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StartseiteKalenderblattAus einem kommunistischen Block wurde nichts14.02.2005

Aus einem kommunistischen Block wurde nichts

Vor 55 Jahren schlossen China und die UdSSR einen Freundschaftspakt

Es klang fast nach einer Vermählung, als der chinesische Außenminister Tschu En-Lai am 14. Februar 1950 in Moskau das Wort ergriff:

Von Georg Gruber

Mao Zedong, erster Staatspräsident Chinas, Aufnahme von 1949 (AP Archiv)
Mao Zedong, erster Staatspräsident Chinas, Aufnahme von 1949 (AP Archiv)

Der Zusammenschluss der Völker Chinas und der Sowjetunion, die etwa 700 Millionen Menschen zählen, stellt eine unbesiegbare Kraft dar.

Soeben hatten der Außenminister und sein sowjetischer Kollege einen Freundschafts-, Bündnis- und Beistandsvertrag unterzeichnet. Laufzeit: 30 Jahre.

Es lebe die ewige Freundschaft und ewige Zusammenarbeit zwischen China und der Sowjetunion.

1949 hatten in China die Kommunisten unter der Führung Mao Zedongs den Bürgerkrieg für sich entschieden, China wurde Volksrepublik.

Von der Sowjetunion lernen

Der Nachbar wurde zum Vorbild bei der Umgestaltung der chinesischen Gesellschaft. Unter der Zarenherrschaft hatte sich Russland noch im Reich der Mitte ähnlich schadlos gehalten, wie die anderen europäischen Mächte Großbritannien, Frankreich und Deutschland, mit Sonderrechten wie zum Beispiel Flottenstützpunkten.

Deshalb wurden am 14. Februar 1950 noch weitere Verträge unterzeichnet, über die Rückgabe der Südmandschurischen Eisenbahn, Port Arthurs und Dalians – und über einen Kredit von 300 Millionen Dollar. Aus westlicher Perspektive schien sich ein mächtiger kommunistischer Block unter sowjetischer Führung zu formieren.

(Der Freundschaftsvertrag) ist ein neuer Schlag gegen die toll gewordenen imperialistischen Kriegstreiber.

So kommentierte die DDR-Zeitung Neues Deutschland.

Doch schon im Laufe der 50er Jahre zeigte sich, dass die Freundschaft zwischen den sozialistischen Bruderstaaten nicht so eng war, wie beschworen. Peking, das sich mehr Unterstützung erwartet hatte, im atomaren Bereich und bei Grenzstreitigkeiten, wurde selbstbewusster, wollte den Führungsanspruch Moskaus im kommunistischen Lager nicht mehr anerkennen und entwickelte sich sogar zum ideologischen Konkurrenten.

Mit einem wütenden Feind wie dem amerikanischen Imperialismus muss der Kampf Auge um Auge und Zahn um Zahn geführt werden.

Das schrieb die Pekinger Volkszeitung fünf Jahre später.

Für alle Welt offensichtlich wurden die Differenzen im August 1960, als die sowjetischen Experten aus China abgezogen wurden, 5000 Wissenschaftler und Ingenieure, die bei technischen Großprojekten helfen sollten. Es kam zum Bruch:

Seit drei Tagen wird das Gebäude der sowjetischen Botschaft in Peking von tausenden sogenannter Rotgardlern belagert,

Ein Bericht des DDR-Rundfunkes im Oktober 1966, während der chinesischen Kulturrevolution.

Die aufgeputschten Jugendlichen verleumden in pausenlosen Sprechchören die sowjetische Politik, blockieren den Eingang der Botschaft und haben die Fahrbahn und die gegenüberliegenden Wände über und über mit anti-sowjetischen Losungen voll geklebt und beschmiert. Die chinesische Polizei sieht diesem spukhaften Treiben tatenlos zu.

Nieder mit dem sowjetischen Sozialimperialismus! Nieder mit den neuen Zaren

Ende der 60er Jahre stehen sich die ehemaligen Freunde als Feinde gegenüber, es gibt bewaffnete Auseinandersetzungen am Grenzfluss Ussuri. Radio Peking:

Das chinesische Volk und die Volksbefreiungsarmee bringen äußerst gewaltige Empörung über dieses himmelschreiende Verbrechen der sowjetimperialistischen Renegatenclique zum Ausdruck.

Die Sowjetregierung wertet die neue Provokation als vorsätzlichen Akt zur Schaffung einer Atmosphäre der Entfremdung zwischen den Völkern der Volksrepublik China und der UdSSR,

hieß es im DDR-Rundfunk.

Die Entfremdung hielt lange an. China näherte sich in den 70er Jahren stärker den USA, suchte dann eine unabhängige Position zwischen den Supermächten.

Mit Gorbatschows Besuch in Peking im Mai 1989 endete eine 30jährige Eiszeit. Mitte der 90er Jahre vereinbarten China und Russland eine "strategische Partnerschaft", bis hin zur Zusammenarbeit im militärischen Bereich.

Doch beide wetteifern um Märkte und Investitionen aus dem Westen - und Moskau missfällt die wachsende Zahl chinesischer Einwanderer im fernen Osten. Unter der Oberfläche bleibt Misstrauen und Rivalität, daran ändert auch der im Juli 2001 abgeschlossene neue russisch-chinesische Freundschaftsvertrag wenig.

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