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StartseiteVerbrauchertippGünstige Preise mit Fallstricken29.03.2019

Autokauf im EU-AuslandGünstige Preise mit Fallstricken

Das Interesse am Kauf von Neuwagen im EU-Ausland ist groß. Dabei sind Preisunterschiede von bis zu 30 Prozent möglich. Doch die wenigsten wissen, wie man einen solchen Kauf gefahrlos abwickeln kann. Beim Kaufvertrag, der Überführung und der Zahlung der Mehrwertsteuer ist viel zu beachten.

Von Annette Eversberg

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Ein rotes Spilezeugauto ist auf Geldscheinen platziert. Zwei Spielzeugfiguren schütteln sich die Hände. (imago/blickwinkel/McPhotox/FotoxBegsteiger)
Beim Kauf eines Neuwagens im EU-Ausland sollte unbedingt auf die Seriosität des Händlers geachtet werden (imago/blickwinkel/McPhotox/FotoxBegsteiger)
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Für den Kauf eines Neuwagens in Frankreich, Belgien, Dänemark oder sogar in Norwegen gibt es für EU-Bürger keine Beschränkung. Es fallen auch keine Zölle an. Aber noch immer schauen potenzielle Autokäufer zunächst auf den Preis.

Genauso wichtig ist die Ausstattung eines Neuwagens. Herbert Engelmohr, Sprecher des Automobilclubs von Deutschland AvD.

"Also da ergeben sich im Einzelfall auch Unterschiede, dass Komfortausstattungen von Importfahrzeugen etwas anders aussehen als entsprechende, auf dem deutschen Markt angebotene Fahrzeuge. Da muss man sich erkundigen."

In Ländern wie Spanien ist die Klimaanlage möglicherweise bereits Standard. In Schweden, Dänemark oder Norwegen können Winterreifen und Sitzheizung zur Grundausstattung gehören. Da es keine Listen gibt, nach denen man die Preise einfach vergleichen kann, sollte man sich am besten von verschiedenen Händlern beraten lassen. Hat man sich für ein Modell entschieden, dann empfiehlt André Schulze-Wethmar vom Europäischen Verbraucherzentrum in Kehl, unbedingt die Seriosität des Händlers im Ausland zu überprüfen.

"Wenn der Händler eine Internetseite hat, ist jeder Händler verpflichtet, ein Impressum anzugeben. Also, seine Kontaktdaten, seine Adresse und Telefonnummer. Wenn das nicht vorhanden ist, spricht dies nicht für die Seriosität des Händlers."

Händler versuchen Gewähleistung auszuhebeln

Die Gewährleistung ist in allen EU-Ländern gleich. Zwei Jahre bei einem Neufahrzeug. Manche Händler, so die Erfahrung von Andre Schulze-Wethmar, versuchen dies jedoch auszuhebeln.

"Man sollte allerdings aufpassen: Es gibt Händler, die versuchen, das auszuschließen, indem im Vertrag beispielsweise steht: Vertrag zwischen Gewerbetreibenden. Bei solchen Verträgen kann die Gewährleistung ausgeschlossen werden. Wenn Sie das Fahrzeug als Verbraucher erwerben, sollten sie so eine Klausel auf jeden Fall streichen."

Der Abschluss des Vertrages kann aber Probleme bereiten, sagt der Verbraucherschützer, wenn man die Sprache nicht beherrscht.

"Man sollte auf keinen Fall einen Vertrag unterschreiben, den man nicht versteht. Deswegen im Zweifel jemanden mitnehmen, der die Sprache spricht und der den Vertrag auch übersetzen kann." 

Nettokauf ohne Mehrwertsteuer

Wer im Ausland kauft und das Fahrzeug nach Deutschland überführt, zahlt die Mehrwertsteuer in Deutschland. Hier sind es 19 Prozent, in Dänemark zum Beispiel 25, in Belgien 21 Prozent. Das bedeutet, der Kauf im EU-Ausland ist dann ein Nettokauf ohne Mehrwertsteuer. Der Händler muss aber wissen, dass das Fahrzeug für den Export nach Deutschland bestimmt ist.

"Dann muss der Händler noch in den Vertrag einfügen, dass es ein Nettokauf ist, dass der Endpreis entsprechend reduziert wird."

Die Mehrwertsteuer muss in Deutschland unverzüglich beim Finanzamt bezahlt werden. Davon hängt auch die Zulassung des Neuwagens ab, betont Herbert Engelmohr vom AvD.

"Hierzulande sind die entsprechenden Zulassungspapiere vorzulegen, also Kaufvertrag, auch das EU-Zertifikat, das besagt, dass die Konformität mit den entsprechenden EU-Regeln vorhanden ist."

Für die Überführung gibt es zwei Möglichkeiten. Man lässt sich den Wagen schicken oder man holt ihn sich selber im jeweiligen EU-Land ab. In beiden Fällen aber rät André Schulze-Wethmar vom Europäischen Verbraucherzentrum, an eine Kurzzeit-Versicherung zu denken. 

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