Informationen am Mittag 16.08.2019

Außenminister Maas in der ArktisKlimawandel zum AnguckenVon Klaus Remme

Beitrag hören Heiko Maas (SPD), Außenminister, besichtigt einen Gletscher bei Pond Inlet, in der kanadischen Arktis. Die Folgen des Klimawandels ist nirgendwo so sichtbar wie in der Arktis.  (dpa / Kay Nietfeld)Bundesaußenminister Maas in der kanadischen Arktis (dpa / Kay Nietfeld)

Im Norden Kanadas hat sich Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) ein Bild davon gemacht, wie die Folgen des Klimawandels aussehen. Denn hier sind sie deutlich zu sehen. Wo vor einigen Jahren noch Gletscher waren, liegen inzwischen nur noch Geröll und tauendes Eis.

Die Propeller der Chartermaschine von "First Air" laufen noch, Willkommen in Pond Inlet, heißt es durch die Lautsprecher, für Heiko Maas ist es die letzte und sicher eindrücklichste Station einer Reise, die über Reykjavík, New York und Toronto in den hohen Norden führte. Erst drei Flugstunden nach Iqualuit und dann weitere zwei nach Pond Inlet, ein kleines Dorf mit etwa 1.300 Einwohnern, über 90 Prozent davon Inuit. Auf einem kleinen Hügel stehen Wegweiser in alle Richtungen. Noch 1.900 Kilometer zum Nordpol, 18.000 zum Südpol, gut 4.000 nach London und 7.600 nach Tokio.

"Today we are going over to Sirmilik Glacier, that’s in Sirmilik National Park."

Vornamen sind hier wichtiger als Nachnamen. Carey ist Parkmanager im Sirmilik Nationalpark mit dem gleichnamigen Gletscher und zwischen der Delegation und dem Gletscher liegen rund 15 Kilometer offenes Wasser. Die See ist ruhig, wird schnell gehen, 45 Minuten, vielleicht sogar weniger, sagt Carey:

"We should be able to get over there pretty quick, I’m guessing 45 minutes, might even be quicker depending on the speed of the boat. The water is nice an flat and calm."

Die Folgen des Klimawandels kann man sehen und hören

In fünf kleineren Booten geht es rüber zum Park. Neun Monate im Jahr ist dieser Meeresarm zugefroren. Die Jagd spielt für die Inuit eine große Rolle, Harvey erzählt von einem Wal, den er in der vergangenen Woche gesehen und gejagt hat, vergeblich:

"There were some wales earlier, last week, I tried to catch one but no luck."

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, es ist zu warm für die Jahreszeit. Feste Schuhe, Jeans, leichte Jacke, Sonnenbrille, Yankee Baseballkappe, das reicht dem Bundesaußenminister. Er wird den ganzen Tag über nicht viel reden. Die Park Ranger haben das Sagen, sie informieren, sie erklären, sie warnen, etwa wie hier, vor Eisbären, noch habe er keinen gesehen, doch das müsse nichts bedeuten.

"The big hazard here is the risk of polar bears. When we were coming in we were looking but I didn’t see anything but that doesn’t mean that here isn’t something around."

Vier Ranger mit Gewehren begleiten die Gruppe auf dem Weg zum Gletscher. Die Folgen des Klimawandels kann man sehen und hören. Mal plätschert das Schmelzwasser, doch im Hintergrund sorgt ein schneller Strom für eine Art Grundrauschen. Und während man früher vom offenen Wasser gleich aufs Eis gelaufen wäre, heißt es heute, erst Geröll, dann weiches, tauendes Eis.

"Wir alle sind in der Verantwortung"

Markus Rex, Atmosphärenforscher am Alfred-Wegener Institut, ist mit dabei. Er schaut auf das fließende Wasser:

"Das ist Wasser, was vom Gletscher runter kommt, der Gletscher taut und er taut schneller als er von hinten nachgeschoben wird. Das bedeutet, er zieht sich immer weiter zurück. Wir sind jetzt hier gerade eine Dreiviertelstunde über ein Chaos von kleinen Geröllhügeln gelaufen, das ist das Geländer, was der Gletscher in seinem Rückzug zurückgelassen hat. Er reichte noch bis vor wenigen Jahrzehnten hier bis zum Ufer, hat sich jetzt etwa einen Kilometer ins Inland zurückgezogen und das hören wir jetzt."

Brian, ein Inuit, 41 Jahre alt, erzählt von früher, von den eisbedeckten Gletschern, und von heute. Die Gletscher sind nackt, es kommen einem die Tränen, so sagt er:

"All that land, I used to see all the tops covered bei glaciers. I was like almost in tears when I was seeing that land, it seemed to be nake without the glaciers."

Heiko Maas hört zu, er schaut auf das fließende Wasser, nach einer Stunde kehrt die Gruppe um. Er weiß, weder können die Inuit etwas für diese Entwicklung, die bestenfalls eine ungewisse Zukunft bedeutet, noch können sie diese aufhalten.

"Man kann hier nur zu dem Schluss kommen, dass wir etwas tun müssen, dafür sind wir alle in der Verantwortung, sonst werden die Generationen, die nach uns kommen, von der Welt das haben, was ihnen zusteht", so der deutsche Außenminister am Ende eines für ihn ungewöhnlichen Arbeitstages.

Die Außenborder der Boote am Ufer laufen schon, in Pond Inlet wartet Flugzeug Nummer eins, in Iqualuit, zwei Flugstunden südlich, der Airbus der Luftwaffen-Flugbereitschaft. Um kurz vor acht heute Morgen landete Heiko Maas in Berlin. Der Alltag wartet, internationale Krisen und eine Partei, seine Partei, ohne echte Führung. Die anstehende Neufassung der Leitlinien deutscher Arktispolitik ist da wohl nur Fußnote.

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