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StartseiteVerbrauchertippAlte Photovoltaikanlagen weiter zu betreiben kann sich lohnen25.02.2021

Auslaufende ÖkostromförderungAlte Photovoltaikanlagen weiter zu betreiben kann sich lohnen

Im Jahr 2000 trat das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) in Kraft, das unter anderem das Betreiben von Photovoltaikanlagen für 20 volle Kalenderjahre fördert. Die Förderung für die ersten Photovoltaikanlagen läuft damit gerade aus. Ein Weiterbetrieb der Anlagen kann sich aber dennoch lohnen.

Von Bernd Debus

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Eine Photovoltaikanlage auf einem Eigenheim (Luftaufnahme mit einer Drohne) (dpa / Patrick Pleul)
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Franz-Josef Hauhoff aus Sundern im Sauerland hat bereits 1998 eigenhändig die ersten Fotovoltaikzellen auf dem Dach seines Hauses montiert. Anfangs war das eher eine Liebhaberei. Denn die Zellen waren teuer und die Einnahmen sehr überschaubar: "Tatsächlich habe ich 1998 15,6 Pfennig für jeden Kilowatt bekommen, den ich eingespeist habe."

Förderung der ersten Photovoltaik läuft aus

Das änderte sich erst, als im Jahr 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft trat. Statt in Euro umgerechnet, acht Cent gab es jetzt mindestens 50,6 Cent für jede eingespeiste Kilowattstunde. Das galt sowohl für neue als auch für die bereits bestehenden Photovoltaikanlagen. Allerdings ist diese Förderung immer auf 20 volle Kalenderjahre begrenzt: "Von meinem jetzigen Anbieter habe ich Post bekommen, dass ich rausfalle. Entweder ich kann einfach weiter einspeisen für einen ganz minimalen Betrag oder ich könnte auf Selbstverbrauch gehen." 

Einfach weiter einspeisen: Der erste Entwurf einer EEG-Novelle aus dem Jahr 2020 sah vor, dass die Anlagenbetreiber dafür auf eigene Kosten hunderte Euro teure, neue Strommesstechnik hätten montieren müssen. Diese Regelung ist nach jetzigem Stand erstmal vom Tisch.

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Die Vergütung für den Solarstrom orientiert sich nun allerdings am durchschnittlichen Jahresmarktpreis. Das sind momentan etwa drei Cent pro Kilowattstunde. Abzüglich 0,4 Cent als Gebühr für die Vermarktung des Stroms. Thomas Seltmann, Referent für Photovoltaik bei der Verbraucherzentrale NRW: "Das Naheliegende ist natürlich, dass dann gesagt wird, okay, dann schalten wir jetzt von der Volleinspeisung auf Eigenversorgung um."

Geld sparen mit alten Anlagen

Eigenversorgung: die Kilowattstunde Strom kostet derzeit beim Stromversorger durchschnittlich etwa 30 Cent. Den selbst erzeugten Strom aus über 20 Jahre alten, und somit meistens wohl bereits abgeschriebenen Solarzellen, gibt es – fast – umsonst. Der Preisvorteil gegenüber dem Verkauf des Solarstroms: circa 27 Cent. Bei einem Verbrauch von beispielsweise 2.000 Kilowattstunden aus der eigenen Photovoltaikanlage sind das immerhin 540 Euro im Jahr:

"Dazu muss man ein paar elektrotechnische Handgriffe anlegen, dass der Strom jetzt eben nicht vollständig ins Netz fließt, sondern dass der zunächst in mein Haus fließt, verbraucht werden kann und dass nur der Überschuss gegebenenfalls ins Netz geht. Je nachdem wie aufwendig diese Umrüstung ist, kann das, ich sage mal von 200 Euro bis 2.000 Euro kosten."

Sonnenuntergang hinter aufziehenden Gewitterwolken über der Landschaft mit Windenergieanlagen im Landkreis Oder-Spree in Ostbrandenburg (dpa-Zentralbild / Patrick Pleul)Sonnenuntergang hinter aufziehenden Gewitterwolken über der Landschaft mit Windenergieanlagen im Landkreis Oder-Spree in Ostbrandenburg (dpa-Zentralbild / Patrick Pleul)

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So kann auch eine alte Photovoltaikanlage langfristig weiter schwarze Zahlen schreiben, denn offensichtlich sind die Zellen haltbarer als gedacht. Thomas Seltmann: "Meine eigene Photovoltaikanlage, die jetzt seit 27 Jahren auf dem Dach ist, hat immer noch fast exakt die gleiche Leistung wie damals. Also die Solarmodule sind immer noch funktionstüchtig und die werden noch viele Jahre Strom produzieren."

    (Sean Gallup / Getty Images) (Sean Gallup / Getty Images)

Verschrotten muss nicht sein

Und genau deshalb kam eine dritte Lösung für Franz-Josef Hauhoff auch nie in Frage: Seine alte Photovoltaikanlage zu verschrotten, um sie durch neue Solarzellen mit einer neuen, 20-jährigen Förderung zu ersetzen: "Man kann doch Dinge, die ja auch einen hohen Energieverbrauch bei der Produktion hatten, die können ja jetzt nicht runter genommen werden und verschrottet werden. Das ist also absolut nicht das, was ich für richtig ansehe."

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