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StartseiteKommentare und Themen der WocheSchwimmen lernen darf nicht zu einer sozialen Frage werden09.12.2019

BäderschließungenSchwimmen lernen darf nicht zu einer sozialen Frage werden

Grundsätzlich seien sich alle Parteien einig, dass mehr für den Erhalt der Schwimmbäder getan werden müsse, kommentiert Moritz Küpper. Das Thema drohe aber in den Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Kommunen unterzugehen. Den Politikern sollte aber klar sein, dass es nicht bei Absichtserklärungen bleiben dürfe.

Von Moritz Küpper

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Blick auf ein leeres Schwimmbadbecken. Auf der linken Seite des Bildes dominiert der Schriftzug "Nichtschwimmer" am Beckenrand (imago images / Becker & Bredel )
Schwimmbad geschlossen (imago images / Becker & Bredel )

No-go-Area, gefährlicher Ort, Brennpunkt – es war die Diskussion in diesem Sommer, in der das Freibad zum Ort schlimmster Barbarei erklärt wurde. Wochenlang diskutierte Deutschland über Tumulte und Räumungen. Heute nun, sind es nicht pubertierende Jugendliche und verbale Drohungen, die die Schwimmbäder in die Schlagzeilen bringen, sondern deren schlechter Zustand: Gab es im Jahr 2000 noch rund 7.800 Schwimmbäder in Deutschland, waren es Ende letzten Jahres nur noch 6.400, zudem sind viele sanierungsbedürftig.

Das Schwimmbad, jener Ort, den Literaten auch einmal das demokratischste aller Bauwerke genannt haben, in dem alle Menschen – nur mit Badeanzug oder -hose bekleidet – gleich sind und im selben Wasser schwimmen; das für gesunden Sport steht und für Urlaubsgefühl – unabhängig von der Größe des Geldbeutels. Ist das Schwimmbad – jener Ort, der wie fast keiner anderen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt steht – also vom Aussterben bedroht?

Die Antwort laut: Wohl ja.

Die Fraktionen im Bundestag hören wenigsten zu

Denn: Während sich zwar alle Parteien, alle Fraktionen im Bundestag, einig sind, dass hier was getan werden muss, spielt das Thema an den aktuellen, grundsätzlichen Streitlinien der Politik und droht sich dort, eben bei den Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Kommunen, zu verlieren.

Der Bund – für sich – kann nur indirekt helfen, beispielsweise über ein Programm zur Förderung kommunaler Einrichtungen, der Förderung sozialer Integration im Städtebau sowie – möglicherweise – über die jüngst angekündigte Sportstätten-Sanierung. Um dies zu ändern, müssten die Länder – wie beispielsweise beim Digitalpakt oder Bildung – Kompetenzen abgeben. Angesichts der unterschiedlichen Interessenslagen hier, erscheint dies jedoch unrealistisch. Dass die Kommunen, die für die Schwimmbäder zumeist zuständig sind, angesichts von enormen Schulden, alleine eine flächendeckende Lösung finden werden, erscheint mehr als fraglich. Indirekt könnte hier ein bereits seit längerem diskutierter Altschulden-Fonds helfen. Doch auch hier sind wieder der Bund und vor allem die Länder gefragt.

Schwimmen können kann Leben retten

Es erscheint wie ein Kreislauf politischer Diskussionen und Absichtserklärung – und bei den Menschen, ergo: den Wählerinnen und Wähler in fast jedem Ort, kommt nur an: Es klappt nicht – das Schwimmbad schließt. Politikerinnen und Politiker aller Couleur, auf allen Ebenen, sollten sich dieser Bedeutung bewusst sein. 

Doch: Schwimmen, Schwimmen lernen, darf – anders als beispielsweise Ski-Fahren – nicht zu einer sozialen Frage werden. Denn: Schwimmen-Können bedeutet – siehe auch die Zahlen der DLRG – nicht ertrinken, überleben. Doch: Damit jeder Einzelne, damit eine Gesellschaft überleben kann, braucht es eben Schwimmbäder. Und zwar: Egal wie.

Moritz Küpper (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Moritz Küpper (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Moritz Küpper, Jahrgang 1980, studierte Politik- und Kommunikationswissenschaften und Volkswirtschaftslehre in München und Washington, D.C. und besuchte die Deutsche Journalistenschule. Er promovierte an der Universität Bonn und arbeitete als Redakteur bei Capital, in der Online-Redaktion des Deutschlandradios sowie der Deutschlandfunk-Sportredaktion. Seit 2015 ist er als Deutschlandradio-Landeskorrespondent in Nordrhein-Westfalen tätig.

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