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StartseiteInformationen am MorgenFrieden als Generationenaufgabe12.03.2019

Außenminister Maas in AfghanistanFrieden als Generationenaufgabe

Seit Dezember 2001 ist die Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz. In der kommenden Woche wird im Parlament wieder über die Verlängerung der Mission abgestimmt. Im Bundestag wachsen aber die Zweifel, denn die Sicherheitslage ist in weiten Teilen des Landes weiter prekär.

Von Klaus Remme

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Bundesaußenminister Heiko Maas in Masar-i-Sharif, Afghanistan (Imago Images)
Bundesaußenminister Heiko Maas in Masar-i-Sharif, Afghanistan (Imago Images)
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"Komplette Kabinenbeleuchtung aus, bitte keine Leselampen." Auch wenn Heiko Maas den ungeschützten A340-Regierungsflieger nutzt, diese Anweisungen aus dem Cockpit vor der Landung in Dunkelheit im Norden Afghanistans erinnerten dann doch daran, dass der deutsche Außenminister nicht auf irgendeinem Flughafen dieser Welt landete, sondern in Masar-i-Sharif, im größten Feldlager der Bundeswehr. Und der erste Termin nach dem Frühstück führte auch nicht in irgendein Außenministerium, sondern zum Ehrenhain, wo gut 100 deutsche Soldatinnen und Soldaten auf Heiko Maas warten.

("Hab keine Angst, ich bin da für dich. Halte deine Hand, und erinner' mich...")

Militärpfarrer Jörg Plümper hatte diesen Titel von Unheilig für die Kranzniederlegung am Denkmal für die gefallenen Soldaten ausgesucht.

Plümper spricht dann über verantwortliches Handeln und darum geht es im Kern auch in der Debatte über diesen Auslandseinsatz der Bundeswehr, der in der kommenden Woche im Parlament wieder einmal zur Verlängerung ansteht, so wie jedes Jahr seit Dezember 2001. Im Bundestag wachsen die Zweifel am Sinn dieses scheinbar endlosen Engagements. Heiko Maas hingegen sieht eine "historische Chance", wie er an der Seite seines afghanischen Amtskollegen in Kabul sagte. Abgesehen von einem Fernsehteam und einem Agenturkollegen, konnten die mitreisenden Journalisten die Pressekonferenz nur aus der Ferne, aus dem Bundeswehr-Feldlager in Masar-i-Sharif verfolgen.

Jede Nacht sterben zwischen fünf und 30 afghanische Soldaten

Die prekäre Sicherheitslage in weiten Teilen des Landes, darunter auch die Hauptstadt, gehört zu den Schattenseiten der vorläufigen Einsatzbilanz in Afghanistan. Oberst Thomas B. ist Chefausbilder für die afghanischen Streitkräfte, er versucht, das Problem einzuordnen und spricht von einem anderen Wertekorsett der Afghanen. Anders als für die deutschen Truppen sei der Kampfeinsatz für sie nämlich nicht vorbei.

"Jede Nacht sterben hier auf afghanischer Seite zwischen fünf und 30 afghanische Soldaten. Das wird bei denen aber hingenommen und akzeptiert, weil sie der Auffassung sind, dass das dazugehört. Wäre bei uns völlig unakzeptabel, das wird hier anders gesehen, dass muss man einfach zur Kenntnis nehmen."

Der Oberst weiß, wovon er spricht, er war schon vor acht Jahren hier, als die Deutschen noch im Kampfeinsatz waren. Ist es heute weniger gefährlich? Thomas B. erinnert sich gut an den tödlichen Zwischenfall durch einen Binnentäter im Feldposten OP North:

"Wir standen dann an diesem Tag, an diesem berühmten 17.2., kurz nach elf Ortszeit, zwischen zwei, ich sag mal, äußerst schlecht gelaunten Fraktionen, die alle scharf geladene Waffen in der Hand hatten und da lagen vier tote Soldaten. Drei Deutsche und ein Afghane, das wird ja auch immer gerne vergessen."

Junge Menschen überzeugen

Klar gebe es auch heute Gefährdungslagen, doch mit denen könne man professionell umgehen, sagt der deutsche Oberst. Für ihn ist klar, dass der Frieden in Afghanistan eine Generationenaufgabe ist. Stellt man ihm die Frage nach dem Sinn dieser Bundeswehr-Mission lautet die Antwort:

"Für mich ist die Zielgruppe ganz klar die jungen Leute, dass wir die davon überzeugen, dass es mit uns auf der Welt zu leben, auf die Art und Weise wie wir versuchen, es ihnen beizubringen, langfristig das nachhaltigere Modell ist, davon bin ich schon überzeugt."

"It shows friendship between Afghan country and German country."

Hezina Kakar ist das, sie gehört zu dieser jungen Generation von der gerade die Rede war. Sie ist Teil einer Künstlergruppe, die bunte Graffitis auf eine graue Betonmauer des deutschen Generalkonsulats im Feldlager gemalt hat. Eine Friedenstaube mit Flügeln in afghanischen und deutschen Nationalfarben ist da zu sehen oder ein Kamel, dass zwei rote Herzen trägt, Symbol der deutsch-afghanischen Freundschaft, wie die Künstlerin sagte. Und apropos Generationen: Auch das Gedenken an die gefallenen Soldaten in Masar-i-Sharif endete nach dem Song von Unheilig auf traditionelle Art, die älteren Jahrgängen vertrauter erscheinen mag.

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