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StartseiteVerbrauchertippAlte Solaranlagen mit Eigenverbrauch weiterbetreiben13.12.2019

Auslaufende EEG-FörderungAlte Solaranlagen mit Eigenverbrauch weiterbetreiben

Im Jahr 2000 erhielten die ersten Solaranlagen eine Förderung nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG). Viele Hausbesitzer und Landwirte investierten daraufhin in entsprechende Solaranlagen. 2020 laufen nun die ersten Förderungen aus. Ein Anlagen-Rückbau ist jedoch nicht zwingend notwendig.

Von Susanne Lettenbauer

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Gerade fertig gestellte Einfamilienhäuser in einem Neubaugebiet am Ortsrand von Germaringen im Ostallgäu am 20.10.2005 (dpa / picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
Eine Umstellung auf Eigenversorgung muss an den Netzbetreiber gemeldet werden (dpa / picture alliance / Karl-Josef Hildenbrand)
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"Also wir haben ungefähr zehn Anlagen in der Größenordnung von 7 Kilowatt bis 50-60 Kilowatt. insgesamt werden das so 250 Kilowatt sein und ich würde heulen müssen, wenn wir diese Anlagen aus Gründen der Wirtschaftlichkeit rückbauen müssten." 

Landwirt Stefan Pellmeyer baute im Jahr 2000 seine erste 40 Kilowatt-Anlage aufs Dach. Bislang erhielt er rund 57 Cent pro Kilowatt Solarstrom, den er komplett in das öffentliche Stromnetz einspeiste. Ab 2020 bekäme er nur noch den börsenüblichen Preis von drei bis vier Cent. Reparaturen, Modulwechsel - würde sich alles nicht mehr lohnen, denkt er.

Doch, meint Michael Vogtmann von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie DGS. Mit Eigenverbrauch. Dafür müsste die Anlage erst einmal einem gründlichen Technik- und Sicherheitsservice-Check unterzogen werden. Rund 500 Euro würde ein anerkannter Gutachter oder Solateur kosten:

"Wenn daraufhin festgestellt wird, dass die Anlage noch gut und sicher zehn Jahre betriebsfähig wäre, dann ist so gut wie in allen Fällen die Umstellung der Anlage von Volleinspeisung auf Eigenversorgung mit Überschusseinspeisung das sinnvollste." 

Nach 20 Jahren ist mit einem relativ geringen Leistungsabfall von fünf bis zehn Prozent der Module zu rechnen, heißt es von der DGS. Bis zu 70 Prozent des eigenen Strombedarfs könnte so bereits heute über die eigene PV-Hausanlage gedeckt werden. Negativ dabei: Bei Eigenstromnutzung sind 40 % der vollen EEG-Umlage pro Kilowattstunde zu entrichten, betont die Bundesnetzagentur.

Umstellung auf Eigenversorgung an den Netzbetreiber melden

Außerdem muss die Umstellung auf Eigenversorgung an den Netzbetreiber gemeldet und im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur eingetragen werden. Ein Weiterbetrieb einer EEG-Anlage nach Förderende ohne Vermarktung des Stroms, ist eine wilde Einspeisung, die vom Netzbetreiber sanktioniert werden kann bis hin zur Stilllegung des Hausanschlusses.

"Aktuell wäre es so, dass die Altanlagen zwar weiterhin den Netzanschlussvorrang haben, aber dass sie nicht mehr ohne Vergütung einfach so wild einspeisen dürfen. Das heißt: Die Anlage müsste abgeregelt oder abgebaut werden oder der Anlagenbetreiber müsste sich einen Direktvermarkter suchen, der dann diese kleinen Mengen aus den Kleinanlagen aufnimmt und der Direktvermarkter kostet im Schnitt 500 Euro im Jahr und damit wäre die Wirtschaftlichkeit des Weiterbetriebs natürlich vollkommen daneben."

Die Kosten für Stromspeicher sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. Bis 2025 könnte der Preis eines Gerätes laut einer Studie von Nature Energy bei etwa 578 Euro pro Kilowatt Speicherleistung liegen. Für Strom, der zwischendurch im Batteriespeicher war, ist in diesem Falle auch die EEG-Umlage zu zahlen. Einige Bundesländer bieten eine Förderung für Stromspeichergeräte an. Dazu gehören Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen.

Rechtzeitig informieren

Aufgrund der Komplexität des Themas empfiehlt Solarexperte Vogtmann jedem Betreiber einer älteren PV-Anlage, sich gründlich rechtzeitig vor Auslaufen des Fördervertrages zu informieren.

Die Landesverbände der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie bieten ab Dezember eine kostenlose Beratung an. 

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