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StartseiteKultur heute"Wege des Barock"13.07.2019

Ausstellung in Potsdam"Wege des Barock"

Spektakulär, dramatisch, monumental: Der römisch-katholische Barock beeinflusste die Kunst des 18. Jahrhunderts in ganz Europa. Eine große Ausstellung im Museum Barberini in Potsdam zeichnet nun nach, wie die Gemälde Caravaggios und anderer Großmeister bis ins protestantische Preußen ausstrahlten.

Von Carsten Probst

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Das Gemälde "Narziss" des römischen Malers Caravaggio (1571 - 1610) (Gallerie Nazionali di Arte Antica / Mauro Coen )
Caravaggios berühmter "Narziss": Die römische Nationalgalerie hat viele Hauptwerke des Barock nach Berlin geschickt (Gallerie Nazionali di Arte Antica / Mauro Coen )
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Das öffentliche Interesse galt in den Tagen vor der Ausstellungseröffnung vor allem der Ankunft des unangefochtenen Star-Exponats, des "Narziss", eines frühen Werkes von Michelangelo Merisi da Caravaggio, das die Galleria Nazionale d'Arte Antica tatsächlich ausgeliehen hat. Ende des 16. Jahrhunderts gemalt, ist der "Narziss" gewissermaßen der Startschuss für Caravaggios spektakuläre Karriere und die Barockmalerei zugleich, die die Kunst in ganz Europa beeinflussen sollte. Aber es soll in der Potsdamer Schau eben nicht nur um Caravaggio und die Caravaggisten gehen, beteuert Kuratorin Inés Richter-Musso.

"Es gibt ja auch noch andere Künstler, die einen anderen Stil haben, und das sind vor allem die, die sich um den Papst scharten, vor allem Pietro da Cortona natürlich als der Inbegriff des barocken Künstlers, der eben auch viel mehr ist als Maler, ein Dramaturg, ein Dekorateur, ein Architekt, er war ein Multitalent - der wichtigste Künstler für den Maffeo Barberini neben Bernini."

Zu Galileos Zeiten

Ein kleines, von Gian Lorenzo Bernini gemaltes Portrait seines Förderers Maffeo Barberini, zeigt diesen als Papst Urban VIII. gerade nicht im Pomp seiner quasi-göttlichen Machtentfaltung, sondern in geradezu vertraulicher, menschlicher Nähe zum Betrachter und gibt damit womöglich einen Hinweis auf Urbans Amtsführung, die von Günstlingswirtschaft und eben jener innovationslustigen, bisweilen aber auch rücksichtslosen Nähe zu Künsten und Wissenschaft geprägt war. In Urbans Amtszeit fiel nicht nur die Fertigstellung des neuen Petersdoms, sondern auch die Verurteilung Galileo Galileis und die beispiellose Zerstörung des protestantischen "Ketzernestes" Magdeburg während des Dreißigjährigen Krieges.

Neben Caravaggios berühmtem "Narziss" und Berninis Papstporträt hat die römische Nationalgalerie auch noch weitere Hauptwerke nach Potsdam geschickt: Gemälde von Andrea Sacchi, eines weiteren Großmeisters des römischen Barock neben Pietro da Cortona, oder eine fast noch manieristisch anmutende Darstellung von "Venus und Adonis" des neapolitanischen Meisters Jusepe da Ribera. Die Caravaggisten sind etwa mit Giovanni Bagliones großartiger Allegorie auf die himmlische und irdische Liebe vertreten, in der auch Caravaggio selbst als ein von seinen Leidenschaften beherrschter Satyr portraitiert sein soll. Die Wege des Barock im Ausstellungstitel bezeichnen aber ausdrücklich auch den Einfluss dieser neuen Kunstrichtung in ganz Europa.

Künstlerische Wanderbewegungen

Künstler und Sammler von nördlich der Alpen kamen nach Rom und trugen die Inspirationen in ihre Heimatländer. Die skulpturale und malerische Durchbildung von einzelnen Gebäuden bis zur gesamten Stadt wurde auch für die Residenzstadt des protestantischen Preußens unter Friedrich II. zum Vorbild. Potsdam sollte ein städtisches Gesamtkunstwerk werden, auch wenn es diesen Begriff damals noch nicht gab. Für seine "Sammlung der Unvernunft", wie Friedrich sie nannte, erwarb er viel Barock-bewegte Kunst aus Rom, die diese Botschaft verkörpern sollte. Allerdings, wie Kuratorin Inés Richter-Musso eigens betont, keinen Caravaggio.

"Es ist ja so, dass Caravaggio im 18. Jahrhundert nicht immer den Geschmack so genau getroffen hat derjenigen, die gesammelt haben. Und der andere Aspekt ist, das katholisch-religiöse Thematiken im Norden auch hier nicht unbedingt - beispielsweise in Dresden wurden die schon gesammelt, aber in Preußen bei weitem weniger."

Guido Renis "Büßende Maria Magdalena", vor 1633 gemalt, steht beispielhaft für einen eher nüchternen, klassizistisch anmutenden Stil, der dem Geschmack des preußischen Kaiserhauses eher entsprochen haben mag. In den Gemälden der bekanntesten Barockkünstlerin Artemisia Gentileschi geht es wiederum um die, wie man heute sagen würde, strukturelle Macht von Männern über Frauen. Zwei Gemälde, die Gentileschi zugeschrieben werden, befinden sich in der Sammlung des Neuen Palais in Potsdam, ohne dass man sich damals bewusst gewesen wäre, dass sie von einer Frau gemalt worden waren. Sie bilden den krönenden Abschluss dieser Schau, die den Einfluss der römisch-katholischen Barockkunst auf die Selbstdarstellung des Friderizischen Staates unterstreicht. Mit der in Preußen so viel beschworenen Vernunftethik mischte er sich zu einem eigentümlichen Synkretismus der Aufklärung.

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