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StartseiteKultur heutePicasso im Krieg16.02.2020

Ausstellung in DüsseldorfPicasso im Krieg

Pablo Picasso revolutionierte mit seinem einzigartigen Malstil die Kunst. Über seine Zeit in Paris während des Zweiten Weltkrieges ist wenig bekannt. Die Ausstellung „Pablo Picasso. Kriegsjahre 1939 bis 1945“ zeigt ein Leben zwischen Bedrohung, Humanität und Entbehrungen.

Von Berit Hempel

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Installationsansicht "Pablo Picasso. Kriegsjahre 1939 bis 1945", K20, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen (Achim Kukulies / Kunstsammlung NRW)
Dunkle Farben und Stillleben in der Ausstellung "Pablo Picasso. Kriegsjahre 1939 bis 1945". (Achim Kukulies / Kunstsammlung NRW)

Museumsdirektorin Susanne Gaensheimer nennt die beiden Fragen, die über der Düsseldorfer Ausstellung schweben:

"Wie wirkt sich Krieg auf den Alltag aus? Paris wurde besetzt von den Deutschen. Die Leute sind erst mal aus der Stadt geflohen. Die Stadt war leer. Dann geht jemand wie Picasso aber zurück. Warum macht er das?"
 
Die Antwort auf die Frage nach den Auswirkungen des Krieges auf den künstlerischen Alltag von Pablo Picasso gibt die Ausstellung. Die Antwort, warum er in die besetzte Stadt Paris zurückkehrte, bleibt sie schuldig, denn die Gründe sind nicht bekannt. Kuratorin Kathrin Bessen versucht eine Erklärung mit einem Zitat des Künstlers:
 
"Es wäre eine Niederlage für mich gewesen, die Stadt zu verlassen und diese wollte er sich nicht eingestehen. Es gab Kontakte mit André Breton, nach New York zu gehen und so weiter. Es gibt ja vielfach Beispiele, ins Exil zu gehen. Er ist in Paris geblieben."

Der Künstler galt als entartet

Und mischt seine Farben auf altem Zeitungspapier und malt: Abgezogene Schafschädel in blutig rot und dunkelbraun, graue Frauenköpfe mit bleckenden Zähnen und bunte Stillleben mit Fischen oder Frauenportraits – aufgebrochen in der Form, dargestellt aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Ausstellung zeigt rund 70 Gemälde, Skizzen, Zeichnungen und Skulpturen vor grauen Wänden und vermittelt so ein Gefühl dieser düsteren Jahre in Paris. Der spanische Maler gilt als entartet und hat Ausstellungsverbot. Sein Glück ist es, bereits berühmt zu sein. Kathrin Bessen: 

"Seine Berühmtheit hat ihn wohl geschützt auch vor den Übergriffen von der deutschen Besatzung letztendlich. Der deutsche Schriftsteller Ernst Jünger ist zu ihm gekommen, ins Atelier 1942. Ernst Jünger war damals als Hauptmann stationiert in Paris und hat in der Abteilung für Feindaufklärung gearbeitet."
 
Währenddessen geraten Freunde und Bekannte von Picasso in Lebensgefahr.

"Er hat jüdische Freunde, die flüchten. Sein Galerist Daniel-Henry Kahnweiler verlässt 1940 schon die Stadt Paris und schreibt über die Situation an Picasso einen Brief und benennt ganz klar, er möchte als jüdischer Mensch Hitler nicht in die Hände fallen. Ihm ist die Situation sicherlich bewusst.

Picasso reizt die malerische Form aus

Er ist der Künstler, der wenige Jahre zuvor mit dem Bild "Guernica" Aufsehen erregte. Mit dem Bild, in dem er die Ermordung von mehreren hundert Zivilisten während des spanischen Bürgerkriegs anprangerte. Pablo Picasso – so zeigt die Düsseldorfer Ausstellung – beschäftigt sich in den Jahren 1939-1945 mit Akten, Portraits und Stillleben - Stillleben mit Krug, Glas und Orange, um mit ihnen die malerische Form auszureizen. Er malt in dunklen Farben gehaltene abstrahierte Akte, zugenähte Münder und Totenschädel. Und Picasso sucht nach neuem Material: Aus kleinen Papierschnipseln von Zigarettenpackungen oder Briefumschlägen reißt der Künstler kleine Figuren wie einen Hundekopf, einen Hahn oder einen Menschenkopf. Susanne Gaensheimer:
 
"Es geht bei Picasso gar nicht so sehr um den Krieg. Es ist für ihn eine Zeit des Rückzugs, und er beschäftigt sich eigentlich mit häuslichen Themen, mit seinem persönlichen Umfeld. Und trotzdem kommen immer wieder ganz konkrete Kommentare oder Reaktionen auf den Krieg." 
 
Picassos Farbpalette in den Kriegsjahren ist gedämpft, die Themen unterschiedlich. Kathrin Bessen:
 
"Ganz klar ist, dass Picasso in der Zeit des Zweiten Weltkrieges nicht mehr so politisch agiert, wie er zum Beispiel für "Guernica", diese berühmte Arbeit von 1937 reagiert. Mit Sicherheit kann man sagen, dass Picasso nicht am Widerstand aktiv beteiligt war. Es gibt ein paar Zeugnisse, wo deutlich ist, dass er Freunde, die sich engagiert haben, unterstützt mit Illustrationen, Buchprojekten."

"Picasso wird als Überlebender gefeiert"

Susanne Gaensheimer: "Aber trotzdem, würde ich sagen, hat er in dieser Zeit eher so etwas wie einen passiven Widerstand geleistet."

Mit dem Ende der Besatzung endet auch die Ausstellung. Fotos verdeutlichen sehr anschaulich, was danach geschah. Amerikanische Soldaten besuchen das Atelier des Künstlers, in dem 12 Variationen des Stilllebens mit Krug, Glas und Orange auf die Leinwand gebannt sind. Kathrin Bessen: "Picasso wird als Überlebender gefeiert, der die Zeit der Besatzung überlebt hat."

Die Düsseldorfer Ausstellung zeichnet Picassos künstlerischen Weg nach, einen Weg zwischen einer Art innerer Immigration und passivem Widerstand - unter dem Einfluss des Krieges. 1944 resümierte der Künstler selber: 
 
"Ich habe den Krieg nicht gemalt. Aber ich bin sicher, dass der Krieg Eingang genommen hat in die Bilder, die ich geschaffen habe."

"Pablo Picasso. Kriegsjahre 1939 bis 1945" / 15.2. – 14.6.2020 im K20 in Düsseldorf

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