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StartseiteForschung aktuellImpfstoff für Koalas30.03.2015

AustralienImpfstoff für Koalas

Es gibt Tiere, bei denen man sich fragt, welcher Laune der Evolution sie entsprungen sind: Koalas können nur Blätter ganz bestimmter Eukalyptusarten essen, die noch dazu kaum Energie und Nährstoffe, aber dafür reichlich Gifte enthalten. Darüber hinaus werden die Tiere von einer heimtückischen Krankheit heimgesucht - Forscher versuchen diese mit einem Impfstoff einzudämmen.

Von Monika Seynsche

Ein Koala sitzt am 29.01.2015 auf einem Ast in seinem Gehege im Koalahaus im Zoo in Duisburg (Nordrhein-Westfalen) (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)
Koala: In Australien gibt es große freilebende Populationen. (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)
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Im Zoo von Melbourne deutet die Biologin Marissa Parrott auf drei Bäume. In den Astgabeln schimmert grauer Pelz durchs Blattwerk.

"Wenn sie sich ganz eng an den Stamm drücken, dient das ihrer Kühlung. Sie geben dadurch Körperwärme an das Holz ab."

Die Koalas lassen sich von den Besuchergruppen im Zoo nicht stören. Bewegungslos sitzen sie im Geäst.

"Koalas verbringen nur 15 Minuten am Tag mit sozialer Interaktion. Das ist wirklich nicht viel. Und heute, da es etwas wärmer ist, schlafen sie tief und fest in ihren Bäumen. Ich denke, wir werden nicht viele Geräusche von ihnen hören können."

80 Prozent der Koalas haben ihren Lebensraum verloren

Seit die ersten Europäer Australien erreichten, haben Koalas 80 Prozent ihres Lebensraums verloren. Den Populationen im Süden Australiens geht es noch gut, während die Bestände im Osten des Landes stark zurückgehen. An der Queensland University of Technology macht sich der Immunologe Kenneth Beagley Sorgen um die Art.

"Seit zehn Jahren beobachten wir einen sehr starken Rückgang der Koala-Populationen. Verantwortlich dafür ist die Zerstörung ihres Lebensraums durch den Bau neuer Straßen und Siedlungen. Ein weiterer wichtiger Faktor sind Infektionskrankheiten. Koalas leiden besonders unter Chlamydien, die Augenkrankheiten verursachen und zur Blindheit führen. Außerdem können diese Bakterien Geschlechtskrankheiten und in der Folge Unfruchtbarkeit verursachen."

Durch Chlamydien erblindete Koalas werden häufig von Autos überfahren oder von Hunden angefallen. Außerdem finden sie weniger zu fressen und verhungern schnell. Und auch die Unfruchtbarkeit gefährdet das Überleben der Populationen. Deshalb haben Kenneth Beagley und seine Kollegen eine Impfung gegen Chlamydien entwickelt.

"Den Impfstoff können wir als Injektion oder als Nasenspray verabreichen. In beiden Fällen scheint er eine schützende Immunantwort hervorzurufen."

Bislang haben sie einige hundert Tiere geimpft, die auf dem Baugebiet einer Eisenbahnlinie eingefangen worden waren, um umgesiedelt zu werden. Tiere in freier Wildbahn zu impfen, ist kaum möglich. Deshalb wollen die Forscher auch in Zukunft den Impfstoff zum Beispiel an Koalas verabreichen, die nach Verletzungen in Tierparks aufgepäppelt wurden und wieder freigelassen werden sollen. Kenneth Beagley hofft, dass durch diese immunisierten Tiere ein Herdeneffekt erreicht wird, der auch den Rest der Population schützt.

Großer Unterschied zwischen den Koala-Populationen

Noch sind nur die Koalas in Queensland und dem nördlichen New South Wales bedroht. In Südaustralien und Victoria leben dagegen sehr viele Tiere.

"Deshalb werden wir oft gefragt: Kann man nicht einfach Koalas aus Victoria nach Queensland bringen? Aber die beiden Gruppen unterscheiden sich so stark, dass die Tiere aus dem kühlen Süden im wärmeren Queensland vermutlich nicht überleben würden."

Die südlichen Koalas hätten zum Beispiel ein wesentlich längeres und wärmeres Fell als ihre Artgenossen in Queensland sagt Marissa Parrott vom Zoo in Melbourne. Sie hofft deshalb darauf, dass die neue Impfung den bedrohten Populationen helfen wird. Aber selbst dann droht allen Koalas noch von anderer Seite Gefahr.

Australien ist heute schon der trockenste Kontinent der Welt und wird allen Klimaprognosen zufolge in Zukunft noch trockener werden. Häufigere Buschfeuer und Dürren wären die Folge.

"Koalas leiden sehr stark unter Waldbränden, den sie leben nun einmal auf Bäumen und sie können sich am Boden nicht schnell bewegen und vor dem Feuer flüchten. Große Buschbrände fordern daher hohe Opferzahlen unter den Tieren. Und auch Dürren sind gefährlich. Denn Koalas trinken kein Wasser. Sie nehmen Feuchtigkeit nur über die Eukalyptusblätter auf. Wenn Dürren also häufiger auftreten und die Blätter weniger Feuchtigkeit enthalten, können die Tiere dehydrieren und im schlimmsten Fall verdursten."

Heute leben in Australien zwischen 40.000 und 80.000 Koalas. Ob die Art aber das 22. Jahrhundert erleben wird, ist ungewiss.

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