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StartseiteWirtschaft am MittagBetriebe werden wieder fündig15.08.2019

AuszubildendeBetriebe werden wieder fündig

Die Wirtschaft sieht bei der Suche nach Auszubildenden wieder Land: Mehr Betriebe als zuletzt konnten in diesem Jahr ihre Ausbildungsplätze besetzen, wie eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer zeigt. Es gibt aber weiter Engpässe - die zunehmend von Geflüchteten gefüllt werden.

Von Dieter Nürnberger

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Young woman working as a skilled worker in a high tech company, controlling production machine model released Symbolfoto property released   (www.imago-images.de)
Betriebe müssen sich zunehmend um Auszubildende bemühen. (www.imago-images.de)
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Der Abwärtstrend bei den Ausbildungsverträgen ist vorerst gestoppt, doch gleichzeitig blieben 2018 in jedem dritten Betrieb angebotene Ausbildungsplätze unbesetzt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, DIHK, stellte heute die Ergebnisse einer Online-Umfrage von mehr als 12.000 Betrieben vor. Das Ergebnis zeigt, dass vor allem die demografische Entwicklung weiterhin große Auswirkungen hat. Für die Unternehmen eine Herausforderung, sagt Achim Derks, stellvertretender DIHK-Hauptgeschäftsführer:

"Unterm Strich liegt es schon daran, dass wir heutzutage rund 150.000 weniger Schulabgänger haben als vor 15 Jahren. Deshalb ist der Wettbewerb auf Seiten der Betriebe größer. Und das führt dazu, dass diejenigen erfolgreich sind, die viele Praktika anbieten, die gut bezahlen und vielleicht sogar einen Auslandsaufenthalt anbieten können. Oder auch solche Betriebe, die Schwächeren eine Chance geben, in dem sie Nachhilfe geben oder auch Flüchtlingen helfen, die Sprachkenntnisse zu verbessern. Das alles ist eben kein Selbstläufer mehr wie noch vor zehn oder 15 Jahren."  

Manche Azubis sind fauler, als ihre Chefs es gerne hätten

Eine Entwicklung, die sich in den kommenden Jahren noch verstärken werde. Doch immerhin bleibt die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze in Deutschland stabil, derzeit gibt es rund 1,3 Millionen Azubis. Die meisten Schwierigkeiten Auszubildende zu finden hat das Gastgewerbe und der Bereich Logistik und Transport. Auch das Baugewerbe tut sich weiterhin schwerer, obwohl hier die Besetzung der Ausbildungsplätze tendenziell zumindest zunimmt.

Allerdings berichten die Betriebe auch von einer fehlenden Motivation vieler Auszubildender. Eine auf den ersten Blick - mit über 60 Prozent -  recht hohe Quote, sagt Hauptgeschäftsführer Derks, allerdings:

"Auf der einen Seite sind es die jungen Menschen, die bei Social Media und anderen digitalen Themen durchaus fit sind. Die bringen da etwas mit, was auch den Betrieben hilft. Auf der anderen Seite haben sie jedoch oft auch eine andere Vorstellung von Arbeit als ihre Chefs. Das ist für die jungen Menschen sozusagen der Sprung in das pralle Leben und da gibt es durchaus dann auch Anpassungen, die sich beide Seiten abfordern müssen."

Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass das Durchschnittsalter der Auszubildenden zunimmt. Der Anteil von Studienaussteigern ebenso, inzwischen sind rund 12 Prozent der Azubis älter als 24 Jahre.

Berufsschulen müssen besser werden

Positiv wertet der DIHK, dass immer mehr Flüchtlinge ausgebildet werden. Insgesamt seien es rund 45.000 deutschlandweit. Und sie sind vermehrt in den schlechter zu vermittelnden Ausbildungsbereichen wie Gastronomie, Verkehr und Bau anzutreffen. Sie benötigten zwar weiterhin gezielte Angebote beim Spracherwerb, doch berichten viele Unternehmen ebenso von einer großen Motivation der Flüchtlinge.

Bei den Forderungen an die Politik hat der DIHK vor allem eine bessere Ausstattung der Berufsschulen im Blick. Hauptgeschäftsführer Achim Derks:

"Wir brauchen eine bessere Ausstattung - mit Digitalisierung, besseren Internetanbindungen, auch einen technischen Support, den nicht die Lehrer machen, sondern Fachkräfte, die man dafür einstellt. Hier gibt es riesigen Nachholbedarf. Wir sehen hier ein Investitionsvolumen von etwa 2,5 Milliarden Euro - das brauchen allein die Berufsschulen, um da auf die Höhe der Zeit zu kommen."

Das Ausbildungsjahr hat am 1. August begonnen. Und laut Bundesagentur für Arbeit waren Ende Juli noch mehr als 200.000 Ausbildungsstellen unbesetzt.

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