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StartseiteWirtschaft und GesellschaftExporte "Made in Germany" brechen ein09.08.2019

Außenhandel in Zeiten von HandelskonfliktenExporte "Made in Germany" brechen ein

Die Ausfuhren des Exportweltmeisters Deutschland sind im letzten Monat massiv zurückgegangen. Allerdings sind nicht alle Branchen gleichermaßen betroffen. Kann die Wirtschaft trotzdem weiter wachsen? Volkswirte bleiben zuversichtlich.

Von Brigitte Scholtes

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Abgestellte Güterwaggons auf Gleisen bei Dämmerung auf dem Rangierbahnhof Maschen in Niedersachsen (picture alliance/ imageBROKER)
Dämmert Deutschland eine Rezession oder wächst die Wirtschaft auch 2019? Aktuell ist das unklar. (picture alliance/ imageBROKER)
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Der Negativtrend hält an: Im Juni exportierten die deutschen Unternehmen 0,1 Prozent weniger als noch im Mai – gegenüber dem Juni 2018 brachen die Ausfuhren sogar um acht Prozent ein. Für das gesamte erste Halbjahr blieb zwar noch ein Pluszeichen, da legten die Exporte um 0,5 Prozent zu gegenüber dem Vorjahr. Doch die Industrie sieht ihre Hoffnungen schwinden, dass sie im Gesamtjahr besser abschneidet als im vergangenen Rekordjahr: Es wäre ein Erfolg, wenn Deutschland mit einer "schwachen Null" das Jahr beenden würde, hieß es in einer Stellungnahme des Deutschen Industrie- und Handelskammertags.

Nicht alle Branchen schwächeln

Den Titel des Exportweltmeisters wird Deutschland aber wegen der allgemeinen Weltwirtschaftslage wohl nicht abgeben müssen, glaubt David Kohl, Chefvolkswirt Deutschland des Bankhauses Julius Bär:

"Der gesamte Welthandel schwächelt in diesem Jahr. Wir kommen von einem sehr, sehr hohen Niveau, was vielleicht auch die erste Erklärung dafür ist, dass es jetzt ein bisschen langsamer zugeht."

Nicht alle Unternehmen haben Probleme, schwierig ist die Lage vor allem in der Metall- und Elektroindustrie und in der Autoindustrie wegen der Ausfuhren nach China. Auch die Exporte in die USA gaben nach.

In der Pharmabranche aber scheint die Welt noch in Ordnung, so etwa beim Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck. Bei der Vorlage der Halbjahresbilanz sagte dessen Chef Stefan Oschmann gestern: "Wir sind von den aktuellen Handelskonflikten nicht direkt betroffen bisher, das muss man eindeutig feststellen."

"Hohes Abwärtsrisiko"

Nach den schlechten Konjunkturdaten dieser Wochen schauen die Ökonomen nun mit Spannung auf den Mittwoch. Da veröffentlicht das Statistische Bundesamt erste Schätzungen zum Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal. Andreas Rees, Chefvolkswirt Deutschland der italienischen UniCredit, rechnet mit einer leichten Schrumpfung, bleibt aber noch recht zuversichtlich für den Rest des Jahres. Es sei denn, auch die noch florierenden Dienstleistungen und der Verbrauch hätten sich deutlich abgeschwächt:  

"Wir denken immer noch, dass wir ein leichtes Wachstum in der zweiten Jahreshälfte hinkriegen werden. Aber es ist ganz klar, es gibt ein hohes Abwärtsrisiko, und wir haben natürlich auch die politischen Risiken aus den USA, also der Handelsstreit USA-China im Moment, und es könnte durchaus schon immer noch so sein, dass es dann auch vielleicht zu einem Handelsstreit kommt zwischen USA und Europa und der Europäischen Union wegen den Autozöllen."

Was kann der Staat jetzt tun?

Die Lage sei aber noch nicht so bedenklich, dass der Staat nun ein Konjunkturprogramm auflegen müsse, meint Rees. Das würde ohnehin kurzfristig nichts mehr bringen:

"Worüber der Staat aber schon nachdenken sollte, das wäre eben eine Verstetigung der staatlichen Investitionen. Und da muss man natürlich auch drüber reden, wie das dann mit der Schuldenbremse so weitergeht. Hier ist ja nur ein strukturelles Defizit von 0,35 Prozent vom BIP erlaubt. Und vor dem Hintergrund, dass wir jetzt eben über die gesamte Laufzeit hinweg, die Zinskurve, negative Renditen haben, da glaube ich, da muss man drüber nachdenken, ob hier eine Lockerung nicht angebracht wäre."

Denn aktuell rentieren die deutschen Staatsanleihen im Schnitt bei minus 0,6 Prozent. Der Staat verdient also derzeit ganz gut beim Schuldenmachen.

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