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StartseiteKommentare und Themen der WocheSöder als Vorreiter20.03.2020

Ausgangsbeschränkungen Söder als Vorreiter

Nach Bayern haben auch andere Bundesländer die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Ministerpräsident Markus Söder ist in der Corona-Krise schon mehrmals mit Maßnahmen nach vorn geprescht. Es sind richtige Entscheidungen, findet Bayern-Korrespondent Michael Watzke.

Von Michael Watzke

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Landtag in München (dpa/Sven Hoppe)
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Landtag in München (dpa/Sven Hoppe)

In Krisenzeiten wie diesen braucht es Politikerinnen und Politiker mit Mut, Herz, Verstand und Überzeugungskraft. Kurz, es braucht Menschen wie Markus Söder. Der bayerische Ministerpräsident tut gerade das, was Millionen Bürger in ganz Deutschland von ihren Führungskräften erwarten: Führung zeigen, statt zu zaudern. Andere mitziehen, statt alle auszubremsen. Das Wort "führen" hat in der deutschen Politik ja zu recht einen ambivalenten Klang. Aber in Corona-Zeiten braucht es an allen Ecken der Gesellschaft Menschen, die Initiative übernehmen und den Spielraum nutzen, den eine Demokratie ihnen nicht nur bietet – sondern dessen Nutzung sie von ihren gewählten Volksvertretern explizit fordert. Es gibt diesen einprägsamen Satz aus Management-Seminaren: "Führe oder folge – aber steh’ bitte nicht im Weg rum." Markus Söder steht nicht im Weg rum. Stattdessen geht er voran und trifft weitreichende Entscheidungen wie die Ausgangsbeschränkungen in Bayern, bevor andere sich dazu durchringen.

Corona betrifft alle

Es sind notwendige und richtige Entscheidungen. Jeder Tag des Zögerns – darüber sind sich fast alle Wissenschaftler und Seuchen-Experten einig – wird Menschenleben kosten. Und zwar nicht nur die von älteren und geschwächten Mitbürgern (für deren Gesundheit und Wohlergehen wir alle Verantwortung tragen), sondern auch von jungen Menschen. Denn das Corona-Virus – das zeigen die Erfahrungen aus China und Italien – macht auch vor manch’ vermeintlich starkem Individuum nicht halt. Und wenn unser Gesundheitssystem überlastet ist, bleibt auch kein Platz und Personal für Kranke und Verletzte, die nicht an Corona leiden, sondern an Krebs, Herzschwäche oder einem Blinddarm-Durchbruch.  

Markus Söder hat das erkannt und verinnerlicht – schneller als die meisten anderen Politiker in Deutschland. Und er setzt diese Erkenntnis nicht in Aktionismus, sondern in durchdachte Aktionen und Maßnahmen um. Dabei hilft ihm eine legendär leistungsfähige bayerische Verwaltung und Beamtenschaft. Söder ist, um es im Polizeijargon zu sagen – jederzeit vor der Lage, nicht dahinter.

Selbsvertrauen statt Zaudern

Er kann sich sein forsches Vorangehen auch deshalb leisten, weil sein Selbstvertrauen in sich und seine Fähigkeiten geradezu grenzenlos ist. Ein Zauderer war Söder noch nie. Er glaubt an seine eigene Überzeugungskraft – bisher zu Recht, wenn man sieht, wie der Freistaat Bayern mit seinen 13 Millionen Bürgern mitzieht und persönliche Unfreiheit erträgt – aus Solidarität. 

Aber die größten Herausforderungen kommen noch. Etwa, wenn die "Zeit nach Corona", von der Söder heute in seiner Erklärung sprach, länger auf sich warten lässt als gedacht. Und wenn Söder die Versprechen halten muss, die er gerade macht. Keinem Bayern wird es nach Corona schlechter gehen als vorher, hat Söder verkündet. Das ist selbst für ein reiches Land wie den Freistaat ein mutiger Satz. Die Bayern werden Söder daran messen. Nach Corona. 

Michael Watzke  (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Michael Watzke, geboren 1973 in Remscheid, absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Er studierte Politik und Soziologie in München und Washington DC. Nach Stationen bei SZ und BILD arbeitete er als Chefreporter für Antenne Bayern. 2003 gewann er den Axel-Springer-Preis. Danach Ausbildung an der Drehbuch-Werkstatt der HFF München. Als Autor des TV-Dramas "Das letzte Stück Himmel" (Regie: Jo Baier) erhielt er den Robert-Geisendörfer-Preis und war für den Deutschen Fernsehpreis nominiert. Arbeit als Regisseur und Produzent. Seit 2010 berichtet er für Deutschlandradio als Bayern-Korrespondent aus München.

 

 

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