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StartseiteKommentare und Themen der WocheMehr Absatz heißt das Ziel05.12.2018

Autokonzernchefs in WashingtonMehr Absatz heißt das Ziel

Die Chefs der deutschen Autokonzerne hätten zwar mit großer Gewissheit verkündet, dass die Gefahr neuer Zölle durch ihr Treffen mit Donald Trump gesunken sei, kommentiert Silke Hahne. Möglich wäre jedoch, dass sie erst in einigen Monaten merken, dass sie sich in Washington die Finger verbrannt haben.

Von Silke Hahne

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Das Bild zeigt Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen. Er spricht draußen vor wartenden Journalisten in Mikrofone. (dpa-bildfunk / AP / Evan Vucci)
Im Großen und Ganzen zufrieden: VW-Chef Herbert Diess nach dem Treffen in Washington (dpa-bildfunk / AP / Evan Vucci)
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Es war ein Spiel mit dem Feuer, auf das die deutschen Autobosse sich da eingelassen hatten. Nach Washington zu reisen, trotz deutlich hörbarer und berechtigter Kritik aus dem Berliner Regierungsviertel und dem Brüsseler Kommissionsgebäude: Dadurch bestand für die Manager zum einen das Risiko, es sich gehörig mit der heimischen Politik zu verscherzen. Zum anderen, dass diese Politik Recht behalten würde – und Donald Trump und seine fleißigen Scharfmacher einen handelspolitischen Keil in die bisher so eng geschlossenen europäischen Reihen treiben könnten.  

Lobbyismus mit klarem Ziel

Stimmt es, was Dieter Zetsche, Herbert Diess und Nicolas Peter zu Protokoll geben, dann haben sie aber im Weißen Haus nicht das ganz große politische Rad gedreht, sondern brav erzählt, wie viel Geld sie in den kommenden Jahren in den USA ausgeben, um noch mehr Autos zu bauen und noch mehr Jobs zu schaffen. Es klingt wie die Wiederholung einer Szene beim Wirtschaftsforum Davos: Als gestandene Manager mit Trump an einem Tisch saßen und wie Schuljungen der Reihe nach ihre US-Investitionen aufzählen durften. Man mag es als Kotau empfinden, Schmeichelei und Lobbyismus waren in Washington auf jeden Fall am Werke. 

Mehr Marktanteile im Visier

Die Autobauer haben dort geschickt verpackt, was ganz unabhängig von Donald Trump für sie sinnvoll ist: Mehr Autos in den USA zu bauen. Bisher haben sie auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt einen mageren Marktanteil von rund fünf Prozent. Den wollen sie steigern. Vor Ort zu produzieren, schützt sie zum Beispiel vor Währungsschwankungen und Lieferschwierigkeiten. Bau deine Autos, wo du sie verkaufst – so ein aktueller Trend der Branche. Und so bauen sie eben: Egal, wer dort regiert – und auch egal, wie dort regiert wird. Es ist diese knallharte Unternehmenslogik, die nicht nur Politikern in Europa häufig Unbehagen bereitet – wenn nämlich demokratische Werte gegen Geld in die Waagschale geworfen werden. Doch zum Manager-Handwerk gehört es dazu, gute Miene zum bösen Spiel zu machen – auch jetzt wieder.

Das Ergebnis bleibt ungewiss

Mit großer Gewissheit verkündeten die Autobosse, dass die Gefahr neuer Zölle durch das Treffen gesunken sei. Ob für diese Interpretation der Ergebnisse nun Hybris oder Verzweiflung ausschlaggebend war, bleibt ihr Geheimnis. Denn es ist nichts gewonnen. Argumente, Fakten oder gar Zusagen scheren Donald Trump wenig. Das Treffen im Weißen Haus ist Zeugnis genau dessen: Es stand an, weil Trump – auf dem falschen Fuß erwischt von harten Einsparungen beim US-Autobauer General Motors – in Sachen Autos wieder auf Angriff schalten musste, um zu zeigen: Er schützt den eigenen Markt. Ungeachtet der Zusagen an die EU aus dem Sommer, vorerst keine Zölle einzuführen.

Gut möglich also, dass die Autobosse erst in einigen Monaten merken, dass sie sich in Washington die Finger verbrannt haben.

Silke Hahne (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)Silke Hahne (Deutschlandradio / Jessica Sturmberg)Silke Hahne, Jahrgang 1987, hat in Münster und Leipzig Kommunikationswissenschaft und Hörfunkjournalismus studiert, jeweils mit dem Schwerpunkt Wirtschaft/Finanzen. Sie war Freie Mitarbeiterin bei mehreren MDR-Hörfunkwellen, anschließend Volontariat beim Deutschlandradio. Sie arbeitet in der Deutschlandfunk-Redaktion "Wirtschaft und Gesellschaft".

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