Donnerstag, 02.04.2020
 

Aus dem Literarischen Colloquium | LesungStudio LCB

Literarisches Colloquium Berlin, Am Sandwerder 5, 14109 Berlin12.05.2015 20:00 Uhr, Berlin
literarisches colloquium

Lesung: Leif Randt

Gesprächspartner: Michael Schmitt und Jochen Börich

Moderation: Hubert Winkels

Mit zwei außergewöhnlichen Romanen, die Lebestilfragen als letzte Sinnfragen inszenieren, ist der heute in Berlin lebende Autor Leif Randt bekannt geworden: "Lichtspielhaus" und "Schimmernder Dunst über Coby County" heißen sie. Schnell erkannte man darin eine neue Stimme für die Generation der heute um die 30-jährigen wohlstandsverwöhnten westlichen Hedonisten und mehr als das: Sinnbilder für einen quietistischen Zustand der Gesellschaft überhaupt.

Nun also hat Leif Randt einen Sciencefiction Roman vorgelegt, so scheint es: In den unendlichen Weiten des Weltraums existiert ein Sonnensystem, in dem endzeitlicher Frieden herrscht. Seine sechs Planeten und zwei Monde werden von einer weisen Computervernunft regiert, die auf Grundlage von perfekter Statistik und totalem Wohlstand die fairsten Entscheidungen trifft. Zwischen Metropolenplanet Blossom und Müllplanet Toadstool ist längst die neue Zeit angebrochen, eine postdemokratische Ära des Friedens und der Selbstkontrolle. Menschen haben sich zu Kollektiven zusammengeschlossen, zu ästhetischen Gemeinschaften, die um die besten Lebensstile konkurrieren. Marten Eliot und Emma Glendale, die beiden jungen Spitzenfellows des Dolfin-Kollektivs, verlassen ihren heimischen Campus und reisen von Planet zu Planet, um neue Mitglieder anzuwerben. Doch das Sonnensystem wird erschüttert, als das aggressive Kollektiv der gebrochenen Herzen von sich reden macht, von dem man annimmt, es bestehe aus emotionalen Verlierern. Minzefarbene Giftwolken steigen von Marktplätzen und Sommercamps auf, tatsächliche Gewalt droht in die Planetengemeinschaft zurückzukehren. Auf ihren Reisen rücken Marten und Emma die gebrochenen Herzen gefährlich nahe. Können die beiden den Umsturz verhindern?

In "Planet Magnon" umgeht Leif Randt trotz des nahezu klassischen Plots der Logik der heldengestützten Dystopie, weil er keine wirkliche Abweichung vom Totalitarismus der sanften Überwachung und Steuerung zulässt. So weit entfernt, zeitlich und räumlich, "Planet Mignon" auch wirken mag, so läßt er sich doch umstandslos auf die globale Big Data-Bedrohungssituation beziehen und als deren sozialpsychologische Vertiefung lesen.

Leif Randt, geboren 1983 in Frankfurt am Main, gehört zu den stilbildenden Autoren der jüngeren Generation. Seine Prosa wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Nicolas-Born-Debütpreis (2010), beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb mit dem Ernst-Willner-Preis (2011), mit dem Düsseldorfer Literaturpreis (2012) sowie mit einem Stipendium der Villa Aurora in Los Angeles (2013).

Leif Randt wird aus "Planet Mignon" lesen. Mit ihm diskutieren weren der Literaturredakteur von 3sat Michael Schmitt und der Literaturwissenschaftler Jochen Börich.

 

Sendung im Deutschlandfunk:
Studio LCB • 30. Mai 2015 • 20:05 Uhr

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