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StartseiteForschung aktuellDer Unterschied. Was den Menschen zum Menschen macht 10.10.2014

Auslese kompaktDer Unterschied. Was den Menschen zum Menschen macht

Buchtipp. - In Frankfurt stellen zurzeit Tausende Autoren ihre neuen Bücher vor. Es gibt aber nur einen, den die Frage umtreibt, warum dort auf der Buchmesse Menschen und nicht etwa Schimpansen oder Gorillas versammelt sind. Der Vergleich des Menschen mit seinen Verwandten ist das Forschungsthema des Entwicklungspsychologen Thomas Suddendorf.

Rezensent: Michael Lange

Weiterführende Information

Am kommenden Sonntag, 12. Oktober, 16:30 Uhr, stellt das Sachbuchtrio des Deutschlandfunks in Auslese: Vom Nutzen der Nachtruhe weitere interessante Neuerscheinungen von der Frankfurter Buchmesse vor.

Umschlagfoto des Buches von Thomas Suddendorf: Der Unterschied. Zu sehen sind eine Menschen- und eine Gorillahand vor den Skeletten der jeweiligen Art. (Berlin Verlag)Thomas Suddendorf: Der Unterschied. Was den Mensch zum Menschen macht (Berlin Verlag)Wir Menschen sind doch toll. Wir denken, wir gebrauchen Werkzeuge und wir haben Kultur, die wir weiter geben können. Aber einzigartig sind wir deshalb nicht. Viele Tiere können das auch. Der Evolutionspsychologe Thomas Suddendorf wollte deshalb wissen

Was den Mensch zum Menschen macht.

Und hat ein Buch geschrieben mit dem Titel:

Der Unterschied.

Dabei geht es genau genommen nicht um den Unterschied zwischen Tieren und Menschen. Denn für Evolutionsbiologen steht längst fest: Der Mensch ist ein Tier.

Du bist ein Wirbeltier. Dein Skelett folgt demselben Bauplan wie das eines Krokodils.

Natürlich ist der Mensch kein Krokodil, aber gehört zu den Wirbeltieren. Er ist ein Säugetier und ein Primat.

Aber bevor ich dich einen Affen nenne, sollte ich wohl besser erstmal auf Distanz gehen.

Der Entwicklungspsychologe Thomas Suddendorf stammt aus Deutschland und kam über Neuseeland nach Australien, wo er heute forscht und lehrt. Sein Buch "Der Unterschied" erschien zunächst auf Englisch. Die deutsche Übersetzung stellte er jetzt auf der Buchmesse in Frankfurt vor.

"Es hat mich immer schon fasziniert, was den Mensch zum Menschen macht, warum wir dieses seltsame Wesen sind und was uns von anderen Tieren unterscheidet. Warum sind es Menschen und nicht andere Affen, die die Zoos verwalten und die Welt verändern?"

Fantasiere und rede darüber!

Kurz gesagt sind es zwei Fähigkeiten, die den Menschen ausmachen.

"Das Entwerfen verschachtelter Szenarien Das bedeutet, uns Situationen vorzustellen, die wir nicht derzeit erfahren, darüber nachzudenken und sie einzubinden in größere Zusammenhänge."

Menschen gehen in ihrer Phantasie auf Zeitreise. Sie verknüpfen die Vergangenheit mit der Zukunft – und sie wollen unbedingt darüber reden. Das ist das zweite Alleinstellungsmerkmal.

"Unser Drang oder unser Bedürfnis unsere Erfahrungen auszutauschen."

Dem dienen im Grunde alle Bücher – und dem Buch von Thomas Suddendorf gelingt die Vermittlung von Erfahrungen in vorbildlicher Weise.

Zielgruppe: Für Primaten, die lesen können – und denen die ihre Verwandtschaft nicht gleichgültig ist. Um es zu verstehen, reicht ein wenig Neugier, wie sie allen Primaten eigen ist.

Erkenntnisgewinn: Wer andere Menschen als Affen bezeichnet, beleidigt niemanden, sondern beweist naturwissenschaftliche Bildung und Sinn für Gemeinsamkeit.

Spaßfaktor: Selten ist Selbstbespiegelung so anregend und unterhaltsam. Lesenswert.

 

Thomas Suddendorf: "Der Unterschied. Was den Mensch zum Menschen macht"
Berlin-Verlag, 464 Seiten, 22,99 Euro.

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