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StartseiteVerbrauchertippWorauf man bei gebrauchten E-Autos achten muss23.05.2019

AutokaufWorauf man bei gebrauchten E-Autos achten muss

Wer mit dem Kauf eines gebrauchten Elektro-Autos liebäugelt, sollte auf andere Kriterien achten als bei Benzin- und Dieselantrieben. Ein Elektromotor hält beispielsweise eine Million Kilometer. Bei Karosserie, Federung und vor allem der Batterie lohnt sich ein kritischer Blick umso mehr.

Von Thomas Wagner

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Hinweisschild zu einer Stromtankstelle, für Elektroautos (imago / Jochen Tack)
Wichtig: Vor dem Kauf eines gebrauchten E-Autos überlegen, wie das Fahrzeug im Alltag geladen werden soll (imago / Jochen Tack)
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Frieder Kümmerer, Mitte 20, arbeitet als Film- und Medienproduzent am Bodensee – und überlegt: Ein anderes Auto muss her – und zwar ein emissionsfreies, also….

"….ein Elektroauto. Weil mein Auto, was ich jetzt fahre, wird es nicht mehr ewig machen. Ein neues Auto könnte ich mir aber gar nicht leisten. Das heißt: Ich müsste mich nach einem gebrauchten Elektroauto umschauen."

Regelmäßig durchforstet Frieder Kümmerer Online-Verkaufsportale. Neben dem Preis ist für ihn vor allem ein Kriterium wichtig:

"Die Reichweite, also die Kilometerzahl, ist entscheidend. Das ist ein Grund, warum das eher schwierig ist: Weil: Die Elektroautos, die in meinem Preisrahmen liegen, die liegen so bei 100 bis 150 Kilometer Reichweite."

Batterieladung bei Elektro-Autos der ersten Generation

Und gerade die Reichweite ist mit das größte Unterscheidungskriterium: Elektro-Autos der ersten Generation müssen spätestens nach etwa 120 Kilometern nachladen. Neufahrzeuge dagegen schaffen mit einer Batterieladung locker das Doppelte und noch mehr. Abgesehen davon, betont Volker Blandow, beim TÜV Süd in München für Elektromobilität zuständig:

"Ich sehe keine technischen Probleme bei einem gebrauchten Elektrofahrzeug. Ich habe da weit weniger Bedenken als bei jedem Verbrenner, den ich gebraucht kaufe."

Das hängt damit zusammen, dass die Antriebe von Elektrofahrzeugen weitaus weniger kompliziert aufgebaut sind als bei Diesel- oder Benzinern. Und das bedeutet: Wer mit dem Kauf eines gebrauchten e-Autos liebäugelt, sollte auf andere Kriterien als bei Verbrennern schauen.

"Anders als beim Verbrennungsmotor würde eine hohe Laufleistung nicht unbedingt bedeuten, dass der Motor irgendwann mal Probleme macht. So ein Elektromotor hält durchaus eine Million Kilometer ohne jegliche Wartung zwischendurch."

Bleiben Karosserie, Federung und Fahrwerk, bei diesen Komponenten lohnt schon eher ein kritischer Blick beim Check eines ‚Gebrauchten‘: Ist Rost erkennbar? Sind die Stoßdämpfer ausgeleiert? Worauf Kaufinteressenten bei einem gebrauchten Elektroauto auf jeden Fall achten sollten, ist die Batterie.

"Hier gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, sich vom Hersteller die Zahl der Schnellladungen ausdrucken zu lassen. Also, die werden erfasst im Fahrzeug. Und wenn Sie da sehen, dass so einmal pro Woche oder zwei Mal pro Woche schnellgeladen wurde, dann ist das kein Problem. Aber wenn Sie sehen, dass das Fahrzeug ausschließlich schnellgeladen wurde, dann ist das auf jeden Fall ein Argument, um den Preis etwas zu reduzieren."

Blandow empfiehlt, sich vor dem Kauf eines gebrauchten e-Autos zu überlegen, wie das Fahrzeug im Alltag geladen werden soll. Moderne Parkhäuser verfügen zwar über Schnelladestationen. Um die Batterie tatsächlich in kürzester Zeit aufzuladen, muss der Ladestecker aber mit einer intelligenten Software ausgestattet sein. Dies ist bei älteren e-Fahrzeugen häufig nicht der Fall.

Markt für gebrauchte e-Fahrzeuge ist leergefegt

"Und das kann bedeuten, dass Sie an einer Ladesäule stehen, die zwar höhere Ladeleistung liefern könnte. Aber Ihr Fahrzeug kann halt dann nur mit 3,6 KW geladen werden. Das ist die Steckdosen-Ladeleistung, die Sie auch an der normalen Steckdose bekommen würden", erklärt Volker Blandow vom TÜV Süd.

Ein weiteres Problem: Der Markt für gebrauchte e-Fahrzeuge ist ziemlich leergefegt. Der Grund: Im Nachbarland Österreich werden Prämien auch für den Kauf von gebrauchten e-Fahrzeugen gezahlt. Deshalb kaufen österreichische Händler auch in Deutschland Gebrauchtautos mit Elektroantrieb an. Dennoch - ein gebrauchter ‚Elektrischer‘ kann durchaus ein Schnäppchen sein. Während Neufahrzeuge in Limousinen-Ausführung schon ab 20.000 Euro zu haben sind, "…sind diese Fahrzeuge dann auch schon so für 10.000 bis 15.000 Euro gebraucht zu bekommen"

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