen treiben, damit ihr Fortpflanzungserfolg gesichert bleibt, hat eine deutsche Wissenschaftlerin im Dschungel von Indonesien erforscht. Auf der 1. Tagung der Europäischen Primatologenvereinigung in Göttingen berichtete sie darüber.

Von Kristin Raabe

Javaner Affen, Macaca fascicularis, gehören zu den Tieren des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen (DPZ)
Javaner Affen, Macaca fascicularis, gehören zu den Tieren des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen (DPZ)
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Wenn ein Javaneraffen-Männchen Kopulationsrufe hört, weiß es, dass ein Weibchen seiner Gruppe gerade mit einem anderen Männchen zugange ist. Das ist sogar den Alpha-Tieren die meiste Zeit über völlig egal. Nur, wenn das rufende Weibchen gerade empfängnisbereit ist, sich also in der sogenannten fertilen Phase ihres Zyklus befindet, reagieren die ranghohen Männchen. Denn nur in diesem Zeitraum hat ein Nebenbuhler die Chance, eigenen Nachwuchs zu zeugen - und das gilt es zu verhindern. Anscheinend erkennen die Männchen die leichten Veränderungen im Verhalten der Weibchen, wenn sie in die fertile Phase kommen. Die Javaneraffen-Weibchen suchen dann eher die Nähe der Männchen und greifen bei der Kopulation häufiger mit der Hand nach hinten.

"Allerdings müssen die Männchen die Weibchen dafür genau beobachten. Zu wissen, dass das Weibchen heute dreimal innerhalb von fünf Kopulationen nach hinten gegriffen, während sie gestern bei acht Kopulationen nur zweimal nach hinten gegriffen hat, das ist also gar nicht so einfach. Deswegen bin ich der Meinung, nutzen die Männchen wahrscheinlich eine Kombination von Hinweisen auf die fertile Phase."

Antje Engelhardt vom Primatenzentrum in Göttingen hat über zwei Jahre die Javaneraffen im Dschungel von Indonesien beobachtet. Anhand von Hormonmessungen an Kotproben konnte sie erkenne, welche Weibchen gerade empfängnisbereit waren. Auffällig war auch das Verhalten der Männchen, während dieses Zeitraums. Engelhardt:

"Also es gibt bestimmte Weibchen, die von hochrangigen Männchen während der fertilen Phase monopolisiert werden. Das heißt das dominante Männchen folgt dem Weibchen von morgens bis abends und bleibt mit ihm auf dem Schlafbaum zusammen. Morgens wenn die von ihrem Schlafbaum herunterkommt, ist das Männchen an dem Weibchen dran, in einem Abstand von maximal fünf Metern bleibt dieses Männchen bei dem Weibchen. Und ich muss sagen, ich habe das sehr bewundert, diese Konzentrationsfähigkeit von diesen Männchen, über eine Lichtperiode von 12 Stunden, wo das Weibchen aktiv ist und weglaufen könnte von diesem Männchen, immer an diesem Weibchen dranzubleiben."

Erstaunlicherweise gab es auch Weibchen, die während ihrer fertilen Phase keinen Aufpasser hatten. Eigentlich eine gute Gelegenheit für rangniedrige Männchen, eigenen Nachwuchs zu zeugen. Engelhardt:

"Wir haben dann aber festgestellt, dass auch die niederrangigen Männchen gar nicht soviel Interesse hatten, diese Weibchen durch die fertile Phase hindurch zu monopolisieren. Die sind denen dann auch gefolgt für eine Weile, aber auch nicht so konsequent, wie das die hochrangigen Männchen mit den Weibchen gemacht haben. So dass sich schließlich als Folge daraus die Weibchen während der fertilen Phase mit vielen Männchen verpaart haben. Und trotzdem haben wir später festgestellt, dass nur hochrangige Männchen, nur Alpha- und Beta-Männchen, die Kinder gezeugt haben."

Egal mit wie vielen Männchen, sich diese Weibchen verpaart hatten, immer waren die dominanten Tiere, die Väter ihrer Kinder. Wenn das sichtbare Verhalten keine Erklärung für diesen Umstand liefert, dann muss der Wettbewerb um die Vaterschaft im Körper dieser Weibchen ausgetragen werden. Engelhardt:

"Es gibt eine Theorie, die sich Spermienkonkurrenz nennt, die besagt, dass wenn mehrere Männchen mit einem Weibchen kopulieren, zu einer Zeit in der das Weibchen auch konzipieren kann, dass die Spermien dieser verschiedenen Männchen miteinander konkurrieren. Es könnte also sein, dass möglicherweise hochrangige Männchen einen Vorteil haben in dieser Spermienkonkurrenz. Das sie also mehr Spermien produzieren, bessere Spermien produzieren, schnellere Spermien produzieren, wir wissen es nicht genau. Die Untersuchung von Spermienkonkurrenz bei Primaten stecken noch in den Kinderschuhen."

Leider gibt es im Moment noch keine Methode, Spermienkonkurrenz an freilebenden Affen zu untersuchen. Wie die ranghohen Javaneraffen es schaffen, sich bei der Vaterschaft immer durchzusetzen - dieses Geheimnis wird der Dschungel Indonesiens so schnell also noch nicht preisgeben.

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