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StartseiteCampus & KarriereKurzarbeit könnte sich negativ auf berufliche Ausbildung auswirken29.07.2020

Azubis und CoronaKurzarbeit könnte sich negativ auf berufliche Ausbildung auswirken

In der Coronakrise wurde viel über Schulen oder Hochschulen berichtet - von den Auszubildenden war weniger zu hören. Eine Befragung zeigt, dass viele um die Qualität ihrer Ausbildung wegen Unterrichtsausfall oder Kurzarbeit fürchten. Jeder Fünfte denkt aber auch, dass sich seine Chancen verbessert haben.

Von Christian Röther

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Eine Auszubildende in einer Kreuzberger Werbefirma in Berlin  (Wolfgang Kumm/ dpa)
Wie steht es um das deutsche Ausbildungssystem während der Pandemie? (Wolfgang Kumm/ dpa)
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Gemischte Gefühle unter Deutschlands Azubis in der Corona-Krise – obwohl der Großteil bislang offenbar ganz gut durch die Krise kommt. Das zeigt zumindest eine Umfrage, die WorldSkills Germany durchgeführt hat.

Sprecherin Staphanie Werth: "Die ganz eindeutige Mehrheit sagt, dass mein Ausbildungsplatz weiterhin sicher ist. Nur sechs Prozent sagen, dass der Ausbildungsvertrag aufgelöst wurde, oder es konkrete Pläne gibt, den Ausbildungsvertrag aufzulösen, oder man halt befürchtet, dass der Ausbildungsvertrag aufgelöst werden könnte." 
 
WorldSkills Germany will die berufliche Ausbildung in Deutschland stärken. Für die Umfrage hat die Organisation im Mai und Juni fast 500 Auszubildende aus unterschiedlichen Berufen befragt. Das Ergebnis ist nicht repräsentativ im statischen Sinne, vermittelt aber einen Eindruck davon, wie es um das deutsche Ausbildungssystem während der Pandemie steht.

01.04.2020, Sachsen, Dresden: Selina Schmidt, Auszubildende zur Einzelhandelskauffrau im 3. Lehrjahr, räumt am Morgen vor Beginn der Ladenöffnung in einem Supermarkt Waren ein und trägt dabei eine Schutzmaske. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen hat die Bundesregierung das öffentliche Leben weiter erheblich eingeschränkt. Das neuartige Coronavirus wird vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa / Robert Michael) (picture alliance / dpa / Robert Michael)Berufsbildungsforscher: Staat "muss gegebenenfalls im Herbst nachlegen"
Eine staatliche Prämie für ausbildende Betriebe soll den Fortbestand möglichst vieler Ausbildungsplätze im Coronajahr sichern. Eine guter Schritt, aber vielleicht nicht genug, sagte der Berufsbildungsforscher Friedrich Hubert Esser.

Obwohl die allermeisten ihren Ausbildungsplatz also nicht gefährdet sehen, gab es auch kritische Stimmen. "Wäre es nicht so kompliziert, Azubis zu kündigen, hätte man vermutlich längst eine Kündigungswelle." 
 
WorldSkills Germany hat die Ergebnisse in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt, und einige Aussagen der anonymen Azubis wurden von WolrdSkills-Auszubildende Johanna Leitert vorgetragen: 
 
"Wir dürfen wegen dieser Situation nicht vernachlässigt und benachteiligt werden. Ich würde mir irgendeine Art Ausgleich wünschen für die mehr oder weniger verlorene Zeit in der Ausbildung. Mehr Unterstützung für die Lehrer und Ausbilder und auch für uns Azubis. Ich fände es generell sinnvoll, wenn mehr Geld in Bildung invertiert werden würde." 

Viele Berufsschulen waren schlecht ausgestattet

Manche Azubis sind offenbar ziemlich unzufrieden mit dem, was sie derzeit lernen. Beziehungsweise nicht lernen: "Wir haben das Gefühl, Berufsschulen waren nicht wirklich vorbereitet auf Situationen wie diese", sagt Hubert Romer, Geschäftsführer von WorldSkills.

Manche Azubis waren zufrieden mit der Krisenbetreuung durch ihre Schulen. Die Mehrheit allerdings nicht: zu wenig oder gar kein Online-Unterricht, zu viele neue Inhalte, zu schlechte Internetverbindungen.

Eine Frau arbeitet am 08.07.2020 im Homeoffice.  (imago-images.de/epd, Jens Schulze) (imago-images.de/epd, Jens Schulze)Digitalisierungsdefizit "betrifft alle Bereiche"
Die Pandemie habe die Schwächen bei der Digitalisierung offen gelegt, sagte Lena-Sophie Müller von der Digitalisierungsinitiative D21. Neben Unternehmen und öffentlichen Bereichen seien auch Schulen nicht ausreichend ausgestattet.

WorldSkills-Sprecherin Stepanie Werth: "Die Lehrer waren teilweise wohl schwer zu erreichen. Von der Schule kamen nicht genug Informationen, wie es mit dem Online-Unterricht - ja oder nein – weiter funktioniert. Teilweise auch die Rückmeldung, dass Lehrer sich immer noch in der Schule einen Computer teilen mussten und dadurch nicht so schnell reagieren konnten." 

Wenn die Ausbildung unter Kurzarbeit leidet

Auch die Ausbildung in vielen Betrieben hat unter der Krise gelitten, sagt Hubert Romer: "Kurzarbeit wirkt sich negativ auf die berufliche Ausbildung aus." 
 
Wenn Azubis in Kurzarbeit sind, lernen sie weniger, und auch, wenn ihre Ausbilderinnen und Ausbilder in Kurzarbeit sind. Deshalb fürchten manche Azubis jetzt um ihre berufliche Zukunft: Wenn ihre Ausbildung später als schlechter angesehen wird, weil Unterricht und Arbeit ausgefallen sind, könnten andere Azubi-Jahrgänge bei der Jobvergabe bevorzugt werden. Besonders schlecht ist die Stimmung in Branchen, die von der Krise stark betroffen sind, wie der Einzelhandel, die Gastronomie und die Tourismusbranche.

Jeder fünfte Azubi, der sich an der Umfrage beteiligt hat, glaubt aber auch, dass sich seine beruflichen Chancen durch die Krise verbessert haben – vor allem in Branchen, die in der Krise gefragt sind: 

"Gesundheit/Soziales, da ist sozusagen gar keine negative Einstellung in dem Sinne vorhanden. Ich denke, dass die Auszubildenden alle ihre Chance auf eine Übernahme sehr positiv sehen, einfach, weil in der Gesellschaft der Bedarf da ist."

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