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StartseiteForschung aktuellBadequalität für die Spree20.07.2006

Badequalität für die Spree

Das Projekt "Spree2011" will Baden im Hauptstadtfluss wieder ermöglichen

Anfang der 20er Jahre gab es an der Spree auch in Berlin noch Flussbäder. Alle 15 Bäder schloss die Berliner Stadtverwaltung 1925 wegen schlechter Wasserqualität. Damit will sich eine Gruppe von Ingenieuren und Architekten in Berlin nicht länger abfinden. Sie tüfteln an einem System, das innerhalb von fünf Jahren das Baden in der Spree wieder möglich machen soll.

Von Alexander Morhart

Statt nur im Schwimmbad, sollen die Berliner in ein paar Jahren zur Abkühlung auch wieder in die Spree springen können. (AP)
Statt nur im Schwimmbad, sollen die Berliner in ein paar Jahren zur Abkühlung auch wieder in die Spree springen können. (AP)

Außer ein paar Desperados, die ansteckende Krankheiten in Kauf nehmen, badet heute niemand mehr in der Berliner Spree. Bei starkem Regen sind die Klärwerke von der Wassermenge überfordert. Dann fließt ein Gemisch aus Regenwasser und Abwasser aus den Häusern direkt in die Spree - bis zu 30-mal im Jahr. Und weil das Wasser auf der trägen Spree fast einen Monat für seinen Weg durch Berlin benötigt, schließt sich eine Schmutzwasserwolke oft nahtlos an die vorhergehende an. Speichern müsste man das Abwassergemisch, bis es die Klärwerke wieder schaffen - aber wie? Unterirdische Betonspeicher sind teuer zu planen, teuer zu bauen, und sie brauchen viel Platz. Stattdessen denkt der Berliner Landschaftsarchitekt Ralf Steeg an flache Speichermodule aus Stahl und elastischem Kunststoff - jedes so groß wie zwei Reisebusse nebeneinander. Die Behälter sollen in Reih und Glied wenige Meter vor der Uferlinie im Flussboden verankert werden.

" In einer Stahl-Tragkonstruktion sind Deckenplatten eingehangen und Bodenplatten, und die Wände werden gebildet aus Kunststoff. Und wenn das Abwasser dann angeschossen kommt, dann weitet sich diese Konstruktion - fast wie eine Ziehharmonika. Und wenn das Abwasser später abgepumpt wird, dann zieht sich die ganze Anlage wieder zusammen. "

Versuche mit Kunststoffschläuchen seit den 60er Jahren in den USA und zuletzt in Hamburg scheiterten am Material und an der Pumpentechnologie. In Berlin soll es nun mit geballter Fachkompetenz klappen. Drei Fachbereiche der Technischen Universität Berlin, fünf Ingenieurbüros und drei Firmen stehen hinter dem Projekt "SPREE2011". Doch vor allem verlassen sich die Projektplaner auf die Idee, die Oberseite der Tragkonstruktion aus dem Wasser ragen zu lassen und gleichzeitig als Plattform zu nutzen. Susanne Schnorbusch vom Büro "cet-01" kann sich da so einiges an Nutzungen vorstellen.

" Entweder es sind einfache Plattformen, auf denen man irgendwie einfach nur liegen kann, auf denen man Freilichtkino machen kann, auf denen man so eine Sommerbar machen kann, vielleicht eben auch Zelten. Das wäre die einfachste Form. Die zweite Variante, die wir untersuchen wollen, ist ein eingeschossiger Bau. "

Sogar überdachte Räume ließen sich also womöglich auf den Plattformen unterbringen, zum Beispiel für Gewerbetreibende. Das könnte nennenswerte Mieteinnahmen bringen und so den Kostenvorteil gegenüber Betonspeichern noch vergrößern. Aber die Ingenieure haben weitere Ideen. Professor Matthias Barjenbruch von der Technischen Universität Berlin will das Mischwasser gleich an Ort und Stelle reinigen:

" Die Idee, die hier jetzt noch zusätzlich dahinter steckt, ist, dass wir auch eine weitergehende Mischwasserbehandlung machen wollen, wir wollen also das Wasser, was zwischengespeichert wird, direkt vor Ort weitergehend behandeln, indem wir Feststoffe herausnehmen, die organische Belastung reduzieren, und dann auch Abwasserdesinfektion durchführen wollen, so dass wir das Wasser dann direkt in die Spree einleiten können. "

Jeden Starkregen wird auch das Projekt "SPREE2011" nicht abfangen können. Ein- oder zweimal im Jahr wären die ganzen Speichermodule voll und eine Badewarnung fällig. Und die Vorstellung, man könne bald beim Schloss Charlottenburg ins Wasser gehen und am Kanzleramt vorbei bis zum Berliner Dom schwimmen, bleibt Illusion, solange Schiffe auf der Spree fahren. Aber der Oberlauf in Kreuzberg ist viel breiter als die 42 Meter für die Schiffe. Hier könnte auf über vier Kilometer Länge ein riesiges Flussbad entstehen.

Für eine Pilotanlage im Berliner Osthafen sind Mittel beim Bundesforschungsministerium beantragt. Ludwig Pawlowski, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Wasser Berlin glaubt trotz vieler offener technischer Fragen an das Projekt.

" Im Oberlauf der Spree sehen wir sehr gute Chancen dafür, zu sagen: "Dort ist sie breit genug, dort kann man das mit der Schifffahrt vereinbaren, und dort können wir ein solches Maß von Speichern schaffen, dass in Teilbereichen dieser Oberspree dann ein Baden möglich sein wird. "

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