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StartseiteKommentare und Themen der WocheMit Masse Geld für die Zukunft verdienen31.10.2019

Auto-Hochzeit PSA/Fiat-ChryslerMit Masse Geld für die Zukunft verdienen

Die Fusion der Automobilkonzerne PSA und Fiat-Chrysler ist nachvollziehbar, kommentiert Silke Hahne. PSA will neue Märkte erobern, Fiat-Chrysler braucht neue Technologien. Und vor allem brauchen beide viel Geld, um sich zukunftssicher zu machen. Das könnte langfristig auch Arbeitsplätze bei Opel kosten.

Von Silke Hahne

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Die Logos der Autokonzerne PSA Group und Fiat Chrysler. (AFP/DANIEL ROLAND, HAROLD CUNNINGHAM / AFP)
PSA und Fiat einigen sich auf eine Fusion. (AFP/DANIEL ROLAND, HAROLD CUNNINGHAM / AFP)
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Die Autobranche steckt in einem Wandel, und was für einem. Einstige Selbstverständlichkeiten lösen sich gerade in Luft auf: Jahrzehntelang fuhren Menschen ihre eigenen Autos mit Verbrennermotor selbst durch die Gegend. Die Zukunft aber ist quasi die Umkehrung dieser Verhältnisse: Elektrische, autonome Autos sollen uns durch die Gegend kutschieren, der Kunde bezahlt für die Leistung – nicht für das Objekt.

Das nötige Kleingeld für die anstehenden, immensen Investitionen müssen die Autobauer aus dem laufenden Geschäft erst einmal aufbringen. Allemal vor dem Hintergrund einer abflauenden Weltkonjunktur. Und die technologische Expertise schütteln die alt-industriellen Motorentüftler auch nicht mal eben so aus dem Ärmel.

Das zeigt Fiat-Chrysler. Der Konzern wäre ohne neue Partnerschaften wohl verloren – weder in Sachen Elektroantrieb noch sonst irgendeiner Zukunftstechnologie hat der Konzern etwas in petto. Daher ist Fiat-Chrysler seit Monaten verzweifelt auf Brautschau.

Dass sich PSA Peugeot-Citroën nun auf die Hochzeit einlässt, ist insofern gewagt. Und gleichzeitig nachvollziehbar: Weder in den USA noch in China hat das europäische Konglomerat bisher ernsthaft einen Fuß auf den Boden bekommen. Ein Manko, denn es sind die größten Automärkte der Welt.

Geld verdienen für die Zukunftssicherung

Die Idee dürfte also sein, solange es geht mit gigantischen Pickups der amerikanischen Sorte Geld zu verdienen. Und das in die Zukunft zu stecken. Auf je mehr Autos man die Entwicklungskosten später verteilen kann, desto besser. Abgeguckt ist diese Strategie wohl vom Volkswagen-Konzern: Der droht dem Rest der Branche in Sachen E-Antriebe gerade davon zu sprinten. Und wenn der größte Autobauer der Welt auf Angriff schaltet, zieht man besser nach.

Erst recht, wenn man Carlos Tavares heißt. Der PSA-Chef wird wohl auch das neue Riesenreich zwischen Michigan und Rom lenken. "Das Einzige, was Mitarbeiter schützt, ist Gewinn" - mit dieser aggressiven Ansage hat Tavares Opel saniert, und so wird er weiter verfahren.

Womit wir bei der Frage sind: Wer zahlt den Preis für diese Fusion? Auch ohne Werksschließungen ließen sich Milliarden sparen, hieß es dazu heute vage von den Fusionierenden. In Frankreich und Italien melden sich schon die Regierungen zu Wort und verlangen den Erhalt der Arbeitsplätze. Die deutsche Tochter Opel indes schützt, mit Tavares Worten, aktuell vor allem der Gewinn. Sollten die Rüsselsheimer aber mit Tavares nicht Schritt halten, kann sich das Blatt schnell wenden. Denn so viel ist in der Autobranche immerhin noch gewiss: Zeiten des Wandels kosten Jobs.

Silke Hahne, Redakteurin für Wirtschaft und Gesellschaft. (Deutschlandradio / Bettina Fuerst-Fastre)Silke Hahne, Redakteurin für Wirtschaft und Gesellschaft. (Deutschlandradio / Bettina Fuerst-Fastre)Silke Hahne, geboren bei Köln. Studium Kommunikationswissenschaft und Hörfunkjournalismus in Münster und Leipzig, jeweils mit dem Schwerpunkt Wirtschaft/Finanzen. Freie Mitarbeiterin bei mehreren MDR-Hörfunkwellen, Volontariat beim Deutschlandradio. Redakteurin in der Abteilung Wirtschaft und Gesellschaft.

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