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StartseiteKultur heuteMagritte und seine Wahlverwandten14.10.2017

Ausstellung in BrüsselMagritte und seine Wahlverwandten

Mehr als 150 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Fotos und Archiv-Dokumente: eine Ausstellung in den Königlichen Museen für Schöne Künste in Brüssel markiert den Höhepunkt des Magritte-Jahres. Die Exponate zeugen von dem Einfluss des großen belgischen Surrealisten auf die Nachwelt.

Von Kerstin Schweighöfer

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Zwei Männer im dunklen Anzug, der eine um die 40, der andere deutlich älter. Es könnten Vater und Sohn sein. Der alte reicht dem jungen lachend seinen Hut – eine Melone. Der junge lacht zurück, aber etwas skeptisch. Fast schon ehrfürchtig setzt er sich den Hut auf. Denn der Mann, dem er gehört, ist René Magritte, der weltberühmte Surrealist. Und der Mann, der die Melone annimmt, sein 26 Jahre jüngerer Kollege und Landsmann, der belgische Künstlerpoet Marcel Broodthaers.

"Diese vier Schwarzweiß-Fotos entstanden 1966, ein Jahr vor Magrittes Tod", erklärt Direktor Michel Draguet von den Königlichen Museen für Schöne Künste in Brüssel. Die Fotos symbolisieren die Übergabe des Vermächtnisses von Magritte an die Nachwelt und gehören zu den ersten Arbeiten, die der Besucher zu sehen bekommt.

"Kein anderer moderner Künstler hat nachfolgende Generationen so beeinflusst wie Magritte. Den alten Meistern ist das noch gelungen, aber seit dem 20. Jahrhundert niemandem mehr, selbst Picasso nicht. Mit Magritte hingegen stehen bis heute Künstler im Dialog. Das ist wirklich einzigartig."

Angefangen bei Andy Warhol über Jasper Johns bis hin zu Gegenwartskünstlern wie Sean Landers oder Gavin Turk: Es macht regelrecht Spaß, auf dieser Schau zu entdecken, wie bestimmte Elemente aus Magrittes’ Werk im Laufe der Jahrzehnte aufgegriffen und weiterentwickelt werden. Zum Beispiel sein Spiel mit der Illusion. Was ist echt, was Täuschung? Wie sehen wir uns selbst? Wie werden wir gesehen?

Ein Beispiel: "Reproduktion verboten" - jenes Bild, auf dem ein Mann in den Spiegel guckt, aber dort den eigenen Rücken erblickt, nicht seine Vorderseite.  

Schräg gegenüber prangt die großformatige Fotoarbeit der amerikanischen Konzeptkünstlerin Barbara Kruger: das Porträt einer Frau, darüber die Worte "We are not what we seem" – wir sind nicht, was wir zu sein scheinen.

Und gleich daneben die Antwort von Marcel Broodthaers: eine weiße Leinwand, übersät mit seinen Initialen, dazu am unteren Bildrand die lapidare Mitteilung "Miroir" – Spiegel.

Wegbereiter der Pop-Art-Künstler

Keinem anderen Künstler stand Magritte so nah wie Broodthaers, sagt Direktor Draguet. Er spricht von einer Vater-Sohn-Beziehung. Sie begann 1964, ein Jahr nachdem sich Broodthaers vom erfolglosen Dichter zum bildenden Künstler gewandelt hatte und auf seiner ersten Ausstellung in Brüssel einen rot angemalten Notenständer aus Holz zeigte, auf dem sich Miesmuscheln festgeklaubt hatten. Magritte war hellauf begeistert:

"Das Geheimnisvolle an diesem Werk zog ihn an. Es scheint, als ob die Musik die Muscheln eingeladen hat, über den Notenständer zu tanzen. Das entsprach Magrittes surrealistischen Ansprüchen. Und das war so ganz anders als die Werke der Pop-Art- oder Konzeptkünstler. Mit denen hatte Magritte nichts am Hut."

Was die amerikanischen Pop-Art-Künstler allerdings nicht davon abhielt, sich mit dem OEuvre von Magritte auseinanderszusetzen – nicht umsonst gilt er als ihr Wegbereiter. Das zeigt die Ausstellung anhand von Werken von Rauschenberg oder Warhol.

Auch das wohl bekannteste Werk von Magritte fehlt nicht: "Der Verrat der Bilder", jene Abbildung einer Pfeife mit den Worten "Ceci n’est pas une pipe"- das hier ist keine Pfeife. Erstmals nach 46 Jahren ist es nach Belgien zurückgekehrt. Und befindet sich nun in bester Gesellschaft anderer Pfeifen, wie sie Broodthaers und weitere Nachfolger gemalt haben.

Die frechste und auch schnuckeligste stammt von Keith Haring. "This is not a pipe" hat er auf die Leinwand geschrieben und ein für ihn typisches Tierchen gezeichnet, diesmal in Pfeifenform, wobei das Mundstück den Schwanz bildet und der Pfeifenkopf das wuschelige Haupt. Titel: "Hommage à Magritte".

"Magritte, Broodthaers & die zeitgenössische Kunst" noch bis 18.2. 2018 in den den Königlichen Museen für Schöne Künste in Brüssel

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