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StartseiteCorsoWo in der Bildenden Kunst die Musik spielt15.01.2015

Ausstellung in KölnWo in der Bildenden Kunst die Musik spielt

"There is no such thing as silence" - dieses Zitat von John Cage ist der Titel einer Ausstellung im Kunsthistorischen Institut der Universität Köln. Dort ist zu sehen und vor allem zu hören, welche Rolle der Klang in der Bildenden Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts spielt. Eine Ausstellung mit starkem Aufforderungscharakter.

Von Nico Rau

Nachbildungen menschlicher Ohren, aufgenommen bei der Firma 3B Scientific in Hamburg am 27.5.2003. (picture-alliance / dpa / Volker Heick)
Akustische Elemente werden in der Bildenden Kunst oft vernachlässigt (picture-alliance / dpa / Volker Heick)
Weiterführende Information

Stille als Kunst - Wenn nur das Püree leise schmatzt
(Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 02.12.2014)

Vom ewigen Augenblick der Stille
(Deutschlandradio Kultur, Feature, 12.03.2014)

"Man kann es gar nicht ernst genug nehmen, dieses stille Stück"
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 24.08.2012)

"Nehmt die rechte Hand über die Augen, als ob ihr sie vor der Sonne schützen müsstet."

Das Künstlerkollektiv LIGNA lässt in einem Bahnhof verteilte Teilnehmer über einen Knopf im Ohr eine Radiosendung hören:

"Zeigen: Mit derselben Hand nach oben zeigen auf irgendein vermeintliches Ziel."

Durch ihre Anweisungen entsteht eine öffentliche Performance, die nun ein Ausstellungsexponat ist, erklärt Karen Drüber: Das Radioballett - "Übungen in nichtbestimmungsgemäßem Verweilen".

"Wir haben ja zwei Kopfhörer da liegen und zwei mp3-Player, die diesen Kollektivcharakter des Werks darstellen sollen. Und die Besucher haben die Möglichkeit, die mp3-Player in die Hand zu nehmen, die sind ja an so einem langen Drahtseil befestigt, dass sie weiter weggehen können und auch selber die Übungen im Ausstellungsraum ausführen können."

Es gibt keine Stille, überall ist Klang

Zusammen mit weiteren Studierenden kuratiert sie die Ausstellung "There is no such thing as silence" im Kunsthistorischen Institut der Universität Köln. Das Zitat von John Cage besagt, es gibt keine Stille. Überall ist Klang. Kunsthistorikerin Ursula Frohne stimmt zu, hebt aber hervor, dass wir Geräusche oft ignorieren.

"Es sei denn, es ist sehr störend. Man kann ja auch sagen, dass die Klanggeschichte eine Geräuschvermeidungsgeschichte bis zu einem gewissen Grad ist."

Das Visuelle ist für uns schlicht präsenter und die stille Betrachtung galt lange als Ideal, um sich Kunst zu nähern. Akustische Elemente werden in der Bildenden Kunst deshalb oft vernachlässigt.

"Aber wir haben dennoch, eigentlich bereits seit der Antike, Darstellungen von Musik und Klang, aber ikonografisch dargestellt, dass heißt über das Bild vermittelt. Aber durch die Entgrenzung der künstlerischen Möglichkeiten, die mit der Moderne einsetzt, erleben wir plötzlich, dass plötzlich akustische Erfahrungen als solche mit integriert werden in die künstlerischen Konzepte."

Eine Ausstellung mit einem starken Aufforderungscharakter

Denn zu Beginn des 20. Jahrhunderts verwendeten Künstler verstärkt Sounds und Geräusche in ihren Arbeiten. Die Dadaisten etwa experimentierten mit der Sprache; und der "Merz"-Künstler Kurt Schwitters wurde zum Pionier auf dem Gebiet der Lautpoesie.

Seine Ursonate aus dem Jahr 1925 ist ebenfalls in der Ausstellung zu hören. Maßgeblich weiterentwickelt wurde die Klangkunst dann in den 1960er-Jahren im Zuge von Fluxus- und Performancekunst. Eine prominente Vertreterin ist Yoko Ono. Ihre "Instruction Pieces" sind in schwarzen Buchstaben auf die Wand gedruckt. Die kurzen Texte fordern die Besucher in der Ausstellung unmittelbar auf:

"Scream. First: Against the wind. Second: Against the wall. Third: Against the sky."

In dieser Ausstellung geht es anders zu, als gewohnt. Lauter. Spielerischer. Zum Beispiel das Objekt "Playstation" von Nicola Leonard Hein produziert Geräusche: Auf einem runden Kneipentisch steht ein trapezförmiger Stahlrahmen mit E-Gitarrensaiten und Tonabnehmern. Verstreut darum herum liegen Schrauben, Schwämme, Nagelfeilen, sogar ein Lutscher. Damit schlagen die Besucher die Saiten an und lauschen dann den immer neuen Klängen. Eine Ausstellung mit einem starken Aufforderungscharakter also, für die, die auch hinhören wollen und sich konfrontieren lassen "mit Irritationsmomenten, die uns wieder darauf stoßen, wie allpräsent Klang, Geräusch, Sprache, Stimme in unseren täglichen Abläufen sind."

 

Die Ausstellung "There is no such thing as silence" (PDF-Flyer) ist vom 15.01. - 26.02.2015 im Kunsthistorischen Institut der Uni Köln zu sehen.
Adresse:
An St. Laurentius 8
50923 Köln
Öffnungszeiten:
15.01. - 06.02., Mo. - Do. 09.00 - 19.30 Uhr, Fr. 09.00 - 18.00 Uhr.
Zeiten in der vorlesungsfreien Zeit siehe Öffnungszeiten des Instituts

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