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StartseiteKommentare und Themen der WocheBolton geht - das Chaos bleibt11.09.2019

Außenpolitik unter TrumpBolton geht - das Chaos bleibt

Von Anfang an knirschte es heftig zwischen John Bolton und Trump, kommentiert Thilo Kössler. Es verband sie nur die überzogene "Amerika first"-Ideologie. Nach der Entlassung bleiben Minister, die dem Präsidenten devot ergeben sind. Trump sei seinem Ziel nähergekommen: durchregieren.

Von Thilo Kössler

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John Bolton, nationaler Sicherheitsberater der USA, an einem Pult mit der Aufschrift "Weißes Haus".  (PA/CNP/Tasos Katopodis)
John Bolton ist der dritte nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Trump, der gehen musste (PA/CNP/Tasos Katopodis)
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Das Chaos schreitet unaufhaltsam voran. Der Rausschmiss John Boltons ist nur das letzte Indiz. Dabei weint diesem dritten Nationalen Sicherheitsberater in der Amtszeit Donald Trumps niemand eine Träne nach.

Bolton verfocht harte Linie gegenüber dem Iran

Zwischen dem egozentrischen Präsidenten und dem ausgewiesenen Falken und Hardliner John Bolton hatte es von Anfang an kräftig im Gebälk geknirscht. Gemeinsam war ihnen im Wesentlichen der affektgesteuerte Nationalismus der Marke "America first", der sich in der brüsken Ablehnung der multilateralen Ordnung mit ihren Institutionen und Allianzen, Verträgen und Abkommen äußerte. John Bolton wäre in der Frage der Demonstration von Macht und Stärke der Vereinigten Staaten von Amerika allerdings gerne sehr viel weiter gegangen als sein oberster Dienstherr. Und das führte letztendlich zum Bruch.

So war Bolton ein Verfechter der harten Linie gegenüber dem Iran – er vertrat bis zuletzt die Ansicht, dass es in Teheran einen Regimewechsel geben müsse. Dass Donald Trump jüngst buchstäblich in letzter Sekunde einen Militärschlag gegen den Iran abblies, auf den Bolton so intensiv hingearbeitet hatte, offenbarte die tiefen Differenzen zwischen dem Präsidenten und seinem Nationalen Sicherheitsberater. Bolton hielt denn auch die Gesprächsangebote an die Adresse der iranischen Führung für ebenso falsch wie das Werben Donald Trumps um Wladimir Putin oder Nordkoreas Diktator Kim Jong Un.

Bolton richtete enormen Schaden an

Während Trump die fortgesetzten Raketentests Pjöngjangs in der Hoffnung herunterspielte, er werde am Ende doch noch seine persönliche Friedensdividende einfahren, sprach Bolton von einer flagranten Verletzung der UNO-Sanktionen. So hat John Bolton als Nationaler Sicherheitsberater zwar nicht für einen veritablen Krieg gesorgt, jedoch innerhalb der Entscheidungs- und Machtstrukturen des Weißen Hauses enormen Schaden angerichtet.

Er hebelte das System des nationalen Sicherheitsrates aus, das auf intensive Kommunikation mit den Ministerien und Geheimdiensten setzte, um die Einschätzungen des Präsidenten kompetent dirigieren zu können. Bolton schuf sich sein eigenes Reich in der Umlaufbahn des Präsidenten. Er stach Konkurrenten aus, verprellte Beamte und Militärs und prahlte mit seinem persönlichen Einfluss auf Donald Trump.

Speichelleckerei im politischen Umfeld Trumps

Zurück bleiben Minister und kommissarische Behördenleiter, die dem Präsidenten devot ergeben sind und keinerlei Widerspruch mehr wagen. Zumindest die Konfliktbereitschaft gegenüber diesem diskursunfähigen Präsidenten muss man dem scheidenden Nationalen Sicherheitsberater anrechnen. Ansonsten hat es weder vor ihm, noch mit ihm eine konsistente US-amerikanische Außenpolitik gegeben. Das Irrlichtern auf dem internationalen Parkett wird wohl weitergehen.

Allerdings darf bei allem nicht unterschätzt werden, dass Donald Trump seinem Ziel wiederum ein Stück nähergekommen ist, widerspruchlos durchzuregieren – getreu seinem Wahlkampfmotto: I alone can fix it, allein ich kann´s richten. Bei so viel Speichelleckerei in seinem politischen Umfeld – sei es im Kabinett, in Behörden oder im Kongress – nehmen Donald Trumps autokratische Ambitionen immer konkretere Gestalt an.     

Thilo Kößler - Dlf Korrespondent in Washington, USA (Marion Meakam)Thilo Kößler - Dlf Korrespondent in Washington, USA (Marion Meakam)Thilo Kößler begann nach einem Geschichtsstudium seine Rundfunk-Laufbahn 1978 als Reporter im Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks. 1987 wechselte er als Zeitfunk-Redakteur zum SDR nach Stuttgart und war von 1990 bis 1996 ARD-Hörfunk-Korrespondent für den Nahen Osten am Standort Kairo. Seit 1998 arbeitete er als Redakteur im Deutschlandfunk, zunächst im Zeitfunk, dann als Leiter der Europaredaktion. Ab 2007 war er Leiter der Abteilung "Hintergrund". Seit Juni 2016 ist er USA-Korrespondent von Deutschlandradio mit Sitz in Washington.

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