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StartseiteKultur heuteFasziniert von jüdischer Kultur28.04.2019

Ausstellung zur Renaissance in ItalienFasziniert von jüdischer Kultur

Italiens Fürsten der Renaissance und die katholische Kirche verurteilten die Juden als Christusmörder. Gleichzeitig pflegten sie enge Kontakte mit jüdischen Gelehrten, Ärzten und Intellektuellen und zeigten sich fasziniert von ihrer Kultur. Eine Ausstellung in Ferrara liefert dafür Beispiele.

Von Thomas Migge

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Andrea Mantegnas "Die Anbetung der Heiligen Drei Könige", gemalt ca. 1495-1505   (imago / QL_D_140410_3434)
Auch der Renaissance-Maler Andrea Mantegna war begeistert von der jüdischen Kultur. (imago / QL_D_140410_3434)
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"Av" ist das jüdische Wort für Vater. Der italienische Renaissancemaler Andrea Mantegna schrieb es auf sein letztes Gemälde: "Die heilige Familie und die Familie von Johannes dem Täufer", das er er kurz vor seinem Tod 1506 fertigstellte.

Obwohl Mantegna sein ganzes Leben lang viele Sujets aus dem Alten und Neuen Testament gemalt hatte, ist auf keinem seiner anderen Werke ein jüdisches Wort zu finden. Das sei keine ästhetische Stilübung, sondern ein Beweis dafür, wie sehr der Künstler im hohen Alter von der Kultur seiner jüdischen Mitbürger fasziniert war, meint Giulio Busi, Kurator der Ausstellung in Ferrara:

"Man sagte von Mantegna, dass er keinerlei Berührungsängste mit den Juden hatte. Und dass er, je älter er wurde, umso interessierter war an ihrer als mystisch empfundenen Religion und Kultur. Was Mantegna und andere Künstler und Intellektuelle der Renaissance faszinierte: Die Juden integrierten sich, behielten aber dennoch ihre eigene Identität."

Enge künstlerische Kontakte

Während der Renaissance wurden die ersten Ghettos eingerichtet: 1516 in Venedig und 1555 in Rom. Sowohl die katholische Kirche als auch die katholischen Herrscher italienischer Fürstentümer verurteilten die Juden damals offiziell als Christusmörder. Dennoch pflegten sie enge Kontakte mit ihnen, vor allem auf künstlerischem, medizinischem, literarischem und philosophischem Niveau. Um das zu belegen, zeigt die Ausstellung in Ferrara Gemälde wie das von Mantegna. Außerdem Kultgegenstände für Synagogen im damals neuen Stil der Renaissance und Handschriften: Thorarollen, die ins Italienische übersetzt wurden, damit auch christliche Intellektuelle sie lesen konnten.

Während im übrigen Europa Juden gesellschaftlich und kulturell weitgehend ausgegrenzt und nicht selten Opfer tödlicher Pogrome wurden, waren die italienischen Ghettos relativ durchlässig. Die Ausstellung in Ferrara macht deutlich, dass verschiedene italienische Fürstenhöfe die Beziehungen zu Rabbinern und jüdischen Gelehrten gezielt förderten.

Ercole II., Herzog von Ferrara, Modena und Reggio, versammelte jüdische und christliche Intellektuelle an seinem Hof. Der Herzog von Urbino pflegte intensive Kontakte mit jüdischen Gelehrten. Und die Päpste in Rom verließen sich in Sachen Gesundheit vor allem auf jüdische Leibärzte. Die christlich-humanistische Kultur Italiens wurde während der Renaissance durch das jüdische Element befruchtet, so das Fazit der Ausstellung im Jüdischen Nationalmuseums in Ferrara.

Viele jüdische Gemeinschaften entstanden

Präsentiert wird auch ein prächtiges Exemplar der "Biblia Espanola". Eine aus Lissabon nach Italien geflohene wohlhabende Jüdin ließ diese Bibel auf eigene Kosten in den 1550er Jahren in Ferrara drucken. Viele Juden waren von der iberischen Halbinsel nach Italien gekommen. Während des 15. und 16. Jahrhunderts entstanden in Italien so bedeutende jüdische Gemeinschaften.

Relativ unbekannt ist heute die jüdische Musik der italienischen Renaissance. Der Jude Salamone Rossi war ein Star der damaligen italienischen Musikszene. Als Protegé des Herzogs von Gonzaga komponierte er die Musik für die Hochzeit von Francesco IV. Gonzaga und Margherita von Savoyen. Rossi übertrug den Madrigalstil und die Polyphonie aus der christlichen Musik auf die jüdische Sakralmusik. Sogar die damaligen Päpste in Rom sollen, so belegen es die in Ferrara präsentierten Quellen, die Musik des Juden aus Norditalien gehört haben.

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