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Startseite@mediasresKrise im Sudan – und keiner schaut hin?12.06.2019

AuslandsberichterstattungKrise im Sudan – und keiner schaut hin?

Trotz der massiven Gewaltausschreitungen durch den Militärrat und der Niederschlagung der Demokratiebewegung im Sudan, wird über das Land derzeit kaum berichtet. Das habe vor allem an der innenpolitischen Themenkonkurrenz gelegen, sagt Korrespondent Carsten Kühntopp im Dlf.

Carsten Kühntopp im Gespräch mit Sebastian Wellendorf

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Das sudanesische Militär in der nähe des Armeehauptquartiers in Khartum. (AFP / ASHRAF SHAZLY )
Das sudanesische Militär in der nähe des Armeehauptquartiers in Khartum. (AFP / ASHRAF SHAZLY )
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Über den Sudan werde derzeit zu wenig berichtet, meint Korrespondent Carsten Kühntopp. Das gleiche gelte derzeit auch für andere Länder in seinem Berichtsgebiet, das insgesamt 15 Länder umfasst.  "Die Schwergewichte, auf die wir meiner Meinung nach auch nicht genügend schauen, sind Syrien, Libyen, Jemen und der Irak", so Kühntopp.

Militärschlag fiel mit Rücktritt von Andrea Nahles zusammen

Die Entscheidung des Militärrats die Demokratiebewegung im Sudan blutig niederzuschlagen, sei bereits am Montag vor einer Woche gefallen, "also einen Tag nach dem SPD-Politikerin Andrea Nahles angekündigt hatte, dass sie aus der Politik aussteigen wird", erklärt Kühntopp.

Bei derart starken innenpolitischen Ereignissen rücke die Auslandsberichterstattung in den Hintergrund. "Obwohl wir natürlich gesehen haben, was da alles passiert ist. Wir haben brav Berichte abgesetzt, die aber offenbar nicht so gesendet wurden." Das sei immer auch eine Frage der Nachrichtenkonkurrenz, so der Korrespondent. Zudem spiele auch die räumliche Nähe zu einem Konflikt eine Rolle.

Kein Internet, keine Berichterstattung

Der Militärrat habe außerdem vor Tagen das Internet weitgehend abgeschaltet. "Unter Umständen führt das dann dazu, dass man zwar im Land ist, aber man kann gar nicht berichten. Mann kann seine Storys nicht rausbringen, nicht nach Deutschland überspielen." Dazu bräuchten Journalisten eine Internetverbindung, so Kühntopp.

Via Internet und über soziale Netzwerke waren während des arabischen Frühlings, etwa in Syrien, immer wieder Videos und Berichte von Menschen aus der Bevölkerung hochgeladen worden. Auch aus diesen Quellen waren immer wieder neue Informationen ans Tageslicht gedrungen. Solche Videos gebe es auch aus dem Sudan noch vereinzelt, meint Kühntopp.

Informationen aus sozialen Medien kritisch hinterfragen

"Es ist zum Teil offensichtlich schon noch möglich. Womöglich ist das Internet nicht komplett und immer gesperrt", erklärt der Korrespondent. Als Journalist würde er diese Quellen aber immer kritisch hinterfragen.

"Für mich sind internationale Nachrichtenagenturen, die Leute an Ort und Stelle haben, schlicht eine wichtige Quelle. Und für mich ist wichtig zu hören, was die Vereinten Nationen sagen, die ja auch im Lande selbst sind und die auch nicht Partei sind."

Der Militärrat hatte vor einiger Zeit auch den lokalen Nachrichtensender von Al Jazeera aus der sudanesischen Hauptstadt Khartum geworfen.

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