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StartseiteCampus & KarriereWer vom Meister-BAföG profitiert22.10.2015

Ausbildungs-FörderungWer vom Meister-BAföG profitiert

Vergangene Woche hatte die Bundesregierung beschlossen, das Meister-BAföG zu erhöhen und auch für Bachelor-Absolventen und Studienabbrecher zu erweitern. Die waren bisher von der Förderung ausgeschlossen. Im Handwerk freut man sich über diese Entscheidung.

Von Dirk Biernoth

Formular für den Antrag auf Ausbildungsförderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) (dpa/picture alliance/Jan-Peter Kasper)
Auch Studienabbrecher können das Meister-BAföG in Anspruch nehmen. (dpa/picture alliance/Jan-Peter Kasper)
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Meister-BAföG Gleichstellung zum Studenten-BAföG

Mit einer Knochensäge zerteilt Fleischer-Lehrling Alexander Bohn eine Schweinerippe. Auch solche Arbeiten gehören in seinem Job dazu. Was ihm aber keiner ansieht: Vor ein paar Jahren war er noch Student im Fach Archäologie. Das Studium hat er abgebrochen. Viele Parallelen zum neuen Job gebe es nicht, sagt der Auszubildende, eigentlich nur eine einzige.

"Da sind überall Knochen dabei. Aber ich hatte mir unter Archäologie etwas komplett anderes vorgestellt. So eine Indiana-Jones-Romantik war da. Das ist aber nicht der Fall. Ich esse gerne Fleisch und dann kann man es auch herstellen."

In ein paar Monaten hat Alexander Bohn seine Ausbildung abgeschlossen. Danach könnte er seinen Meister machen. Doch die Meisterschule kostet viel Geld, das die Ausbildungsbetriebe üblicherweise nicht zahlen. Und so kommt die Erweiterung des Meister-BAföGs für Studienabbrecher - wie Alexander Bohn - gerade recht.

"Der Meister dauert ja meistens länger und neben der Arbeit das zu machen, ist vielleicht nicht gerade immer ratsam - je nach dem, wie man da beansprucht wird. Und dann ist das eine gute Sache finde ich, wenn man sich nur auf diese Ausbildung konzentrieren kann zum Meister."

Unterschiede zwischen akademischen und "normalen" Lehrlingen

Auch sein Azubi-Kollege in der Fleischerei, Michael Theil, kann von der neuen Regelung profitieren. Denn er hat sogar schon ein Studium abgeschlossen und ist Biologe. Das Meister-BAföG kennt übrigens keine Altersgrenze. Auch das kommt Lehrlingen entgegen, die aufgrund eines Studiums schon ein bisschen älter sind:

"Leute, die was lernen wollen, sollten gefördert werden, also unabhängig vom Alter. Weil es gibt auch findige 30-Jährige, die einen Meister machen wollen oder 40-Jährige und dementsprechend andere, ich nenne es jetzt mal Klötze am Bein, Familie, Kinder, sonstige finanzielle Verbindlichkeiten, die so einen Schritt dann natürlich schwierig bis unmöglich machen. Deswegen: Qualifizierte Leute sollten in der Lage sein und auch dementsprechend gefördert werden, damit sie den Meister machen können."

Die beiden angehenden Fleischer lernen im Düsseldorfer Betrieb von Peter Inhoven. Der Fleischermeister hat schon jetzt rund zehn Prozent Akademiker als Lehrlinge. Die Erweiterung des Meister-BAföGs für Bachelorabsolventen und Studienabbrecher könnte diese Quote erhöhen. Auch wenn Peter Inhoven jeder Auszubildende recht ist, stellt er schon Unterschiede zwischen akademischen Lehrlingen und normalen Lehrlingen fest:

"Der praktische Ausgebildete, der keinen akademischen Abschluss hat, der ist pfiffiger und ein bisschen schneller und direkter. Und der Theoretische, der hat eben mehr einen Zugang zum tiefen Detailwissen, was man dem anderen halt mehr vermitteln muss und länger vermitteln muss. Beide haben aber unwahrscheinlich schöne Seiten und Vorteile und ich nehme sowieso immer die Auszubildenden, wie sie sind, und hole sie auch an der Stelle ab, wo sie stehen."

Viele Meisterschulen nehmen Akademiker auf

Mit einem Hochschulabschluss konnte man bisher kein Meister-BAföG bekommen, weil man mit einem gleichwertigen oder höhenwertigen Abschluss von der Förderung ausgeschlossen war. Bei der Handwerkskammer ist man jetzt froh über die Entscheidung des Bundeskabinetts, das Meister-BAföG um 71 Euro im Monat zu anzuheben. Und auch die Erweiterung für Bachelorabsolventen und Studienabbrecher komme der Lebenswirklichkeit entgegen, sagt Handwerkskammerpräsident Hans-Peter Wollseifer. Denn viele Meisterschulen haben ihre Zugangsvoraussetzungen angepasst und nehmen Akademiker - je nach Studienrichtung, die natürlich zum Meisterfach passen sollte - auch ohne vorherige Lehre oder mit verkürzter Lehre auf.

"Wir vergeben sogenannte Creditpoints, für das, was sie bisher im Studium schon erlernt haben und rechnen das auf die Ausbildung an. Und das kann schon sehr weitgehend sein. Die können dann teilweise sehr schnell in die Meistervorbereitung gehen. Und vor allem ist ja so, dass wir Unternehmernachwuchs fördern wollen und auch benötigen, um die Versorgung der Bevölkerung sicher zu stellen, insbesondere auch in ländlichen Bereichen."

Denn durch den Bevölkerungsrückgang in Deutschland konnten in diesem Jahr schon rund 27.000 Ausbildungsplätze nicht mehr besetzt werden - Tendenz steigend. Fachleute werden im Handwerk händeringend gesucht. Die Erweiterung des Meister-BAföGs für Akademiker könnte dabei helfen, die Situation wenigstens etwas zu entspannen.

 

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