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StartseiteInformationen am MorgenKurienkardinal Pell wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt26.02.2019

AustralienKurienkardinal Pell wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt

Kardinal George Pell galt lange als die Nummer drei in der Hierarchie der katholischen Kirche. Jetzt wurde ein bereits im Dezember vergangenen Jahres ergangener Schuldspruch öffentlich: Der beurlaubte Finanzchef des Vatikans wurde wegen sexuellen Missbrauchs an zwei Minderjährigen verurteilt.

Von Lena Bodewein

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Der australische Kurienkardinal George Pell wurde wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Hier im Mai 2018. (AP / Andy Brownbill)
In der Heimatgemeinde von George Pell wurden besonders viele Missbrauchsfälle begangen - und vertuscht (AP / Andy Brownbill)
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Einfühlungsvermögen hört sich anders an: Noch vor zwei Jahren sagte Kardinal George Pell per Video vor der Royal Commission aus, der königlichen Kommission von Australien, die Kindesmissbrauch in religiösen Einrichtungen untersucht. Als es um einen bestimmten pädophilen Priester und seine Verbrechen ging, sagte Pell nur: "Es ist eine traurige Geschichte, die mich nicht sehr interessierte."

Das Publikum war hörbar schockiert. Pell fügte nur hinzu: "Das Leiden war echt und ich bedaure das sehr, aber es gab für mich keinen Grund, mich mit dem Ausmaß der Verbrechen dieses Mannes zu beschäftigen."

Diese Gleichgültigkeit kann er jetzt nicht mehr an den Tag legen: George Pell selbst ist des Kindesmissbrauchs für schuldig befunden worden. Er soll als Erzbischof von Melbourne im Jahr 1996 zwei Chorknaben in einem Hinterraum der St. Patricks Kathedrale gezwungen haben, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen. Pell hatte das immer vehement bestritten.

Der Schuldspruch erging schon Mitte Dezember des vergangenen Jahres, aber wegen einer Nachrichtensperre durfte er bisher nicht bekannt gemacht werden. Diese Nachrichtensperre aber wurde am Dienstag nun aufgehoben. Der Schuldspruch wurde damit öffentlich. Pell verließ das Gericht in Melbourne. Er kämpfte sich durch eine wütende Menge.

"George Pell ist ein Monster, eine Abartigkeit. Er sollte ins Gefängnis, kein Hausarrest, nichts von dieser pathetischen weichen Rechtssprechung. Wir wollen ihn im Gefängnis sehen, für immer in der Hölle schmoren."

Michael ist selbst ein Opfer von Kindermissbrauch geworden.

Eingesetzte Kommission begann 2013 mit der Aufarbeitung

In den vergangenen Jahren hat Australien sich an die Aufarbeitung gemacht - 2013 war eine Kommission eingesetzt worden, nachdem besonders schwere Missbrauchsfälle bekannt geworden waren: Es gab mehr als 2.500 Beschuldigungen, 230 Mal wurde Anklage erhoben, 60.000 Überlebende können Anspruch auf Entschädigung erheben. Hinter denen sich aber immer fürchterliche Einzelschicksale verbergen, und von denen die Kirche viele deckte - die Heimatgemeinde von George Pell, Ballarat im Bundesstaat Victoria, war berüchtigt für das Vertuschen.

Daher die immense Wut vieler Betroffener wie Michael, der selbst ein Opfer von Kindesmissbrauch wurde: "Er alleine ist verantwortlich für den Schaden durch Kindesmissbrauch, für den Missbrauch von tausend und abertausend Menschen in ganz Victoria."

Nach den Untersuchungen der Royal Commission hatten sich in den 70er und 80er Jahren beispielsweise in einem Orden fast die Hälfte der Kirchenvertreter an Kindern vergangen. Viele der Missbrauchsopfer in Australien haben diese Scham nicht überlebt; unzählige haben angefangen zu trinken, wurden arbeitslos, wurden einsam, weil sie unfähig waren, soziale Bindungen und Pflichten aufrechtzuerhalten, viele brachten sich um - denn viele begegneten den Tätern immer wieder.

Einer der Jungen, um die es in dem Verfahren gegen Kardinal Pell ging, ist 2014 an einer Überdosis Heroin gestorben. Sein Vater sagte nach dem Schuldspruch, Pell habe Blut an seinen Händen - und er wolle ihn verklagen.

Zunächst aber muss das jetzige Verfahren abgeschlossen sein: Über das Strafmaß wird ab Mittwoch beraten. Pell, als Verantwortlicher für die Finanzen des Vatikans, einst die inoffizielle Nummer drei in der Hierarchie der katholischen Kirche, könnte zu 50 Jahren Gefängnis verurteilt werden.

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