Donnerstag, 30. Juni 2022

Archiv


Auszeichnung für Warner

Nobelpreis. - Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr zu gleichen Zeiten an den früheren US Vizepräsidenten Al Gore und den Weltklimarat IPCC. Damit würdigt das norwegische Nobel-Komitee, so die Begründung, deren Einsatz für die Wahrnehmung und Bekämpfung des Klimawandels. Der Wissenschaftsjournalist Volker Mrasek erklärt den IPCC im Gespräch mit Uli Blumenthal.

12.10.2007

Blumenthal: Herr Mrasek, Sie berichten für Forschung aktuell über die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change. Was ist das für eine Vereinigung?

Mrasek: Also eigentlich ist das gar keine feste Vereinigung, sondern es gab schon vor fast 20 Jahren die Idee der Weltmeteorologieorganisation und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, sich mit dem Phänomen des Klimawandels intensiver zu beschäftigen. Daran sieht man auch, dass die Wissenschaft sich schon ziemlich lange damit beschäftigt, und gesehen hat, da könnte etwas auf uns zukommen. Damals hat man gedacht, wir brauchen einen wissenschaftlichen Körper, eine Institution, die dieser Sache näher auf den Grund geht. Und das hat quasi den Grundstein gelegt, um diese Organisation zu gründen. Es ist ein Sekretariat eingerichtet worden und dieser IPCC hat den Auftrag bekommen, wissenschaftlich fundierte Gutachten vorzulegen, aus denen hervorgeht, was ist nun dran an der Sache, wie es der Wissensstand, was passiert da mit der Erderwärmung. Das ging Anfang der Neunziger Jahren los. Wir erinnern uns alle noch an den Rio-Umwelt- und Klimagipfel, der 1992 stattgefunden hat. Da gab es auch das erste Mal eine Klimarahmenkonvention der Staatengemeinschaft, da hat der IPCC schon Vorarbeit geleistet. Er hat damals den ersten Report vorgelegt, jetzt sind wir in 2007, mittlerweile liegt der vierte vor. Das heißt in Episoden von fünf oder sechs Jahren hat dieses Gremium immer wieder wissenschaftliche Sachstandsberichte zum Klimawandel vorgelegt. Und man muss sagen, dass sind, eigentlich ist das ein Beispiel, das gibt es sonst in keinem anderen Wissenschaftsfeld. Man holt sich den ganzen wissenschaftlichen Sachverstand einer Disziplin, holt Experten aus der ganzen Welt, nicht nur Klimaforscher, Meteorologen, Ökologen arbeiten mit daran, Biologen arbeiten mit daran an diesem Report. Es gibt kein vergleichbares Projekt. Das sind Hunderte von Wissenschaftlern, die den Auftrag erhalten, dieses Gutachten zu schreiben, die wechseln auch, und die haben eine Menge Arbeit damit. Die stöhnen alle.

Blumenthal: Lassen Sie uns einen Blick in die Arbeitsweise werfen. Wie funktioniert das, werden wissenschaftlich Studien in Auftrag gegeben, werden nur Publikationen ausgewertet, wie kommunizieren diese Wissenschaftler untereinander?

Mrasek: In erster Linie geht es nur darum, die wissenschaftliche Literatur zu sichten. Man kann das an dem gegenwärtigen vierten Report vielleicht klarmachen, der ja in diesem Jahr in Etappen - es gibt verschiedene Arbeitsgruppen - der in Etappen erschienen ist, Anfang des Jahres, im Frühjahr, Mitte des Jahres, und da wird, in diesem Report wird die gesamte wissenschaftliche Literatur bis Ende Juli 2006 ausgewertet. Da war die deadline, da war Schlussstrich. Das ist also quasi eine Metaanalyse würde man in der Wissenschaft sagen, man wertet alles aus, was auf dem Tisch liegt und sagt dann: Das ist der aktuelle wissenschaftliche Sachstand. Ein anderer Aspekt ist noch, dass man natürlich, wenn man wissen will, wie sich das Klima in der Zukunft entwickelt, diese Computerszenarien rechnen muss. Es gibt ja diese Klimarechenmodelle, wir wissen, es gibt Klimarechenzentrum mit diesem ganz, ganz großen aufwändigen Computern, die müssen Szenarien in die Zukunft rechnen. Und da hat der IPCC auch Sachen vorgegeben, da hat er der Wissenschaftsgemeinde gesagt, wir möchten ein breites Spektrum verschiedener Entwicklungen in der Zukunft abbilden. Und das sind so die Rahmenbedingungen, errechnet uns doch mal bitte, in fast 20 Klimarechenzentren der Welt übrigens, rechnet uns doch mal diese Szenarien, da gibt der IPCC auch ein bisschen was vor.

Blumenthal: Und wie kommen die Ergebnisse aus der Wissenschaft dann in die Politik. Was sind die Stufen, kurz?

Mrasek: Das kann man auch wieder an diesem Jahr beleuchten. Jetzt ist ja der vierte Report veröffentlicht worden, und ich würde einmal sagen, Ende des Jahres 2006 hat kein Hahn gekräht nach Klima, das war so ein Thema, was da so lief. Und seit der Report raus ist, und seit wir wissen - die Wissenschaftler sagen ja, es ist so gut wie sicher, der Mensch verändert durch seine Treibhausgasemissionen, durch die Nutzung fossiler Energieträger, das Klima. Seit diese Nachricht auch in dieser Dramatik raus ist, reagiert die Politik ja. Man erlebt ja keine politische Veranstaltung mehr, ob das bei den G8 ist, ob das in der EU ist, wo nicht über Klima geredet wird. Das heißt, das ist auch die Aufgabe des IPCC. Die Zusammenfassungen, die auf den Tisch gelegt werden, heißen immer Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger. Also, Politiker schaut rein, hier könnt ihr lesen, was wissenschaftlicher Sachstand ist.